Neue Rolle passte dem 49-Jährigen nicht
HVB-Vorstand Juchem schmeißt hin

Die Neuordnung der Konzernspitze bei der Hypovereinsbank hat innerhalb weniger Wochen die zweite Rücktrittserklärung eines Vorstandsmitgliedes nach sich gezogen. Der bislang für das Kapitalmarktgeschäft zuständige Vorstand Norbert Juchem werde die Bank zum Jahresende verlassen, teilte die Hypovereinsbank am Donnerstag in München mit.

rtr/dpa-afx/cbu MÜNCHEN. Über den Abschied des 49-jährigen Juchem war seit mehreren Wochen spekuliert worden, nachdem dieser nicht in den Ende Oktober gebildeten "strategischen Vorstand" aufgenommen worden war und in der neuen Führungsstruktur nur noch eine untergeordnete Rolle spielen sollte. Aus dem gleichen Grund hatte bereits zuvor Eberhard Rauch, der unter anderem für das Privatkundengeschäft verantwortlich war, seinen Rücktritt erklärt. Nun verfügt die Hypovereinsbank noch über neun Vorstandsmitglieder, von denen sechs das engere Führungsgremium bilden.

"Wir bedauern sehr, dass sich Herr Dr. Juchem nach den Veränderungen in der Führungsstruktur ein neues Betätigungsfeld außerhalb unserer Bank suchen will", sagte Aufsichtsratschef Kurt F. Viermetz. Hypovereinsbank-Chef Albrecht Schmidt betonte, Juchem habe einen wichtigen Beitrag für das Wachstum zu einer international renommierten Bank beigetragen. Seine Position soll nach Angaben einer Sprecherin in dieser Form nicht neu besetzt werden.

Schmidt hatte die geplante Neuordnung Ende Oktober angekündigt und damit für Unruhe in den Führungsetagen gesorgt. Kurz nach der Bekanntgabe der neuen Strukturen hatte Rauch seinen Rücktritt zum Jahresende angekündigt.

Schmidt und fünf Kollegen führen künftig einen virtuellen Holding-Vorstand, an den die übrigen Vorstandsmitglieder berichten müssen, obwohl sie ihnen formal gleich gestellt sind. Dadurch soll die Führungsstruktur der Hypovereinsbank straffer organisiert werden.

In der neuen Struktur war Juchem als Integrations-Manager im Vorstand des Bereichs "Corporates & Markets" vorgesehen, der von Dieter Rampl geführt wird. Zuvor hatte er den Wertpapier-Bereich ("International Markets") geleitet, der mit einem Teil des Firmenkundengeschäfts zu "Corporates & Markets" zusammen gelegt worden war.

Juchem war 1991 in den Vorstand der ehemaligen Bayerischen Vereinsbank berufen worden. Zuvor war Juchem von 1984 bis 1991 für die BHF-Bank in Frankfurt tätig. Im Vorstand der Hypovereinsbank trug er unter anderem zur Verschmelzung der Kapitalmarktaktivitäten der Hypovereinsbank und der Bank Austria bei.

Schmidt bestellt derzeit sein Haus, denn der Vorstandschef will 2003 ausscheiden und bis dahin die HVB zurück auf die Erfolgsspur bringen. Über seine Nachfolge wird bereits spekuliert. Derzeit steht lediglich fest, dass der Kandidat aus dem HVB-Konzern kommen soll. Als Favoriten gelten neben Rampl die HVB-Vorstände Stefan Jentzsch, 41, ein ehemaliger Investment-Banker von Goldman Sachs, und Stephan Bub, 43, der für die HVB in New York sitzt. Auch der ausgeschiedene Eberhard Rauch hatte Ambitionen auf den Chefposten.

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