Neue Spekulationen um Nachfolger für Ron Sommer
Zumwinkel als Telekom-Chef im Gespräch

Post-Chef Klaus Zumwinkel wird möglicherweise Nachfolger von Ron Sommer bei der Deutschen Telekom. Endgültig entschieden ist darüber jedoch noch nicht. Als interner Kandidat ist weiterhin Kai-Uwe Ricke im Rennen, der heute die Mobilfunk-Tochter T-Mobile leitet. Rickes Gegner kritisieren jedoch dessen Nähe zu Sommer.

agr/dri/pos BERLIN/DÜSSELDORF. Er ist der erste Kandidat seit langem, dem der Job im Prinzip zugetraut wird: Post-Chef Klaus Zumwinkel. Zwar wollte am Wochenende niemand Presseberichte bestätigen, nach denen Zumwinkel tatsächlich die Nachfolge des zurückgetretenen Telekom-Chefs Ron Sommer antreten wird. "Es ist aber erstmals jemand, mit dem tatsächlich darüber gesprochen wurde", hieß es immerhin in informierten Kreisen.

Wie das Handelsblatt aus mehreren Quellen erfuhr, ist die Personalie Telekom-Chef jedoch noch keinesfalls entschieden. Ein ernstzunehmender Informant meinte sogar, dass der Name Zumwinkel lediglich als Ablenkungsmanöver an die Presse gespielt worden sei. Das Kalkül dahinter: Der interne Favorit Kai-Uwe Ricke, heute Chef der Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, T-Mobile, soll sich unbeschadet von öffentlichen Diskussionen durchsetzen können.

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte, dass die Personalie zunächst im Aufsichtsrat geklärt und dann mit dem Großaktionär besprochen werde. Bisher seien alle Namen Spekulation. Ein Sprecher der Deutschen Post AG verwies lediglich auf Zumwinkels Dementi vom Juli. Damals hatte Zumwinkel, der am Wochenende wanderte und nicht erreichbar war, gesagt: "Ich bin Postchef und bleibe das auch."

In Postkreisen gab es am Wochenende unterschiedliche Einschätzungen. Während einige hochrangige Manager glaubten, es handele sich um ein Ablenkungsmanöver, hielten es andere Postler durchaus für möglich, dass ihr 58-jähriger Chef nach zwölf Jahren Post zum Abschluss seiner Karriere die Telekom sanieren wollen würde. Bei der Post könnte dann einer der Vorstände an die Spitze aufrücken. Für Zumwinkel spreche seine Erfahrungen, einen börsennotierten Großkonzern mit Hauptaktionär Bund zu führen.

Die These vom Ablenkungsmannöver vertrat demgegenüber der scheidende SPD-Bundestagsabgeordnete Helmut Wieczorek, der seit der Telekom-Privatisierung gut mit dem Unternehmen vertraut ist und die teure Globalisierungsstrategie der Telekom als "Desaster" bezeichnet. "Ich glaube schon, dass es in der Telekom alte Seilschaften gibt, die Ricke nach vorne schieben wollen", sagte er. "Es muss jetzt aber unbedingt jemand an die Spitze, der nicht für dieses Desaster verantwortlich ist."

Nach dem Telekom-internen Zeitplan wollen Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus und Interims-Vorstandschef Helmut Sihler erstmals Ende Oktober Kandidatenvorschläge im vierköpfigen Präsidium des Aufsichtsrats diskutieren. Wie zu hören ist, haben beide neben mehreren externen Kandidaten auch mit Ricke gesprochen. Sie seien aber von dem 41-jährigen Mobilfunkchef nicht ganz überzeugt: Als Gefolgsmann Sommers hat er die Expansionsstrategie stets unterstützt. Ob er jetzt auf den notwendigen Sanierungskurs einschwenken kann, bezweifeln Sihler und Winkhaus, wie es in ihrem Umfeld heißt.

Unterstützung erfährt Ricke von den Arbeitnehmern im Aufsichtsrat, aber auch im Top-Management des Unternehmens: Dort befürchtet man, dass eine externe Besetzung die als lähmend empfundene Zeit des Übergangs unnötig verlängern würde. Wichtige Entscheidungen, wie die über mögliche Anteilsverkäufe der US-Mobilfunktochter Voicestream, könne man nicht um weitere Monate aufschieben.

Quelle: Hhandelsblatt

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