Neue staatliche Förderung für die Privatrente
Allianz Leben rechnet mit 1,3 Millionen Kunden wegen Rentenreform

Die Stuttgarter Allianz Lebensversicherungs-AG will unmittelbar nach der Einigung in Bundesrat und Bundestag auf die Einführung einer staatlich geförderten private Altersvorsorge reagieren.

Reuters BERLIN. Allianz-Leben-Vorstand Jürgen Eichelmann sagte am Freitag, bereits am Wochenende werde der Konzern mit Zeitungsbeilagen um die möglichen Neukunden werben. "Hauptziel ist die Beratung der noch irritierten Kunden", sagte Eichelmann. Zum 1. Juli würden fondsgebundene und klassische Rentenversicherungen auf den Markt gebracht, die die Kriterien der neuen Altersvorsorge erfüllten.

Nach Schätzungen der Finanzmarktbranche werden rund 70 Prozent der 21 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten die neue staatliche Förderung für die Privatrente in Anspruch nehmen. Von diesen rund 15 Millionen Neukunden entscheiden sich nach den Prognosen etwa neun Millionen für Versicherungen, die Rest für Bankprodukte oder Investmentfonds.

In den ersten zehn Jahren sei wegen der hohen Beratungskosten nicht mit großen Unternehmensgewinnen durch die Neuregelung zu rechnen, die im Branchenjargon "Riester-Rente" genannt wird. Die Förderung soll am 1. Januar 2002 starten. Die Förderung soll schrittweise bis auf vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze im Jahr 2008 steigen. Der Bund schießt dann voraussichtlich jährlich rund 21 Milliarden Mark hinzu.

Das Produkt sei sehr eng kalkuliert und es sei erheblicher Voraufwand geleistet worden, sagte Eichelmann. "Wir haben ganz erheblich investiert." So müssten die Außendienstmitarbeiter geschult werden. Der Werbeaufwand müsse zwangsläufig aufgestockt werden und der Beratungsaufwand sei hoch. "Das wird sich nur langfristig rechnen", sagte Eichelmann weiter.

Für ihre neuen Produkte will die Allianz Leben Eichelmanns Worten nach so schnell wie möglich die notwendige Zertifizierung beim Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen erreichen. Es stehe dem Kunden frei, schon vor dem eigentlichen Stichtag am 1. Januar 2002 Geld einzuzahlen. Falls im Juli die Zertifizierung nicht vorliegen sollte, werde der Kunde auf jeden Fall abgesichert.

Stärkung der betrieblichen Altervorsorge

Mit dem neuen Gesetz werde zugleich die betriebliche Altervorsorge gestärkt, sagte Eichelmann. Einzelne Gewerkschaften hätten bereits angekündigt, Tarifverträge über die Altersvorsorge schließen zu wollen. Hier lässt das Gesetz den Pensionsfonds zu, der die Altervorsorge für Unternehmen und Arbeitnehmer regelt. "Wir werden uns auch für Tarifpartner zur Verfügung stellen", sagte Eichelmann. Aber nicht nur dieser Großkundenbereich ist für den Marktführer interessant. Auch klein- und mittelständische Unternehmen könnten an Pensionsfonds teilnehmen, betonte Eichelmann.

Eichelmann kritisierte, dass im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge abgeschlossene Direktversicherungen nicht in die Förderung aufgenommen worden seien. Diese würden jetzt ohne sachlichen Grund steuerlich schlechter gestellt. Hier sei der verfassungsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz verletzt. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass die Allianz deshalb Verfassungsbeschwerde einreichen werde. Dies werde man aber zunächst noch einmal in Ruhe überprüfen und mit dem Versicherungsverband abstimmen.

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