Neue Ski sollen den Sport einfacher machen
Skiindustrie will Jugend zurückgewinnen

Die Skihersteller haben harte Zeiten hinter sich. Weil die Jugend in den letzten Jahren lieber Snowboard fuhr, hat die Industrie eine Generation fast verloren. Neue Bretter sollen die Wende bringen.

MÜNCHEN. Als es Anfang September in den Alpen bis in die Täler hinunter zu schneien begann, konnten die Manager der europäischen Skifabriken bereits das Tempo der Fließbänder erhöhen: Nichts ist für den Erfolg der Skiindustrie wichtiger als ein früher Winter. Nur wenn auf den Pisten Schnee liegt, kaufen sich die Leute vor Weihnachten neue Ski - zu einer Zeit also, in der noch die vollen Preise verlangt werden.

Auf die Gunst des Wetters können sich die Skifirmen allerdings nicht verlassen. Zu oft blieben die Abfahrten in den vergangenen Jahren vor Heiligabend grün. Die Industrie will in diesem Winter deshalb neue Käufer gewinnen und setzt ganz auf die Jugend. "Skifahren ist wieder jung", betont Florian Brunner, Chef der Skifabrik Kneissl, "und damit mehr als im Slalom auf Zeit durch Stangen fahren." Michael Schineis, CEO von Österreichs größter Skischmiede Atomic, fügt begeistert hinzu, "man muss ein Erlebnis verkaufen".

Das hat in den vergangenen Jahren immer weniger geklappt, vor allem die jugendlichen Käufer blieben weg. Der Absatz stagnierte, Wachstum war nur auf Kosten der Konkurrenz möglich?. Und ältere Skifahrer halten sich mit Skikäufen zurück. Nur alle neun Jahre leistet sich ein deutscher Skifahrer im Schnitt ein frisches Paar. Deshalb sei es auch "nicht möglich, gegenüber dem Handel höhere Preise durchzusetzen", klagt der Verband der österreichischen Skiindustrie.

Die Jugend soll sich nach Auffassung der Hersteller jetzt für so genannte Freeride-Ski begeistern, einer Weiterentwicklung der Carving Ski. Das sind kurze, stark taillierte Bretter, die schnell drehen. Damit sind der Akrobatik und Spaß auf den Pisten kaum Grenzen gesetzt. Und noch etwas ist wichtig: "Man fährt leichter Ski damit", sagt Blizzard-Geschäftsführer Bob Koch. Den Kids sollen also langwierige Skikurse erspart werden. Weil Skifahren vergleichsweise schwierig ist, haben sich viele Kinder in den letzten Jahren auf das Snowboarden verlegt. So ist den traditionellen Ski-Herstellern der Nachwuchs verlorengegangen.

Um den Jugendlichen den Winterurlaub und den Skikauf schmackhaft zu machen, sollen sie schon in der Heimat, fern der Berge, angesprochen werden. "Die Skihalle ist die Driving-Range des Skisports", sagt Atomic-Chef Schineis und setzt deshalb auf die zwei neuen Center in Nordrhein-Westfalen. In drei Tagen, verspricht die österreichische Skiindustrie, bringt sie den Kids auf dem Kunstschnee von Neuss und Bottrop die ersten Schwünge bei.

Die neuen Ski kommen freilich nicht nur der Jugend zu Gute. Weil das Material leichter zu fahren ist als die bisherigen Ski, sollen auch Senioren einige Jahre länger auf der Piste bleiben. Darüber hinaus kommen in diesem Winter erstmals Soft-Skischuhe in die Regale. Die Stiefel, die unter anderem von Marktführer Rossignol heftig beworben werden, sollen wesentlich bequemer sein als die bisherigen klobigen Plastikschuhe.

Und noch etwas macht den Skifirmen Hoffnung. Die geringere Lust auf Flugreisen sei eine "Chance für den Wintertourismus", findet Schineis. Und weil der Skiurlaub oft billiger ist als ein Aufenthalt auf den Malediven, könnten die Leute das übrige Geld für Skikäufe nutzen, so die einfache Rechnung von Gregor Ditachmayr, Chef des Skiproduzenten Fischer.

Einen Run auf die Sportgeschäfte erwarten die Skibosse trotz aller positiven Vorzeichen nicht: "Von einem völlig neuen Ski-Boom dürfen wir nicht träumen", beurteilt Schineis die Lage angesichts der weltweiten Wirtschaftsschwäche nüchtern. Hoffnung hat er dennoch: "95 Prozent der Europäer fahren nicht Ski - ein gigantisches Potenzial . . ."

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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