Neue Spuren führen nach Mecklenburg-Vorpommern und Bonn
Mehr mutmaßliche Attentäter lebten in Deutschland

Offenbar haben mehr mutmaßliche Attentäter als bisher bekannt zeitweise in Hamburg studiert. Die Ermittlungen führen auch nach Bonn und Mecklenburg-Vorpommern.

ddp/rtr HAMBURG. Der Kanzler der Technischen Universität Hamburg-Harburg, Jörg Severin, bestätigte am Montag die Existenz einer Liste mit insgesamt 13 Verdächtigen, die von der US-Bundespolizei FBI übermittelt wurde. Sieben Namen von dieser Liste seien in Datenbeständen der Universität enthalten, sagte Severin. Vermutich vier seien aktuell an der Hochschule eingeschrieben. Das Bundeskriminalamt in Wiesbaden teilte mit, bislang seien im Zusammenhang mit den Anschlägen 1500 Hinweise aus dem gesamten Bundesgebiet eingegangen.

Bisher waren die Ermittler von drei arabischen Studenten ausgegangen, die zeitweise in Hamburg studiert haben und in den entführten Flugzeugen saßen, mit denen die Anschläge am vorigen Dienstag verübt wurden. Möglicherweise waren aber noch mehr Studenten an den Vorbereitungen in Hamburg beteiligt.Severin sagte, auf der Liste seien die Namen von drei ehemaligen sowie drei aktuell eingeschriebenen Studenten vermerkt. In einem weiteren Fall sei noch offen, ob der Betroffene noch studiere, da er sich noch nicht zurückgemeldet habe. Die Frist dafür laufe Ende Oktober aus. Zwei der eingeschriebenen Studenten seien nach Auskunft der Polizei völlig unverdächtig, fügte Severin hinzu. Einer der immatrikulierten Studenten von der jetzt bekannt gewordenen Liste habe "noch vor wenigen Tagen seine 300 Mark (Semesterbeitrag) überwiesen".

Unklar blieb zunächst, um welche Liste es sich bei den 13 handelte. Das FBI hatte am Freitag 19 Männer als mutmaßliche Attentäter benannt, darunter sieben Piloten. Sie sollen die Flugzeuge am vorigen Dienstag entführt und zum Absturz gebracht haben. Severin sagte, ihm sei von Journalisten die Liste der 19 vorgelegt worden. Die einzigen ihm bekannten Namen darauf seien die von Mohamed Atta und Marwan Al-Shehhi gewesen.

Mehrere Wohnungsdurchsuchungen in Hamburg

Seit den Anschlägen suchen die Ermittler weltweit nach den Attentätern. In Hamburg wurden deshalb zahlreiche Wohnungen durchsucht. Zuletzt war bekannt geworden, dass der aus dem Libanon stammende Ziad Samir Jarrah an Bord der Passagiermaschine gewesen ist, die am vergangenen Dienstag in Pennsylvania abgestürzt ist. Er studierte wie Atta und Al-Shehhi in Hamburg Flugzeugbau

Nach Angaben der Universität in Bonn hat sich Al-Shehhi im März 1997 unter dem Namen Marwan Lekrab dort als Studienbewerber aus den Vereinigten Arabischen Emiraten eingeschrieben. Die Universität bestätigte außerdem Angaben des Studentenwerks, wonach Al-Shehhi im ersten Semester 1999 unter seinem richtigen Namen in einem Bonner Studentenwohnheim gelebt hat.

Studenten der Hamburger Fachhochschule beschrieben Jarrah am Montag als unauffälligen Kommilitonen, der seine Religion, den Islam, gelebt, aber nie versucht habe, andere zu beeinflussen. Jarrah sei weder Mitglieder im Allgemeinen Studenten-Ausschuss (Asta) noch im Studentenparlament gewesen. Es gebe weder eine Islamische Vereinigung an der Fachhochschule noch ein speziell für islamische Studenten eserviertes Gebetszimmer, sagte der frühere Asta-Vorsitzende Rolf Speck.

Der Präsident der Universität, Hans-Gerhard Husung, sagte, Jarrah habe sein Studium im Fachbereich Flugzeugbau und Fahrzeugtechnik im Wintersemester 1997 begonnen und sei bis zum Sommersemester 2001 eingeschrieben gewesen. Letzte Prüfungsleistungen von ihm längen vom Juli 1999 vor. Kommilitonen berichteten, Jarrah habe sich Ende 1999 von ihnen verabschiedet, danach hätten sie nichts mehr von ihm gehört. Jarrah habe sein Studium damals in den USA fortsetzen wollen, weil er das Land geliebt habe.

Von 1996 bis 1997 lebte Jarrah in Greifswald, wo er sich Angaben der dortigen Universität in einem Studienkolleg auf ein Studium vorbereitete. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler soll Jarrah im Juni 2001 in die USA ausgereist und in Venice und Miami im Bundesstaat Florida Flugunterricht genommen haben.

Weitere Spur führt nach Mecklenburg-Vorpommern

Das Bundeskriminalamt hat nach Angaben des Norddeutschen Rundfunks einen zweiten Tatverdächtigen für die Terroranschläge in den USA in Greifswald ermittelt. Wie NDR Radio MV am Montag berichtete, soll einer der mutmaßlichen Entführer in der bei Pittsburgh abgestürzten Maschine unter dem Namen Al-Sabbagh an der Universität der Hansestadt eingeschrieben gewesen sein. Am vergangenen Mittwoch sei an der Universität ein Anruf eingegangen, wonach der Mann sein Medizinstudium nicht mehr aufnehmen könne, da er plötzlich verstorben sei.

Al-Sabbagh war nach bisherigen Erkenntnissen am Dienstag beim Absturz der United Airlines-Maschine ums Leben gekommen. Pilot der entführten Maschine soll der Libanese Ziad Samir Jarrah gewesen sein, der von April 1996 bis Ende 1997 ebenfalls in Greifswald lebte. Al-Sabbagh war den Angaben zufolge Jarrah von der vorpommerschen Hansestadt nach Hamburg gefolgt. Er soll später aber des öfteren in Greifswald aufgetaucht sein.

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