Neue Samstags-Öffnungszeiten bis 20 Uhr treffen selbst Handelskonzerne unvorbereitet
Händler warten beim Ladenschluss ab

Nun ist es amtlich: Die Bundesregierung will deutschen Einzelhändlern erlauben, die Geschäfte am Samstag länger offen zu halten. Doch vorpreschen will kaum jemand.

DÜSSELDORF. Jetzt haben sie es doch geschafft. Nach monatelangen Debatten zwischen Regierung, Verbänden und Gewerkschaften soll das einst eherne Ladenschlussgesetz weiter gelockert werden. Am vergangenen Mittwoch beschloss das Kabinett in Berlin, ab 1. April nächsten Jahres am Samstag längere Ladenöffnungszeiten zuzulassen. Statt bis 16 Uhr, wie bisher, dürfen die Geschäfte dann bis 20 Uhr öffnen.

Bundestag und Bundesrat müssen der Gesetzesvorlage zwar noch zustimmen, aber das werde wohl kein Problem sein, meint Hubertus Pellengahr, Sprecher beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE): "Der politische Konsens ist vorhanden und breit genug, um eine Einigung zu ermöglichen."

Viele Einzelhändler stimmen grundsätzlich zu, doch fertige Pläne zur Umsetzung der neuen Öffnungszeiten haben viele nicht parat. Sie warten erstmal ab, ob sich der neue Service durchsetzt und die zuletzt katastrophalen Umsätze wieder steigen. Einstellungen, die bei längeren Öffnungszeiten notwendig wären, sind in der Regel nicht geplant.

"Wir wollen versuchen, allen Bedarf mit den vorhandenen Kräften zu decken", sagt Kaufhof-Sprecherin Julie Edelmann-Veith. Als Ausgleich für die zusätzlichen Stunden am Samstag könnten die Kaufhof-Filialen zu umsatzschwachen Zeiten ihre Tore etwas länger zuhalten. Andere Einzelhändler wollen auf Aushilfen zurückgreifen.

"Wir müssen erst sehen, ob sich die Umsatzströme nicht einfach nur verlagern", sagt auch Wolfram Schmuck von der Handelsgruppe Rewe. Gründliche Standort- und Bedarfsanalysen seien notwendig, bevor das Unternehmen die neue Freiheit umsetze. Wenn bei der Rewe - Tochter HL am Dorfplatz ab Samstagmittag nichts mehr los sei, mache es keinen Sinn, länger Präsenz zu zeigen. Ähnlich zurückhaltend gibt sich die Tengelmann-Tochter Plus: "Dort, wo es uns als betriebswirtschaftlich notwendig erscheint, werden wir die Öffnungszeiten überdenken", lässt die Discountkette verlauten.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor: Die Betriebsräte. Weil sich mit der Änderung der Ladenöffnungszeiten auch die Schichten verschieben, müssen die Arbeitnehmervertreter in jedem Unternehmen einzeln zustimmen. Widerstände erwarte er von dieser Seite zwar nicht, sagt Karstadt-Sprecher Elmar Kratz, aber "genaue Pläne zur Umsetzung der neuen Regelung können wir erst machen, wenn intern Konsens herrscht."

Einzelhandelssprecher Pellengahr überrascht die allgemeine Zurückhaltung nicht: "Bei der letzten Liberalisierungsrunde haben die Händler die neuen Möglichkeiten manchmal sehr schnell in Kraft gesetzt, jetzt sind sie vorsichtiger." Überdies gebe es Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen: "Am Samstagnachmittag kauft niemand mehr Lebensmittel."

Die Rewe-Supermärkte etwa würden deshalb kaum von der Liberalisierung der Öffnungszeiten profitieren. Auch Discounter wie Plus haben den Extra-Service nicht nötig, ihre Kunden kommen wegen der niedrigen Preise. Anders sieht es bei Produkten aus, bei denen Beratung und Service immer noch ein gewichtiges Kaufargument sind. Beispiele genug finden sich bei Büchern, Möbeln und Textilien, meint HDE-Sprecher Pellengahr.

"Endlich können wir das Einkaufserlebnis nach den Bedürfnissen unserer Kunden gestalten", sagt Werner Weber, Geschäftsführer von Ikea Deutschland. Im Unterschied zum Gros der Branche will das schwedische Möbelhaus für den verlängerten Samstag Leute einstellen, die Regelung sofort an allen Standorten umsetzen und erwartet Umsatzzuwächse: "Am liebsten wäre es uns, wenn der Ladenschluss in Deutschland vollkommen liberalisiert würde", sagt Weber. Das geht den meisten Branchenkollegen zu weit: "Dass wir sonntags öffnen sollen, steht gar nicht zur Debatte", meint HDE-Sprecher Pellengahr.

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