Neue Strukturen für technisch komplexe Produkte: Marktfähige Ideen schneller umsetzen

Neue Strukturen für technisch komplexe Produkte
Marktfähige Ideen schneller umsetzen

Auf immer anspruchsvolleren Märkten müssen sich kleine und mittlere Unternehmen in den nächsten Jahren bewähren. Konstrukteure und Entwickler müssen mit neuen marktfähigen Ideen konkurrieren. Dabei helfen Innovations- und Ideenmanagement.

DÜSSELDORF. Die Verkürzung der Innovationszyklen, der zunehmende Kostendruck und die immer schwieriger prognostizierbaren Absatzmärkte durch informierte und anspruchsvolle Kundenstrukturen stellen die Unternehmen vor neue Herausforderungen. Demgegenüber stehen zunehmend straffer organisierte Entwicklungsabteilungen, knapp bemessene F&E-Budgets, erhöhter Zeitdruck und eine Flut von Informationen, die häufig auch im Informationssmog endet. Allein die Aufgabe, aus bis zu 100 E-Mails täglich die richtigen Informationen zu filtern, stellt eine Herausforderung dar. Darüber hinaus kommen neue Anforderungen an die Produkte hinzu, wie z.B. Internetfähigkeit oder elektronische Upcycling- und Aufrüstbarkeit, höchste Designattraktivität für anspruchsvolle Kunden sowie Umwelt- und Recyclinggerechtheit der Produkte für eine nachhaltige Unternehmens- und Produktpolitik.

In diesem Umfeld müssen Konstrukteure und Entwickler mit neuen marktfähigen Ideen die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen sichern. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist das methodische und strukturierte Ideen- und Innovationsmanagement gefragt: die durchgängige, wenn möglich lebenszyklusübergreifende Produktentwicklung mit abteilungsübergreifendem und interdisziplinärem Ideen- und Wissensmanagement bis hin zum Engineering-Workflow auf der operativen Ebene, dem Austausch von Daten, Informationen und Wissen in globalen Netzwerken. Zu ergänzen ist dies durch geschicktes Kooperationsmanagement in vertikaler Richtung - also mit Know-how-Zulieferern - oder auf horizontaler Ebene durch das Lernen aus anderen Bereichen und Branchen.

In der modernen Medizin beispielsweise nimmt innovative Gerätetechnik zur Unterstützung des Arztes bei der Diagnose und der Behandlung von Patienten einen immer höheren Stellenwert ein. Portable Medizingeräte sind insbesondere in der Notfallmedizin seit Jahren etabliert. Zur Langzeitbehandlung von Patienten halten portable Medizingeräte derzeit in privaten Haushalten in großem Umfang Einzug. In diesem Zusammenhang konnte im Rahmen des Verbundprojektes "Medikreis" durch strukturiertes Ideen- und Innovationsmanagement eine Durchbruchsinnovation in der Produktstruktur eines Sauerstoffkonzentrators erreicht werden. Das neue Produkt kommt durch innovative Verbindungstechniken ohne Schrauben aus, ist erheblich einfacher zu warten und bietet nach Beendigung des ersten Lebenszyklus durch die nahezu 50 prozentige Reduzierung der Demontagezeit optimale Aufarbeitungspotenziale für die Wiederverwendung.

Durch die innovative neue Baustruktur konnte die Teileanzahl von 293 auf 125 reduziert werden, die Materialvielfalt von 47 auf 15 und die Anzahl Werkzeuge bzw. Hilfsmittel von 46 auf neun. Darüber hinaus wird für diese Produktinnovation ein umfassendes Life-Cycle-Management-Konzept umgesetzt. Dieses Beispiel zeigt, wie durch geschicktes Kooperationsmanagement mit Engineering-Unternehmen, Wissenschaft, Handel und gemeinnützigen Recyclingbetrieben neue, intelligente Produkte entstehen.

Die Initialzündung für diese Produktidee konnte durch die Implementierung des Innovationsmanagements im Unternehmen (250 Mitarbeiter), unter anderem durch die Schaffung eines zentralen Innovations- und F&E-Managements, angestoßen werden.

Häufig stellt sich nun die Frage in den Unternehmen: Investieren in das Innovationsmanagement oder nicht? Strittig ist allenfalls noch der richtige Weg. Sind dies neue Think-Tank- Teams, die im Unternehmen einen Ideenspeicher aufbauen, oder sind dies organisatorische Maßnahmen im operativen Geschäft mit der altbewährten 6-3-5-Methode oder auch der bekannten, aber selten angewandten Synektik?

Dabei stellt die Ideengenerierung nur eine, wenn auch wichtige Aufgabe dar. Mindestens genauso wichtig sind die Ideenumsetzung und die Ideenpflege, damit die Ideen auch geschickt am Markt platziert werden können.

Ein weiteres Beispiel hierfür ist die Idee eines Sanitärprodukteherstellers, einen Wasserhahn in Karosseriebauweise herzustellen. Auch hier konnte mit einer neuen Produktstruktur eine Durchbruchsinnovation im Sanitärbereich erzielt werden. "Edelstahl statt Messingdruckguss", kombiniert mit einer komplett neuen Fertigungstechnologie brachte eine Reduzierung der Umweltlast um rund 50 Prozent. Ein Zeichen für die konsequente Umsetzung neuer Ideen.

Die Ideen von heute sind die Innovationen von morgen und die Cash-Cows von übermorgen. In modernen Unternehmen sollte die effiziente Ideengenerierung, -bewertung und-auswahl eines der wichtigsten Unternehmensziele sein.

Martin Hieber, Fraunhofer für Produktionstechnik und Automatisierung-Institut (IPA), Stuttgart.

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