Neue Sicherheits-Systeme auf der IAA
Der Sicherheitsgurt war nur ein Anfang

Nicht Design, nicht Leistung, sondern Sicherheit steht für deutsche Autokäufer an erster Stelle. Das geht aus den Untersuchungen der GfK-Forscher aus Nürnberg hervor. Doch wie stark der Sicherheitsaspekt wirklich die Wahl des neuen Autos bestimmt, können auch die GfK-Experten nicht beantworten, denn "Sicherheit wird von den Kunden einfach vorausgesetzt - ein Ergebnis des öffentlich ausgetragenen Rennens, das sich die Autobranche seit Jahren auf diesem Gebiet liefert", sagt GfK-Autofachmann Peter Brietsche.

HB FRANKFURT. Auch wenn der Zusammenhang zwischen Sicherheitskomponenten und Verkaufszahlen nicht eindeutig nachweisbar ist, der Erfolg des Sicherheitsbestrebens in den Autos lässt sich belegen: Die Zahl der Toten im Straßenverkehr ist trotz steigender Verkehrsdichte rückläufig.

Dafür, dass sich dieser Trend fortsetzt, sollen einige Neuerungen sorgen, die ab der kommenden Woche auf der Internationale Automobilausstellung in Frankfurt. vorgestellt werden. Die Optimierung der Sicherheit wird an fast allen Ausstellungsständen ein Thema sein, so auch bei der Ford-Tochter Volvo, die traditionell den Ruf hat, robuste und sichere Autos zu bauen. Die Schweden werden in Frankfurt ein System präsentieren, mit dem nach eigenen Angaben "das Risiko eines Schleudertraumas bei Unfällen um bis zu 75 % gesenkt werden kann". In mehr als zwei Drittel aller Unfälle mit Personenschaden leiden die Betroffenen unter schmerzhaften Folgeerscheinungen im Nacken- und Kopfbereich. Das Whips (Whiplash Protection System) genannte System soll helfen, die bei einem Auffahrunfall besonders belastete Halswirbelsäule zu schützen.

Mit verstärkten Kopfstützen und einem speziellen Stützmechanismus in der Rückenlehne leitet das System die auftretenden Kräfte bei einem Unfall von der Nackenpartie weg und nimmt sie an der Schnittstelle zwischen Rückenlehne und Sitzfläche auf. Im Fall einer Kollision bewegen sich dafür die Rückenlehnen nach hinten, dadurch werden Kopf und Körper ausbalanciert, versprechen die Entwickler.

Einem anderen Problem, das bei Unfällen häufig zu Verletzungen im Beckenbereich führt, hat sich Renault angenommen. Um das Durchrutschen von Fahrer und Beifahrer unter dem Gurt zu verhindern, setzt der französische Hersteller auf einen im Sitz installierten Airbag. Er hebt im Ernstfall die Oberschenkel von Fahrer und Beifahrer an und hält die Körper so in den Gurten. Besonders bei zweitürigen Autos, bei denen die üblichen Gurtstraffer den Einstieg der Fond-Passagiere behindern würden, kommt das System zum Einsatz - so auch im Mégane.

Vorbeugung gefragt

Doch wenn Gurtstraffer und Airbags reagieren, ist der Unfall schon passiert. Der französische Zulieferer Valeo will helfen, sie zu verhindern. Die Franzosen präsentieren in Frankfurt gemeinsam mit dem US-Elektronikanbieter Ratheon eine Sensorik für PKWs, die den Fahrer warnt, wenn sich Hindernisse im toten Winkel befinden. Durch gewölbte oder geteilte Rückspiegel ist der tote Winkel zwar bereits kleiner geworden, doch es bleibt noch immer ein nicht einsehbarer Bereich. Das Valeo-System, das auf Radartechnologie basiert, will in diese dunkle Ecke Licht bringen, um eine der größten Unfallursachen zu beseitigen.

An die höchste Komplexitätsstufe hat sich Continental gewagt. Der Autozulieferer aus Hannover wird in Frankfurt die jüngste Version seines Aktiv-Passiv-Integrations-Ansatzes vorstellen. Ziel des Projektes ist die Vernetzung aller sicherheitsrelevanten Systeme eines Autos, um Unfälle zu vermeiden und Folgen gering zu halten. Elektronische Stabilitätsprogramme, Antiblockiersysteme, Gurtstraffer, Airbags, aber auch Lenkung, Bremsen und Stoßdämpfer sollen in einer gefährlichen Situation optimal reagieren. Noch ist das System nicht serienreif. Doch Continental hat nachgewiesen, dass beispielsweise schon die Kommunikation zwischen Bremssystemen, verstellbaren Stoßdämpfern und Spezialreifen den Bremsweg "um bis zu 20 % verringert". In der Endstufe sollen in einem "Gefahrenrechner" alle relevanten Daten zusammenlaufen und Gegenmaßnahmen veranlasst werden. Noch ist das Zukunftsmusik.

Dass diese Zukunft nicht mehr allzu weit entfernt ist, zeigt beispielsweise das Pre-Safe-System in der Mercedes S-Klasse. Das System soll einen drohenden Unfall bereits im Voraus erkennen. In Sekundenschnelle werden die Gurte gestrafft, die Sitze in optimale Position gefahren und das Schiebedach geschlossen. In wenigen Jahren werden diese oder ähnliche Systeme auch in niedrigeren Fahrzeugklassen Einzug finden, sind sich Experten einig.

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