Neue Regierung will die Privatisierung der Staatsbetriebe beschleunigen
Anleger entdecken die Slowakei

Auch ausländische Investoren haben das Land bereits entdeckt. Weitere Impulse könnten die geplanten Privatisierungen bringen.

BUDAPEST. Die neue Regierung in der Slowakei hat soeben ihr Amt angetreten. Da sie als europafreundlich gilt, wird das Land für internationale Anleger interessant. Auch die Analysten des wirtschaftlichen Forschungsinstituts Mesa10 in Bratislava bescheinigen in ihrem Monatsbericht der Regierung hohes Reformpotenzial. Hoffnungen ruhen vor allem auf dem Unternehmer Robert Nemcsics, der das Wirtschaftsministerium übernommen hat.

Kontinuität gerade auf dem Weg in die Europäische Union verspricht auch die Tatsache, dass der international anerkannte Außenminister Eduard Kukan seinen Posten behalten wird. Kukan hat einen starken Rückhalt, da 80 % der Bevölkerung die Mitgliedschaft in der EU unterstützen. Die Slowakei und Ungarn werden zudem die Bewerber sein, die im Frühjahr 2003 eine Volksabstimmung über den EU-Beitritt abhalten. Mehr Sicherheit und Stabilität des Landes zeichnen sich ferner durch den absehbaren Beitritt zur Nato ab. Nato-Generalsekretär George Robertson hat wiederholt auf die aktive Rolle der Slowakei bei internationalen Friedenseinsätzen verwiesen.

Michal Berko, Chefredakteur der Wirtschaftszeitung Hospodarske noviny, spricht bereits von einem besseren Image seines Landes nach dem Wahlsieg der Reformkoalition. Vertreter ausländischer Unternehmen würden zunehmend das Terrain für neue Investitionen sondieren. Zudem werde sich mit der Privatisierung auch die Bedeutung der Börse in Bratislava erhöhen. Und Wirtschaftsminister Nemcsics hat gleich nach seinem Amtsantritt eine Beschleunigung der Privatisierung angekündigt. Noch hält der Staat als stiller Aktionär Mehrheitsanteile an der Telekom-Festnetzgesellschaft, dem Gasmonopolisten, an regionalen Energieverteilern und weiteren "strategischen" Unternehmen. Staatsbetriebe sind bisher auch die Elektrizitätsgesellschaft Slovenske Elektrarne, für bereits acht potenzielle Investoren Interesse zeigen, und die Eisenbahnen.

Die Analystin Henrieta Kissova von der Wirtschaftsredaktion der Agentur Sita hält vor allem die Aktien des Ölkonzerns Slovnaft, des Stahlproduzenten VSZ, des Gaskonzerns Nafta Gbely und der Pharmagesellschaft Slovakofarm für Werte mit beträchtlichem Kurspotenzial. Unterbewertet seien darüber hinaus die Aktien des staatlichen Investmentfonds Restitucny investicny fond.

Der Amtsantritt der neuen Regierung, der positive Ausgang des EU- Referendums in Irland und die jüngsten Finanzbeschlüsse des EU- Gipfels in Brüssel schlugen sich zudem positiv im Kurs der slowakischen Krone nieder. Aber auch das zunehmende Interesse ausländischer Anleger für staatliche Wertpapiere und der damit verbundene Tausch von Devisen in Kronen gab der Landeswährung einen weiteren Schub nach oben. Gestern notierte die slowakische Krone bei rund 230 Kronen zum Euro. Überhaupt wird an den Devisenmärkten in jüngster Zeit stärker auf eine Aufwertung der Währungen der Kandidaten nach ihrem Beitritt zur Europäischen Union spekuliert.

Allerdings hat der Gouverneur der slowakischen Nationalbank, Marian Jusko, bereits angekündigt, sein Institut werde eingreifen, sollte der Kurs der Krone auf ein nicht mehr akzeptierbares Niveau steigen. Das Interesse ausländischer Anleger gilt vor allem Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren. Frau Kissova erwartet für das Frühjahr die Auflage neuer Bonds, mit denen die Regierung die Tilgung der Staatsschulden refinanzieren will.

Zunehmender Optimismus macht sich schließlich auf dem slowakischen Geldmarkt bemerkbar. Geldhändler werden im Monatsbericht von Mesa10 mit der Bemerkung zitiert, die Wahlen hätten "die beste im Rahmen der existierenden Möglichkeiten" erbracht. Der Optimismus zeigte sich in einem Rückgang der Interbankenzinssätze, wobei der Wert der längsten Fälligkeiten am stärksten sank. Erwartet wird, dass die Nationalbank spätestens bis zum Jahresende die Schlüsselzinssätze um mindestens 25 Basispunkte und im Laufe des kommenden Jahres um weitere 75 Punkte senkt.

Zudem gehört die Slowakei zu den Reformstaaten Mittel- und Osteuropas, die das höchste wirtschaftliche Wachstum aufzuweisen haben. Nach einer realen Zunahme des Bruttoinlandprodukts in vergangenen Jahr um 3,3 % betrug der Zuwachs im ersten Quartals 2002 3,9 % und im zweiten Quartal 4 %.

Quelle: Handelsblatt

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