Archiv
Neue Taktik: Frankreich schottet sich ab

Der Weltmeister macht die Schotten dicht. Frankreichs Nationaltrainer Roger Lemerre erklärte das Gelände des angeschlagenen Titelverteidigers am Montag zum Sperrgebiet.

dpa SEOUL. Beim Geheimtraining dürfte er seiner wackeligen Defensive erläutert haben, wie sie im Schlüsselspiel am Donnerstag gegen Uruguay den eigenen Strafraum sauber zu halten hat.

Drei Tage vor der Partie in Busan blühen die Spekulationen um das taktische Konzept der Franzosen, das maßgeblich vom verletzten Zinedine Zidane abhängt. "Ich arbeite hart und hoffe, es zu schaffen", zitierte die spanische Zeitung "Marca" den Star von Real Madrid. "Aber wenn es nicht reicht, wäre es besser, wenn ein völlig fitter Spieler meinen Platz einnimmt. Frankreich hat eine Menge Spiele ohne mich und auch Andere gewonnen."

Der 29-Jährige stärkt weiterhin im Samsung Medical Center in Seoul seinen Quadrizeps im linken Oberschenkel. Dass er bis Donnerstag fit genug wird, bleibt dennoch zweifelhaft. Immerhin absolvierte Zidane am Montag nach Angaben des französischen Verbandes erstmals wieder leichtes Balltraining unter Aufsicht zweier Physiotherapeuten. Für eine Übungseinheit mit seinen Kameraden war es noch zu früh. Lemerre betont zudem seit Tagen, die Mannschaft hänge nicht von ihrem Regisseur ab. Gefordert ist dafür der Trainer selbst.

"Unser System ist für den Gegner vorhersehbar. Ich sage nicht, dass wir es ändern sollen. Aber es ist unabdingbar, dass wir Lösungen finden", sagte Torjäger David Trezeguet und bezeichnete die nächste Partie gegen Uruguay sogar als "Todesspiel".

"Keiner wird sterben", betonte dagegen Abwehrspieler Lilian Thuram. "Unsere Spieler haben schon oft unter dem Druck des Siegen- Müssens gespielt. Die Mannschaft verliert nicht den Kopf." Thuram hält einen Einsatz von Zidane sehr wohl für möglich, doch das Rätselraten um dessen Zustand könnte auch dazu dienen, den zweimaligen Weltmeister aus Südamerika zu verunsichern.

"Wir müssen verstehen, dass wir ohne Zidane anders spielen müssen: mehr über die Flügel und mit insgesamt mehr Einsatz der gesamten Mannschaft", analysierte Kapitän Marcel Desailly, der sich über "Anfängerfehler" beim 0:1 gegen Senegal ärgerte.

Seit seiner Amtsübernahme nach dem WM-Titel 1998 vertraut Lemerre darauf, vor der Vierer-Abwehrkette zwei Abfangjäger zu postieren. Vor der offensiven Dreierkette im Mittelfeld agiert nur ein Stürmer. In diesem System fehlen derzeit jedoch Zidane und Robert Pires nach seinem Kreuzbandriss.

Weder Youri Djorkaeff noch Sylvain Wiltord passten zuletzt ins Puzzle. Lemerre hat bereits angedeutet, zum 4-3-3 mit drei Defensivkräften im Mittelfeld zurückzukehren. "Ich habe das schon während der Europameisterschaft praktiziert", unterstrich Lemerre. Sein Vorgänger Aimé Jacquet wurde damit sogar Weltmeister.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%