Neue Techniken für mehr Wettbewerbsfähigkeit
Maschinenbauer bauen auf Teleservice

Teleservice heißt der Begriff, der auch in mittelständischen Unternehmen Hoffnungen weckt, sich ein neues Geschäftsfeld in der Dienstleistung zu erschließen. Es wäre die ideale Ergänzung, ein Mehrwert zur Produktion und dem Verkauf von Maschinen. Doch das Geschäft ist - zumindest noch - mühsam. Dies war die übereinstimmende Meinung auf dem "Multimedia-Tag 2003", der von Metall NRW, IG Metall und VDMA getragenen Gemeinschaftsaktion "Multimedia im Maschinenbau" in Bochum.

HB DÜSSELDORF. Moderne Sensoren und die immer schnellere Verarbeitung und Übertragung von Daten eröffnen dem Maschinenbau ganz neue Möglichkeiten. Über Tausende von Kilometern Entfernung hinweg können Maschinen beim Kunden überwacht, gewartet und gesteuert werden.

"Durch Teleservice kann die Verfügbarkeit der Maschinen um fünf bis zehn Prozent erhöht werden", sagt Martin Kannegiesser. So viel könne an anderer Stelle gar nicht rationalisiert werden. Das in Vlotho ansässige Unternehmen des Präsidenten des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall fertigt mit 850 Mitarbeitern in Deutschland Maschinen und Anlagen für industrielle Wäschereien. Rund 70 % des Umsatzes von 150 Mill. Euro werden im Export erzielt.

Trotz der klar erkennbaren Vorteile sei das Kundeninteresse bislang "eher verhalten". Aber dies schreckt Kannegiesser nicht: "Wir investieren weiter." Ziel ist, so sagt Dirk Littmann, Geschäftsführer in Kannegiessers Unternehmen, "vom pannengesteuerten Kundendienst wegzukommen." Dem Kunden bringe dies Kosten - und dem Maschinenbauer Wettbewerbsvorteile.

Etwas einfacher als Kannegiesser hat es die Flender Service GmbH, Herne, da viele Kunden künftig vermutlich von Versicherungen zum Teleservice veranlasst werden. Das zur Flender-Gruppe gehörende Unternehmen erzielt mit 300 Mitarbeitern rund 60 Mill. Euro Umsatz im Service für stationäre, mechanische Getriebe.

Geschäftsführer Klaus-Peter Deppermann setzt vor allem auf die Möglichkeiten der permanenten Ferndiagnose (Condition Monitoring), beispielsweise von Getrieben in Windkraftanlagen. Hohe Schäden in solchen Anlagen hätten die Versicherer veranlasst, Auflagen in Sachen Service zu machen. Eine Möglichkeit sei eine regelmäßige Komplettüberholung. Die andere, erheblich kostengünstigere, sei das Condition Monitoring.

Dass der Teleservice Zukunft hat, davon geht auch Axel E. Barten, Geschäftsführer der Achenbach Buschhütten GmbH, Kreuztal, aus. Das Familienunternehmen baut mit knapp 300 Mitarbeitern Feinband- und Folienwalzwerke. Knapp 90 % des Umsatzes von 55 Mill. Euro werden im Ausland erzielt, vor allem in China und Indien.

Für sein mittelständisches Unternehmen sieht Barten allerdings keine Möglichkeit, einen vollen 24-Stunden-Teleservice vorzuhalten. Zwar ist rund um die Uhr jemand zu erreichen. Spezialisten werden jedoch nur in echten Notfällen aus dem Bett geholt. Ein Verfahren, das sich bislang bewährt habe.

Auch die Boge GmbH & Co. KG, Bielefeld, setzt auf Teleservice. Boge fertigt Kolben-, Schrauben und Turbokompressoren und bietet Druckluftlösungen. Mit 480 Mitarbeitern wird ein Umsatz von knapp 80 Mill. Euro bei 45 % Export erreicht."Wir haben feststellen müssen, dass es nicht mit dem Verkauf der Maschine getan ist", sagt Geschäftsführer Rolf Struppek. "Aber gerade hier bietet die neue IT und Kommunikationstechnik gute Möglichkeiten, für einen Mittelständler Abhilfe zu schaffen." Vielleicht nicht sofort, aber auf mittlere Sicht.

Struppek war sich mit seinen Unternehmerkollegen und auch mit den Arbeitnehmervertretern HeinzDethlef Rother (DMG Vertriebs und Service GmbH, Bielefeld) und Werner Scherer (Deutz AG, Köln) einig, dass man davon ausgehen müsse, Rückschläge zu erleben. "Aber man muss trotzdem am Ball bleiben." Denn die neuen Technologien brächten einen Wettbewerbsvorsprung, "der gerade für Mittelständler ganz wichtig ist, um auch übermorgen noch am Markt präsent zu sein."

Wettbewerbsvorteile sieht auch Harald Schartau. Der NRW-Wirtschaftsminister ist gemeinsam mit Kannegiesser Initiator der Gemeinschaftsaktion "Multimedia im Maschinenbau". Schartau mahnte insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen, sich nicht von der Entwicklung abzukoppeln. Sondern sie sollten "von denen lernen, die IT-Systeme bereits für ihre ganze Wertschöpfungskette einsetzen."

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