Neue Strukturen für Wertschöpfungsketten: Der lange Weg des Stoffes, aus dem die Träume sind

Neue Strukturen für Wertschöpfungsketten
Der lange Weg des Stoffes, aus dem die Träume sind

Die Möglichkeiten des E-Business, der elektronischen Geschäftsabwicklung zwischen Marktteilnehmern, führen bereits in zahlreichen Industrien zu grundlegenden Anpassungsprozessen. Dieser Wandel ist Chance und Herausforderung zugleich.

DÜSSELDORF. Potenziale zur Kostensenkung durch E-Business werden heute in allen Branchen erkannt. Laut einer Studie der Berliner Zentrum für Logistik und Unternehmensplanung (ZLU) GmbH ließen sich bei den europäischen Automobilherstellern durch konsequenten Einsatz von E-Business-gestützten Technologien bis zu 20 Mrd. Euro pro Jahr einsparen. Dies entspricht einer Reduktion der Gesamtkosten um sechs Prozent.

Der lange Weg des Stoffes, aus dem die Träume sind, als Praxisbeispiel: Die Designabteilung des Automobilherstellers Daimler-Chrysler ändert beispielsweise eine Farbnuance der Innenausstattung der C-Klasse-Modelle. Der zuständige Projektleiter kontaktiert seinen Ansprechpartner der Fa. Faurecia, einen der weltweit führenden Systemlieferanten für Innenraumverkleidungen, und dessen Zulieferer für Stoff, die Fa. Aunde, um die Änderungsinformation auf möglichst direktem Wege zu kommunizieren. Ein Aunde-Mitarbeiter übermittelt die Farbänderung per Fax an den Garnlieferanten. Möglichst rasch muss von dort wiederum der Rohstofflieferant für Kunststoff unterrichtet werden. Insgesamt beträgt die Vorlaufzeit für Spinnen, Färben und Weben des neuen Verkleidungs-Stoffes zwischen acht bis zwölf Wochen, bevor Faurecia die Verkleidungskomponenten mit geänderter Farbe fertigen und an Daimler-Chrysler ausliefern kann.

Innerhalb einer solchen Informationskaskade werden die erforderlichen Schritte im Rahmen der technischen Möglichkeiten bearbeitet, doch der Informationsinhalt ändert sich, weil Bedarfsmengen mit unterschiedlichen Sicherheiten disponiert und Informationen potenziell verzerrt weitergegeben werden.

Analoge Abstimmungspfade werden auch bei Änderungen im Produktionsplan, bei aktualisierten Absatzprognosen oder bei Produkt-Neuentwicklungen durchlaufen. Es bedarf daher einer inhaltlich und zeitlich abgleichenden Stelle, die die Fäden zur Optimierung dieser Abwicklung zusammenhält. Die klassischen Wertschöpfungsketten werden künftig um neue Marktteilnehmer ergänzt, z.B. Logistik- und IT-Dienstleister zur unternehmensübergreifenden Steuerung der Supply Chain (4PL: Fourth Party Logistics Provider), Finanz- und ASP-Dienstleister (Application Service Provider) für integrierte Einzelfunktionen.

Sowohl Planung als auch Leistungserbringung zwischen den Unternehmen einer Wertschöpfungskette bieten Effizienzpotenziale, die heute nur zum Teil erschlossen werden können. Ihre Nutzung erfordert übergeordnete Steuerungsmechanismen. Die Lösung der Zukunft heißt internetunterstütztes Supply Chain Management (E- SCM).

Durch IT-Lösungen mit Standardschnittstellen und der Möglichkeit, Daten zu konvertieren, so genannte EAI-Plattformen (Enterprise Application Integration), können durch eine E-SCM-Anwendung in der gesamten Wertschöpfungskette online Daten zwischen den Einzelsystemen ausgetauscht werden.

Hinter der EAI-Plattform befindet sich die eigentliche SCM-Software. Sie steuert und koordiniert den Einsatz aller Ressourcen. Beispielsweise wird es auf diese Weise möglich, jedem Endkunden unmittelbar bei der Bestellung eines im Auftrag produzierten Artikels einen verbindlichen Liefertermin zu nennen ("available-to-promise"). Die SCM-Software prüft in diesem Fall die freien Kapazitäten und vorhandenen Lagerbestände in der gesamten Wertschöpfungskette, priorisiert die aktuellen Aufträge und bestimmt mögliche Liefertermine.

Auch heute schon wird E-SCM bereits implementiert, beispielsweise durch internetgestützte Kommunikationsplattformen, auf denen der OEM, ein oder mehrere Systemlieferanten und diverse Sublieferanten realtime Produktdaten austauschen. Damit ist ein erster, wichtiger Schritt zu einem umfassenden E-SCM-System getan, das auch die logistischen Koordinationsprobleme unterstützt.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt sehr deutlich, dass E-Business sich horizontal innerhalb der Unternehmen und vertikal zwischen Unternehmen in der Wertschöpfungskette durchsetzt. Ohne Zweifel ist E-SCM das zukunftsweisende Instrument zur Steuerung der globalen Netzwerke, ein internetunterstütztes Konzept, das auch im Rahmen der Herstellung der Innenverkleidungsstoffe der C-Klasse Anwendung findet: E-SCM trägt dazu bei, dass die Kundenbestellung eines Automobiles wie am Schnürchen läuft.

Dipl.-Ing. Norbert Lebelt, Direktor und Prokurist, ZLU GmbH, Dipl.-Ing. Stefan Wollschläger, Manager, ZLU GmbH, Berlin.

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