Neue Reifen und Tankschutzbleche sorgen für Sicherheit
Briten wollen rasche Wiederaufnahme der Concorde-Flüge

Die Concorde soll wieder fliegen, darüber sind sich die Airlines einig. Nachdem die British Airways ihre Flotte mit neuester Sicherheitstechnik ausgestattet hat, kommt es nun zu den ersten Testflügen. Die Franzosen wollen allerdings noch etwas mit der Wiederaufnahme des Flugbetriebs warten.

dpa LONDON. Die Plastiktasche im Cockpit der Concorde ist leer. Hier hing einst die Bescheinigung über die Flugtauglichkeit. Im August vergangenen Jahres musste Cheftechniker Claude Freeman sie aus allen sieben britischen Concorde der British Airways entfernen: "Das war vielleicht ein mieses Gefühl." Seither haben alleine im Block A des East Pen Hangars in London-Heathrow 270 Techniker daran gearbeitet, die Überschallmaschinen wieder in die Luft zu bekommen. Und auch in Frankreich bei der Air France war man fieberhaft am Werke. Dort hat man nur noch fünf Concorde: Seit dem Absturz bei Gonesse vom 25. Juli 2000, als 113 Menschen - die meisten deutsche Touristen - ums Leben kamen.

Vor allem die Briten wollen so rasch wie möglich wieder mit der Concorde zwischen London und New York fliegen, während die Franzosen zumindest aus britischer Sicht viel zögerlicher zu agieren scheinen. Drei Wochen lang flog British Airways die Concorde noch nach dem Unglück bei Paris, trotzig fast und ungeachtet aller Kritik. Die Briten sind es auch, die jetzt den ersten Überschallflug über dem Atlantik als "Überprüfungsflug" inszenierten.

31 Millionen Pfund für Verbesserung der Sicherheit und neue Kabinenausstatung

Während der Zwangspause im Hangar hat British Airways nicht nur 17 Mill. Pfund für die Verbesserung der Sicherheit ausgegeben, sondern fast ebenso viel (14 Mill. Pfund) für neue Sitze und neue Kabinenausstattung. So, als könne gar kein Zweifel daran bestehen, dass die ein Vierteljahrhundert alten Concorde noch lange fliegen werden.

Die Unterschiede im Herangehen an die Concorde-Katastrophe auf beiden Seiten des Ärmelkanals könnten deutlicher nicht sein. "Wir haben eine offizielle Untersuchung am Hals, wir hatten den Unfall, wir haben die Toten. Die Briten sind bei allem, was sie tun und sagen, viel freier als wir", zitiert der "Guardian" einen Sprecher der Air France. "Es gibt Dinge, die wir einfach nicht tun können." Die "Vorverkaufsaktion" von British Airways beispielsweise. Dort hat man nämlich jene 50 "Top-Kunden", die die Concorde mehr als 20 Mal pro Jahr benutzten, zu einer Besichtigung des Hangars eingeladen, um sie über die Arbeiten an der Wiederauferstehung der Concorde aus dem Grab der Zivilluftfahrt teilhaben zu lassen.

Neue Reifen von Michelin entwickelt

Da konnten sie zusehen, wie sich Techniker und Technikerinnen in 30 Zentimeter breite Öffnungen in den Tanks zwängten. Dort brachten sie am Tankboden in jeder Maschine 150 Platten aus Kevlar an, einem leichten Plastikmaterial, 20 Mal stärker als Stahl und gerne auch für kugelsichere Westen benutzt. Diese Beschichtung soll verhindern, dass sich das Unfallszenario von Paris wiederholt: Ein Metallgegenstand auf der Startbahn zerfetzt einen Reifen, dessen Teile verursachen ein Leck im Tank. Michelin hat eigens neue Reifen entwickelt, die angeblich nicht platzen können.

Vetrauen der Kunden soll weiter gestärkt werden

Wer nicht zu den 50 wichtigsten Kunden von BA gehörte, sondern beispielsweise nur auf der Liste von 750 Concorde-Vielfliegern (mehr als neun Mal jährlich) steht, der wurde ständig per Brief, per E-Mail oder persönlichem Anruf über den Stand der Arbeiten informiert. Ein BA-Sprecher: "Es ist wichtig, dass die Stammgäste wieder Vertrauen zur Concorde haben." Schließlich kostet das Ticket nach New York und zurück rund 6 000 Pfund.

Nichts Derartiges tat sich bei Air France. Dort beschäftigte man sich mit den Unfallfolgen: Im Juli wurde Einigung mit rund 700 meist deutschen Hinterbliebenen erzielt. Sie sollen unbestätigten Berichten zufolge mindestens 200 Mill. Mark bekommen. Einen abschließenden Untersuchungsbericht der französischen Behörde gibt es immer noch nicht.

Bei British Airways haben die Concorde-Piloten mit Simulatorflügen ihre Flugscheine gültig erhalten, wird der Ausfall auf 50 Mill. Pfund geschätzt. "Es kostet mehr, die Concorde auf dem Boden stehen zu haben als sie zu fliegen", sagt ein BA-Sprecher. Und Claude Freeman wartet nur darauf, die Plastiktäschchen im Cockpit wieder mit Papier zu füllen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%