Neue Technologie
Infineon plant den Aufschwung

Der Halbleiter-Hersteller Infineon will sich mit dem Start der Massenproduktion auf Basis einer neuen Technologie für eine mögliche Erholung des krisengeschüttelten Speicherchipmarktes rüsten.

Reuters DRESDEN. "Die letzten zwei Monate waren stark, aber wir müssen noch die nächsten zwei Quartale beobachten, bevor wir von einer Trendwende reden können", sagte Infineon-Chef Ulrich Schumacher am Mittwoch in Dresden, wo der Konzern die weltweit erste Volumenproduktion von Chips auf größeren 300-Millimeter-Siliziumscheiben ("Wafern") startete. Beim Konzernumsatz sei die Talsohle wohl bereits erreicht. Spekulationen über einen erneuten Kapitalbedarf bei Infineon, die den Aktienkurs um rund sechs Prozent einbrechen ließen, wies Schumacher zurück.

Infineon gehe davon aus, dass die Nachfrage nach der reinen Speicherkapazität im Jahr 2002 im Vergleich zum Vorjahr um 50 % steigen werde, sagte Schumacher. Er rechne mit einer starken Erholung bei der Nachfrage nach Chips für Infrastruktur wie Server oder Router. Im laufenden Quartal könnte der gesamte Infineon-Umsatz bereits etwas besser ausfallen als im vergangenen, in dem der Umsatz um 15 % auf 1,09 Mrd. Euro eingebrochen war. "Es sieht so aus, als ob wir im letzten oder in diesem Quartal den Boden erreicht haben", sagte Schumacher. Der Preisdruck bleibe aber enorm.

Infineon wolle sich auf alles vorbereiten, auch für eine eventuelle Erholung des Marktes im nächsten Jahr, erläuterte der Vorstandschef. In diesem Zusammenhang sei auch das Vorhaben zu sehen, sich von den Aktionären auf der geplanten Hauptversammlung im Januar einen neuen Kapitalrahmen für weitere Zukäufe oder Investitionen genehmigen zu lassen. "Wir erhöhen dadurch unsere Flexibilität, etwas Konkretes gibt es nicht", stellte Schumacher klar.

Investitionen trotz Krise

Wie aus der Einladung zur Hauptversammlung hervorgeht, will sich Infineon von den Aktionären die Möglichkeit zur Aufstockung des Grundkapitals um bis zu ein Viertel oder nominal 350 Mill. Euro bis 2007 genehmigen lassen. Diese Pläne hatten an den Finanzmärkten Spekulationen ausgelöst, Infineon wolle sich nach der erfolgreich platzierten Kapitalerhöhung im Sommer frisches Kapital beschaffen. "Wir brauchen das nicht", stellte Schumacher klar. Infineon schaffe sich nur einen Spielraum.

Trotz der schweren Krise auf dem Markt für Speicherchips, die bei Infineon im vergangenen Geschäftsjahr zu einem operativen Verlust in der Speichersparte von 931 Mill. Euro geführt hatte, investierte der Konzern rund 1,1 Mrd. Euro in den Bau der 300-Millimeter-Produktion in Dresden. "Antizyklisches Investitionsverhalten ist im Halbleitermarkt Voraussetzung für künftige Erfolge", erläuterte Schumacher. Infineon ist nach eigenen Angaben der erste Hersteller, der eine Massenproduktion auf 300-Millimetern-Wafern gestartet hat. Konkurrenten wie Micron oder Samsung befänden sich noch in der Pilotphase.

Aktien im Minus

Bei der neuen Produktionsart können den Angaben zufolge auf größeren Siliziumscheiben 2,5 Mal mehr Halbleiter hergestellt werden als bei der herkömmlichen 200-Millimeter-Technologie. Zusätzlich habe Infineon die Struktur der Chips verkleinert, so dass insgesamt 3,5 Mal so viele Chips auf einem Wafer produziert würden und die Kosten insgesamt um rund die Hälfte sinken. "Wir investieren hier in Dresden in eine Technik, mit der wir die kleinsten Chips auf den größten Wafern zu niedrigsten Kosten produzieren können", erläuterte Schumacher.

Die Infineon-Aktien notierten am Nachmittag mit 6,4 % im Minus bei 24,43 Euro. Die Furcht vor einer Verwässerung durch neue Aktien überwiege die positive Nachricht, dass Infineon mit seinen Verhandlungen mit dem japanischen Konzern Toshiba einen Schritt weiter gekommen sei, hieß es bei Händlern. Schumacher hatte am Dienstagabend gesagt, man habe zusammen mit der Toshiba-Halbleitersparte gemeinsame Vorstellungen entwickelt, die nun der japanischen Muttergesellschaft präsentiert würden. Er hoffe weiter, ein Ergebnis noch bis Ende des Jahres zu erhalten.

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