Neue Techniken ersparen den Patienten schmerzhafte Untersuchungen
Perfekte Bilder aus dem Körper

Noch immer untersuchen Ärzte ihre Patienten mit Röntgenstrahlen, radioaktiven Stoffen oder Kathetern. Neue Verfahren aus der Magnetresonanztomographie liefern inzwischen Bilder und Daten ohne Belastung.

HB ZÜRICH. Schnell, genau und risikoarm können Mediziner ihre Patienten inzwischen untersuchen, indem sie die Kranken mit modernsten Verfahren der Magnetresonanztomographie (MRT) virtuell in Scheibchen schneiden. Schweizer Forschern ist es jetzt gelungen, die Bildgebung um den Faktor drei bis vier zu beschleunigen. Damit bekommen Ärzte nicht nur einfache Schnittbilder des Menschen, sondern Echtzeit-Informationen über Durchblutung, Funktion und Stoffwechsel einzelner Organe und Gewebe.

Die Echtzeit-Aufnahmen gelingen durch eine ultraschnelle Bildverarbeitung im MRT-Gerät und durch eine immer bessere Auflösung einzelner Strukturen. MRT ist an sich nicht neu: Sie misst die Signale, die Wasserstoffkerne aussenden, wenn sie in einem statischen Magnetfeld plötzlich aus ihrer Feldrichtung abgelenkt werden. Da ein Mensch zu fast drei Vierteln aus Wasser besteht, eignet er sich für die MRT-Technologie besonders gut.

"Die Magnetresonanztomographie gilt als das Verfahren in der medizinischen Diagnostik, das am schonendsten die meisten Informationen liefern kann", erklärt Prof. Peter Bösiger vom Institut für Biomedizinische Technik der Universität in Zürich. Seine Arbeitsgruppe entwickelt Lösungen, um noch mehr Informationen in immer kürzerer Zeit bei gleich bleibender Bildauflösung zu bekommen. Derzeit entstehen die schnellsten Bilder in 13 Millisekunden - drei- bis viermal schneller als bisher. Diese ultraschnelle Bildgebung, die mittlerweile auch an anderen Einrichtungen genutzt wird, gelingt den Wissenschaftlern durch zwei Tricks. Im Gegensatz zu einem Normal-MRT, bei dem eine Spule alle ankommenden Signale hintereinander registriert, arbeitet das Gerät mit sechs parallelen Spulen. Sie können die Unmengen erhaltener Bildinformation durch immer stärkere magnetische Feldgradienten schneller räumlich zuordnen als bisher.

Vorteile für den Patienten

So lässt sich in Echtzeit ebenso eine Untersuchung am schlagenden Herzen vornehmen wie die Schluckbewegung beobachtet werden kann. "Durch die schnellen MRT-Techniken verkürzt sich für die Patienten vor allem die Messzeit um rund die Hälfte", erklärt Bösiger. Zudem könnten Kranken andere diagnostische Verfahren mit höherem Risiko - beispielsweise der Herzkatheter - in Zukunft erspart bleiben.

Neben der Schnelligkeit eines MRT interessiert Mediziner vor allem eine höhere Bildauflösung, um auch feinste Strukturen und krankhafte Veränderungen sehen zu können. Die gelingt insbesondere durch eine Erhöhung der Feldstärke im statischen Magnetfeld. So arbeitet Bösiger seit wenigen Monaten mit dem weltweit ersten MRT- Tomographen, der kompakt ist und dennoch ein Magnetfeld von drei Tesla Feldstärke aufbaut - das ist etwa 60 000 mal so stark wie das Erdmagnetfeld.

Dieser Tomograph von Philips Medical Systems im niederländischen Best ist nicht größer als ein herkömmliches 1,5-Tesla-Gerät. Für den Patienten hat die kompakte Bauweise dieses Apparates vor allem einen Vorteil: Statt wie bei den üblichen Drei-Tesla-Apparaten in einer bis zu drei Meter langen Röhre zu liegen, befindet sich sein Körper bei diesem Hochfeldgerät in einer kürzeren Röhre. "Die Untersuchung ist jetzt für die Menschen wesentlich angenehmer; denn viele bekommen in einer langen und engen Röhre Platzangst", sagt Bösiger.

Detailreiche Bilder aus einem Drei-Tesla-Gerät sind von besonderem Nutzen in der Diagnostik von Hirnerkrankungen wie Tumoren oder Gefäßmissbildungen. Anwendung finden auch funktionelle MRT-Verfahren, die einzelne Hirngebiete bei ihrer Arbeit zeigen. Schaut etwa der Patient mit den Augen etwas an, werden die entsprechenden Hirnareale im Sehzentrum aktiviert, was auf den MRT-Bildern zu erkennen und räumlich zuzuordnen ist. So kann der Chirurg eine Operation genauer planen und die Verletzung wichtiger Strukturen verhindern.

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