Neue Technologie soll Internet vor Überlastung schützen
Software schickt Daten über neue Wege

Zu bestimmten Stoßzeiten wird die Übertragung im Internet langsam. Eine neue Router-Technologie soll das Netz vor dem Infarkt retten. Die Software verschickt die Daten über wenig genutzte Leitungen.

DÜSSELDORF. Ein junges Unternehmen im Silicon Valley will den Datenstau im Internet beseitigen. "Wir haben eine Software entwickelt, die Daten auf wenig genutzten Wegen durchs Netz schickt", sagt Allan Leinwand, CEO bei dem jungen Technologie-Startup Proficient Networks. "Die Basis für unsere Technologie ist intelligent genutzte Bandbreite."

Das Programm, das in Netzrechner - so genannten Routern - eingesetzt wird, arbeitet wie ein intelligentes Verkehrsleitsystem: Es misst das Datenaufkommen in den Leitungen und schickt die Bits und Bytes über freie oder selten benutzte Strecken. Die zurzeit verwendete Technik berechnet zwar den kürzesten, nicht aber den tatsächlich schnellsten Weg.

Dass neue intelligente Routertechnologien benötigt werden, zeigen die Prognosen für das Internetwachstum. So soll sich das Datenaufkommen im Netz nach Einschätzung der Investmentbank Morgan Stanley bis 2004 von 1 000 Gigabits auf 5 584 Gigabits pro Sekunde mehr als verfünffachen. Der Datenkollaps scheint also vorprogrammiert.

Dennoch steht der Konkurrent und Marktführer bei der Entwicklung von Netztechnik, Cisco, der neuen Technik skeptisch gegenüber. Man benötige keine neue Software, sagt Carsten Queisser, Produkt-Marketing-Manager bei dem Routerhersteller. "Das Stauproblem im Internet kann einfach auf Seiten der Service-Provider gelöst werden." Diese sollten so genannte Service-Level-Agreements mit ihren Kunden treffen. Das sind Spezialverträge, in denen geregelt wird, welche Daten mit Vorrang gesendet werden sollen und welche von den Routern, also den Datenverteilern, nachrangig zu behandeln sind. "Auf den Geräten ist das alles programmierbar", sagt Queisser.

Kein Bedarf für Innovationen

Evelien Wiggers, Analystin beim Marktforschungs- und Beratungsunternehmen IDC, wundert die Einschätzung der Cisco-Leute nicht. "Angesichts der angespannten Marktsituation sehen die Routerhersteller keinen Bedarf für Innovationen. 2001 war für sie kein gutes Jahr", sagt die Marktforscherin. Der Umsatz mit den Datenverteilern sank um 6 %. Auch 2002 werde es keine Besserung geben.

Erst zwischen 2004 und 2006 soll sich laut IDC der Router-Markt wieder etwas erholen und zu den alten Wachstumsraten zurückkehren. "Spätestens dann wird es jedoch auch eine Nachfrage nach neuer Technologie geben", sagt Wiggers. Die US-Geldgeber wollen so lange nicht warten. Sie setzen schon heute auf intelligente Routing-Verfahren. Venture-Capitalists wie Battery Ventures, Sequoia Capital oder El Dorade Ventures investierten im vergangenen Jahr über 100 Millionen US-Dollar in diese Technologie. Zu den geförderten Gründern gehört auch der ehemalige Cisco-Ingenieur Allan Leinwand von Proficient Networks.

Leinwand will sich offenbar mit seinem ehemaligen Arbeitgeber messen. Die Fachpresse scheint auf seiner Seite: Im Mai nahm das US-Technologie-Magazin Red Herring Proficient Networks in die Liste der 100 innovativsten Technologieunternehmen auf.

Mit um den Spitzenplatz unter den Route-Controllern ringen aber auch andere Startups, darunter NetVmg, Opnix, Route Science Technologies und Sockeye Networks. Mit Sony gelang es NetVmg bereits, einen schlagkräftigen Referenzkunden zu gewinnen. Der Entertainment-Gigant lässt eine 85 000 Mann starke Schar von bezahlenden Kunden bereits über ein beschleunigtes Netzwerk online spielen - ohne einen Qualitätsverlust im Vergleich zum PC-basierten Computerspiel, wie der technische Direktor von Sony, Adam Joffe, versichert. Durch die Technik von NetVmg spare das Unternehmen zwischen 15 und 40 % Prozent bei den Kosten seines Netzwerk-Services.

Ob es Allan Leinwand allerdings gelingen wird, gegen die Giganten anzukommen, steht in den Sternen. Redherring-Autor Om Malik spekuliert: "Wenn die Nachfrage nach intelligenten Routern steigt, werden auch Industriegiganten wie Cisco, Juniper oder Akamai diese Technik anbieten - und die kleinen an die Wand spielen."

Quelle: Handelsblatt

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