Neue Studie veröffentlicht
Das Internet schrumpft

Auch wenn die Träume von gewaltigen E-Commerce-Umsätzen nicht wahr geworden sind, auf eines war bisher selbst in der Krise Verlass: Die Zahl der Webseiten nahm zu. Doch auch dieser Trend ist nun gebrochen.

hon DÜSSELDORF. Auch wenn die Träume von gewaltigen E-Commerce-Umsätzen nicht wahr geworden sind, auf eines war bisher selbst in der Krise Verlass: Die Zahl der Webseiten nahm zu. Doch auch dieser Trend ist nun gebrochen.

Nach dem Bericht der Wirtschaftswoche im Internet verzeichnete die monatliche erstellte Studie des Marktforschungsunternehmens Netcraft zwischen November und Dezember 2001 einen Rückgang der online befindlichen Webseiten weltweit um 182.000. Außerdem ging die Gesamtzahl der registrierten Domains zurück.

Dies ist erst das zweite Mal in der seit 1995 durchgeführten Studie, dass die Zahl der gefundenen Seiten sank. Im August 2001 ging sie bereits einmal - vorübergehend - zurück. Ob es sich dieses mal wieder nur um eine Delle in der Aufwärts-Kurve handelt, ist unwahrscheinlich. Parallel dazu hat Netcraft nämlich festgestellt, dass die Gesamtzahl der registrierten .com-Domains zurückgegangen ist. Viele der Adressen, die während der Boom-Phase Ende 1999 erworben wurden, verfallen jetzt, zwei Jahre später.

Zwar gibt es zwischen der Zahl registrierten Domänen und der Zahl der betriebenen Seiten nur einen indirekten Zusammenhang, da viele Adressen nur als Datenbank-Leichen ihr Dasein fristen. Umgekehrt beginnt der Aufbau einer digitalen Existenz in der Regel mit einer eigenen Adresse. Die Zahl der Neu-Registrierung ist also durchaus ein Indikator für die Entwicklung des Internets.

Rückläufiger Trend erwartet

Da im Laufe des Jahres 2000 der Handel mit Online-Adressen sprunghaft zunahm, erwartet Netcraft, dass sich der Trend der verwaisten Domänen im Jahr 2002 verstärkt. Gedämpft wird diese Entwicklung allerdings dadurch, dass viele Anbieter zusätzlich zur ihrer .com-Adresse auch Adressen in den neuen Top-Level-Domains wie .biz registrieren werden.

Netcraft begann die Statistik 1995, als es weltweit nur 20.000 Seiten gab. Im Dezember 2001 waren es nach Netcraft-Angaben mehr als 36 Millionen. Als Webseite zählt bei Netcraft ein eigenständiger Server. Nach anderen Statistiken, die sämtliche auf diesen Servern abgelegte Seiten mitzählen, kommt das Internet auf mehr als zwei Milliarden Webseiten.

Tim Schumacher, CFO des Domain-Händlers sedo.de, erwartet in Deutschland keinen ähnlichen Einbruch wie in den USA. Ein Grund: "In Deutschland verfallen Domains nicht, sondern müssen aktiv gekündigt werden". Außerdem seien Adressen auch in Boom-Zeiten hierzulande nicht so massiv auf Vorrat gekauft worden wie in den USA.

Langfristig rechnet Schumacher damit, dass die Zahl der Domain-Anmeldungen weiter steigen wird. "Ein Großteil der kleinen und mittleren Unternehmen und der Privatleute haben noch keine eigene Adresse", sagte Schumacher im Gespräch mit Wirtschaftswoche heute. Doch für die Zuspätkommer bietet auch eine Entlastung des Domain-Marktes wenig Trost. Schumacher: "Die guten Marken sind weg, und die kommen auch nicht wieder."

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