Neue Strategie lautet: "Kunden halten"
Hintergrund: Telefongesellschaften setzen auf Bonusprogramme

Mehrere deutsche Telefongesellschaften versuchen, die Kundenbindung über Bonusprogramme zu erhöhen. D2-Vodafone und Debitel vergeben bereits Bonuspunkte für Telefonate, die Deutsche Telekom steht vor der Einführung eines entsprechenden Systems, Wettbewerber Mobilcom denkt darüber nach.

vwd DÜSSELDORF. Die Aktionen sind vor dem Hintergrund einer Strategieverschiebung vor allem bei den Mobilfunkanbietern zu sehen: Stand in der Vergangenheit die Akquise möglichst vieler neuer Kunden im Mittelpunkt, so sind die Unternehmen jetzt stärker bemüht, die Teilnehmer auch zu halten und sie für lukrative Dienstleistungen zu gewinnen.

Die Deutsche Telekom AG, Bonn, hat ihre Bonuspläne bereits vor einigen Monaten angekündigt. Momentan befindet sich das Programm bei Mitarbeitern des Konzerns in der Testphase; der Start ist für den Spätsommer bzw. Frühherbst geplant, wie ein Unternehmenssprecher sagte. Unbestätigten Berichten zufolge will die Telekom für Gespräche in Fest- und Mobilnetz, aber auch für das Internetsurfen oder beim Kauf eines Telefons so genannte Happy Digits vergeben - Bonuspunkte, die dann gegen Prämien aus der Produktpalette des Konzerns oder seinem Event-Umfeld eingetauscht werden. Als marktbeherrschendes Unternehmen muss sich die Telekom das Programm von der Regulierungsbehörde genehmigen lassen.

Die Mannesmann Mobilfunk GmbH in Düsseldorf, die am Markt unter dem Namen D2-Vodafone auftritt und größter Mobilfunk-Konkurrent der Telekom ist, bietet bereits seit über einem Jahr ein umfassendes Programm an. Punkte werden unter anderem für die Werbung neuer Kunden oder die Teilnahme an Umfragen gutgeschrieben. Seit dem ersten Quartal vergibt das Unternehmen außerdem je einen Bonuspunkt pro vertelefonierter Minute in praktisch allen europäischen Netzen des Mutterkonzerns Vodafone Group plc, Newbury. Mit diesem Roaming-Bonus sieht sich D2 bislang konkurrenzlos. Insgesamt seien schon mehr als 1,2 Millionen Kunden auf der Jagd nach Punkten, so ein Sprecher.

Die Festnetzschwester Mannesmann Arcor AG & Co, Eschborn, hat allerdings keine Pläne für ein entsprechendes System. Mithin haben beide keinen Cross-Selling-Spielraum, wie er sich - zur Besorgnis verschiedener Wettbewerber - der Telekom eröffnet. Als einziges deutsches Unternehmen hat die Debitel AG, Stuttgart, nach eigenen Angaben ein vergleichbares flächendeckendes Programm. Die ohne eigenes Netz operierende Gesellschaft ist wie die Telekom in Mobilfunk, Festnetz und Internet aktiv. Sie vergibt seit dem 1. Juli Boni im Rahmen des branchenübergreifenden Programms von "webmiles", das zwei Jahre nach dem Start mehr als 600 000 Teilnehmer hat.

Gegen die Pläne der Deutschen Telekom regt sich Widerstand bei verschiedenen Konkurrenten. QS Communcation aus Köln etwa, ein Anbieter von Glasfaserleitungen, befürchtet, dass eine Genehmigung durch die Regulierungsbehörde "Tür und Tor für missbräuchliche Preisstrategien" öffne. Außerdem wird kritisiert, dass die "Happy Digits" den Wettbewerb einschränkten, da kein anderer Anbieter ein vergleichbares flächendeckendes Programm aufstellen könne.

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