Neue Technologien sind noch nicht massentauglich
Online-Banking - Sicherheit kostet

In den Cebit-Hallen für Banktechnologie und Financial Services dominiert in diesem Jahr erneut ein wichtiges Thema: Alles dreht sich um Sicherheitslösungen für das Online- und E-Banking. Doch während die Anbieter der Soft- und Hardwarelösungen ihre Produkte präsentieren, kommen diese auf den Ständen der Banken kaum zum Einsatz.

"Hundertprozentige Daten-Sicherheit gibt es im Netz nicht", sagt Georg Ruppert von der Unternehmensberatung Mummert und Partner. Wo ein Verschlüsselungssystem eingesetzt werde, gebe es stets auch eine Restwahrscheinlichkeit, dass dieses geknackt werden könnte. Allerdings gibt es zahlreiche Verfahren, die dieses Risiko nahezu ausschalten und damit das Internetbanking extrem sicher machen. Das Problem dabei: Sie sind teuer.

Neue Lösungen, wie beispielsweise die Identifizierung des Kunden durch so genannte biometrische Verfahren (Digitales Lesen oder Scannen von Daumenabdruck oder Regenbogenhaut des Auges) sind entwickelt und verfügbar, aber noch zu kostspielig. Dabei würden sie die Abwicklung im Vergleich zum gängigen PIN/TAN-Verfahren nicht nur noch sicherer, sondern auch deutlich bequemer und einfacher machen. Der Kunde könnte darauf verzichten, permanent seine Listen von Transaktionsnummern mit sich zu tragen. Die Themen Sicherheit und Komfort sind aber nur zwei Gründe dafür, dass zahlreiche Kontoinhaber zögern, ihren Zahlungsverkehr online abzuwickeln.

Noch immer hat jeder zweite Internet-Nutzer zudem Angst, dass mit seinen Daten nicht sauber umgegangen wird. Ein Beispiel: Erhält der Kunde kurz nach seiner Überweisung an die Bausparkasse einen Werbebrief von der konzerninternen Baufinanzierungs-Tochter, dann trägt das wenig zur Stärkung des Vertrauens beim Kunden in die Datensicherheit bei.

Nutzerfreundlichkeit ist ebenso wichtig wie Datensicherheit

Neben dem Sicherheitsaspekt ist für den Nutzer wichtig, dass er auch von der Optik der Seite nicht abgeschreckt wird. Die Banken arbeiten daher massiv an der Nutzerfreundlichkeit ihrer Seiten. "Der Einstieg für das Online-Banking muss sich durch wenig Komplexität und eine einfache Navigation auszeichnen", sagt Ulrich Pöttgens, Leiter Leiter E-Commerce /Internet im Privatkundengeschäft der Dresdner Bank. Sein Institut präsentiert auf der Cebit eine Anleitung für die Internet-Nutzung: Den Webführerschein. Außerdem verzichtet die Dresdner Bank bei Wertpapieraufträgen auf die Eingabe von Transaktionsnummern. Es genügt das Eingeben der PIN. Sicherheitsrisiko sehen die Banker dabei nicht, schließlich wird das Geld bei Wertpapieraufträgen ja nur zwischen den eigenen Konten verschoben.

Trotz solcher Maßnahmen nutzt bislang nur jeder fünfte Bankkunde das Internet für seine Bankgeschäfte. Das fand jüngst das Institut für Demoskopie Allensbach heraus. In der Studie vom Februar heißt es zwar: "Die Entwicklung zum Homebanking verläuft rasant." Das Potenzial, weitere Kunden vom Besuch der Filiale abzuhalten und für die eigenständige Abwicklung ihres Zahlungsverkehrs zu begeistern, scheint jedoch begrenzt: 57,9 Prozent der 14- bis 54-Jährigen nutzen inzwischen das Internet. Jeder dritte Internetnutzer von diesen betreibt aktiv Online-Banking. Das ist bereits ein relativ großer Anteil, wenn man bedenkt, dass es immerhin 25 Jahre gedauert hat, bis sich der Geldautomat etabliert hat. Selbst heute heben allerdings zehn Prozent der Bankkunden direkt am Schalter ab und verzichten auf den Service am Automaten.

Lesegeräte sind noch zu teuer

Auf der Cebit kann sich der interessierte Besucher anschauen, wie die Sicherheitssysteme der Zukunft aussehen werden. Es werden zahlreiche Geräte und Technologien vorgestellt: Karten mit integriertem Chip (Smartcards), biometrische Systeme oder auch Verfahren zur digitalen Signatur.

Ein Problem, das dabei bei alle Sicherheitslösungen gemeinsam haben, lautet: Sie sind zu teuer. "Gleich, ob die Bank dem Kunden die Lesegeräte zur Verfügung stellt, oder dieser das Gerät selbst anschafft - zurzeit stünde das in keinem Verhältnis zu den Kosten der Sicherheit", sagt Hartmut Richter, Fachberater Zahlungsverkehr von der Norddeutschen Landesbank.

Das günstigste Lesegerät für die Geldkarte kostet ca. 50 ?. Es entspricht allerdings nicht dem von der deutschen Kreditwirtschaft geschaffenen Sicherheitsstandard HBCI 3 (Homebanking Computer Interface - Klasse 3), sondern ist lediglich ein so genannter Klasse-1-Leser. Die Geräte der Sicherheitsklasse 1 erlauben allerdings kein digitales Signieren und Verschlüsseln von Daten und E-Mails.

Für die Massentauglichkeit fehlt ein Standard

Bis es ausreicht, die Überweisung oder den Dauerauftrag durch einen Augenaufschlag per Webcam abzusegnen oder die Heimcomputer mit Kartenlesern ausgestattet sind, werden noch einige Jahre ins Land ziehen. Die technischen Voraussetzungen für nahezu sicheres Online-Banking sind vorhanden. Zurzeit sind sie allerdings noch zu teuer. Es bleibt zudem das Problem konkurrierender Technologien. Bislang ist kaum absehbar, welche Lösung sich als Standard für die Transaktionsentwicklung im Internetbanking etablieren wird. Bis es so weit ist müssen sich Banken und Kunden weiterhin mit PIN und TAN zufrieden geben.

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