Neue Regeln verschärfen den Preisdruck
Britische Fondsmanager haben nichts zu lachen

Unter den Fondsmanagern des Vereinigten Königreichs herrscht Katerstimmung. Schroders, der letzte unabhängige Fondsmanager mit globalem Ansatz, präsentierte kürzlich den schlechtesten Jahresabschluss seiner Geschichte. Der gesamten Branche drohen massive Stellenstreichungen.

LONDON. Britischen Fondsmangern stehen schwere Zeiten ins Haus. Schwache Aktienmärkte, geringere Mittelzuflüsse und der wachsende Preisdruck sorgen für drastisch fallende Margen. Die Unternehmensberatung Price-Waterhouse-Coopers schätzt, dass sich die Gewinnspannen in den nächsten Jahren gegenüber dem jetzigen Niveau auf 15 % nahezu halbieren könnten. Die Folge: massiver Stellenabbau bei den Fondsmanagern. "Die Institute müssten in den nächsten Jahren 10 bis 20 % der Stellen einsparen", sagt Ian Hards, der für PWC eine Studie über den Zustand der britischen Fondsbranche erstellt hat. Nur mit so genannten Outsourcing-Strategien könnten die Fonds-Manager die viel zu hohe Aufwands-Ertrags-Relation von derzeit mehr als 70 % senken. Nach Angaben der Investment Management Association gibt es in Großbritannien mehr als 140 Fondsmanager allein für das Privatkundengeschäft. Insgesamt werden jenseits des Kanals Fonds im Wert von rund 2,7 Billionen Pfund verwaltet. Schätzungen zufolge beschäftigen Fondsmanager rund 40 000 Angestellte.

Dabei dürften die Stellen nicht unmittelbar abgebaut werden. In erster Linie rät PWC, in Zukunft administrative Stellen in andere Gesellschaften auszugliedern. Als Vorreiter eines Trends könnte sich damit Scottish Widows erweisen, die schottische Fonds-Tochter der britischen Bank Lloyds TSB. Sie beauftragte schon 1990 die State Street Corporation, eine der größten Depotbanken der Welt, Treuhänder- und Verwahrfunktion sowie die Investment-Verwaltung ihrer vier Geschäftsbereiche zu übernehmen. Ginge es nach PWC, dann müssten noch andere Institute auf diese Art hohe Kosten aus der eigenen Bilanz schaffen. Schon Ende vergangenen Jahres hatte die Management-Beratung McKinsey in einer europäischen Erhebung die Fonds-Manager ausdrücklich gewarnt: "Wer als Asset Manager überhaupt überleben will, muss sich kurzfristig darauf konzentrieren, die Kosten zu reduzieren."

Massive Kostenprobleme

Die Branche leidet unter der gewaltigen Kosten-Explosion Ende der 90er Jahre. In dieser Zeit investierten die Vermögensverwalter wegen der vermeintlich rosigen Zukunft Hunderte von Millionen in einen steigenden Markt. Ab Mitte 2000 kippte das Bild: Der stetige Verfall der Aktienkurse bescherte den Häusern ein massives Kostenproblem. "Wenn die Märkte um 10 % fallen, brechen bei den Fondsmanagern 30 % der Einnahmen weg", sagt Keith Wade, Chief Economist beim Vermögensverwalter Schroders. Zwar hat sich der britische Index FTSE von den Tiefständen des Septembers wieder erholt. Doch noch immer liegt der Footsie mehr als ein Viertel unter der früheren Bestmarke von 7 000 Punkten.

Als Symbol für die gesamte Branche gilt Schroders plc., der letzte unabhängige Fondsmanager mit einem globalen Ansatz. Kürzlich präsentierte das Haus einen Verlust von 21 Mill. Pfund, den schlechtesten Jahresabschluss in seiner fast 200-jährigen Geschichte. Allein im vergangenen Jahr hatten die Kunden Gelder im Wert von rund 6 Mrd. Pfund abgezogen.

Drastische Einbußen

Doch Schroders steht mit seinen Verlusten nicht alleine da. Die Unternehmensberatung McKinsey schätzte in einer Studie Ende 2001, dass bei einem Ausbleiben der Trendwende am Aktienmarkt weit mehr als ein Drittel der europäischen Fondsmanager schon 2003 rote Zahlen schreibt. Angesichts der Aktienschwäche könnten mehr Kunden ihre Gelder von Aktien in weniger profitable Anleihen umschichten. Wade prophezeit der Branche drastische Einbußen. In Großbritannien werde es eine massive Umschichtung der Vermögen geben. Wade kann sich vorstellen, dass rund 10 % des verwalteten Vermögens (etwa 800 Mrd. Pfund) von der Aktien- auf die Anleihenseite wechselt. Das dürfte die Margen der Manager drücken, zumal die Verwaltung der Anleihen weniger Gebühren einbringt. "Wenn das Umfeld so schlecht bleibt", sagte Wade, "haben die Asset Manager ein Problem."

In Großbritannien kommt hinzu, dass die von der britischen Financial Services Authority gelockerten, so genannten "Polarisation rules" einen stärkeren Preisdruck bewirken. Danach ist es auch Vermittlern, die von einer Firma abhängig sind, erlaubt, ihren Kunden Produkte anderer Gesellschaften zu empfehlen. Das führt zu mehr Transparenz, aber auch zu mehr Druck auf die Margen.

Viele Fondsmanager suchen ihr Heil in der ausländischen Expansion. Doch das hilft nicht immer. Wade: "Es ist wahrscheinlich, dass wir in naher Zukunft einige Zusammenschlüsse sehen werden."

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