Neue Risse mit schwerwiegenden Folgen
Regierung in Rom ruft Notstand am Ätna aus

Die Lage am sizilianischen Vulkan Ätna ist explosiv. Nach alarmierenden Berichten vom Montag reißt der Berg weiter auf. Die italienische Regierung rief den Notstand für die Region aus.

dpa CATANIA. "Es öffnen sich neue Risse mit schwer wiegenden Folgen", sagte der Bürgermeister des am meisten bedrohten Ortes Nicolosi, Salvatore Moschetto. Die Einwohner Nicolosis erflehten unterdessen bei einer Prozession himmlischen Beistand: "Herr, unser Retter, hab Erbarmen mit uns." Der gegenwärtige Ausbruch des aktivsten Vulkans Europas ist nach Auskunft eines Experten der schlimmste seit 30 Jahren. Gewaltige Lavafontänen, Gas und Asche steigen von dem gut 3300 Meter hohen Ätna auf. Ein Fernsehreporter berichtete, eine Bergkuppe drohe nachzugeben. Nach der Ausrufung des Notstands kann den Menschen nun schnell und unbürokratisch geholfen werden. Die Retter am Ätna hoffen insbesondere auf mehr Personal und die Bereitstellung von Räumgerät. Helfer montierten in aller Eile Seilbahnkabinen ab. "Die Lifte sind zerstört, aber wir werden sie wieder aufbauen", sagte ein Sprecher der Betreibergesellschaft. Der Ätna ist im Winter eine beliebte Skipiste.

Über die Großstadt Catania am Fuße des Vulkans ging wieder schwarzer Regen nieder. Der internationale Flughafen wurde erneut vorübergehend geschlossen. Das Fernsehen zeigte Bilder von Menschen, die bei brütender Hitze mit Regenschirmen durch die Stadt gingen.

Bislang keine Stornierungen

Deutsche Urlauber scheinen die spektakulären Bilder aber nicht abzuschrecken. Nach Auskunft von Reiseveranstaltern werden derzeit keine Reisen nach Sizilien abgesagt. Die Urlauber hätten keine nennenswerten Auswirkungen zu befürchten, hieß es am Montag beim größten deutschen Reiseveranstalter TUI. Die Hotels lägen alle weit entfernt von dem Vulkan. Allerdings seien die Straßen weiträumig gesperrt. Es werde Urlaubern empfohlen, die Region zu meiden.

Eine Sprecherin des Touristik-Unternehmens Thomas Cook sagte, bisher gebe es keine Stornierungen, aber auch keine zusätzlichen Buchungen oder Verlängerungen. Cook habe 60 Hotels in drei Orten, die alle nahe Taormina lägen. Die dortigen Strände seien von Ascheregen oder ähnlichem nicht betroffen. In ganz Sizilien habe Cook gegenwärtig 1000 Gäste, alles laufe normal.

Unterdessen kam nur wenige Kilometer vor Nicolosi eine gewaltige Lavaflut ins Stocken. Vulkanologen gehen davon aus, dass sich der Strom neue Wege sucht. Jüngste Computer-Simulationen ergaben, dass die Lava zwischen Nicolosi und dem Nachbarort Belpasso hindurchströmen könnte - auf weiter unten gelegene einzelne Häuser zu. Dass Nicolosi überflutet werde, sei "weniger wahrscheinlich". Für den Notfall liegen Evakuierungspläne vor.

Die Lavamassen walzten allerdings zwei einzeln stehende Bauernhäuser nieder. Weiter oben am Ätna versuchen Mitarbeiter des Zivilschutzes, einen gigantischen anderen Lavastrom zu spalten und so die Naturgewalt zu bändigen.

Bereits am Sonntagabend spielten sich in Nicolosi dramatische Szenen ab. Tausende Einwohner folgten im Dämmerschein ihrem Pfarrer in einer Lichterprozession. Angesichts des tobenden Vulkans knieten sie sich nieder und bekreuzigten sich. "Wir flehen den Herrn an, dass das Feuer des Vulkans diesen und alle anderen Orte in der Nachbarschaft verschont." Der Pfarrer schlug ein Kreuz in Richtung der glühenden Lava. Teilnehmer berichteten, der beißende Geruch des Lavagesteins habe sich mit dem Weihrauch vermischt.

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