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Neue Tennissternchen kommen aus Russland

Paris (dpa) - Russland ist die neue Supermacht im Damentennis. Nicht die Williams-Schwestern, nicht die Belgierinnen - nein, zwei russische Tennisspielerinnen stehen im Halbfinale der French Open in Paris.

Paris (dpa) - Russland ist die neue Supermacht im Damentennis. Nicht die Williams-Schwestern, nicht die Belgierinnen - nein, zwei russische Tennisspielerinnen stehen im Halbfinale der French Open in Paris.

Jelena Dementjewa, die gegen Paola Suarez aus Argentinien spielt, und die vom Leipziger Trainer Jens Gerlach betreute Anastasia Myskina, die auf Jennifer Capriati (USA) trifft, sorgten für ein Novum in der Grand-Slam-Geschichte. Würde eine von ihnen das Turnier gewinnen, wäre das eine logische Folge der rasanten Entwicklung in den letzten Jahren.

Dementjewa-Trainerin Olga Morozowa stand 1974 im Finale von Paris und Wimbledon und war damit noch eine Exotin, ihre Nachfolgerinnen klopfen heute scharenweise ans Tor, das zu Geld und Ruhm führt. «In den Umkleide-Kabinen wird mittlerweile mehr russisch gesprochen als alles andere», meinte Titelverteidigerin Justine Henin-Hardenne aus Belgien in Paris. Zwölf Russinnen standen im Hauptfeld, sieben - und damit mehr als aus jedem anderen Land - erreichten die dritte Runde. In der Weltrangliste sind 13, vornehmlich in Moskau beheimatete junge Damen in den Top 100 zu finden; die USA bringen es auf 14, Deutschland auf ganze drei.

«Das ist ja auch ein großes Land, da sind genug Talente da. Die sind hungrig, weil sie sonst nicht viel haben», gab die Heidelbergerin Marlene Weingärtner dazu eine simple Erklärung ab. Nachdem sie Nadja Petrowa geschlagen hatte, scheiterte sie an Maria Scharapowa, einer 17 Jahre alten, langbeinigen Blondine, die von der Vermarktungsagentur IMG auch schon mit einem Model-Vertrag ausgerüstet wurde.

Doch wenn das in Sibirien geborene und bei Nick Bollettieri in Florida getrimmte Tennis-Sternchen mit Anna Kurnikowa verglichen wird, widerspricht der Teenager mit der eiskalten Aura energisch: «Ich bin nicht Anna Kurnikowa. Ich habe immerhin schon zwei Turniere gewonnen. Meine Liebe gehört dem Tennis, ich will die Nummer eins werden.» Dafür hat sie schon viel auf sich genommen. Als Neunjährige ging sie in die USA und war zwei Jahre von der Mutter getrennt, die Probleme hatte, sich ein Visum zu beschaffen.

Anna Kurnikowa ist im Tennis mittlerweile nur noch ein Randthema, obwohl sie noch nicht offiziell zurückgetreten ist und darum genauso ein Geheimnis macht wie lange Zeit um ihre Beziehung zu Enrique Iglesias. «Ich war eine Pionierin», sagte die Werbe-Millionärin in Paris. «Und ich würde gerne glauben, dass ich noch einmal in Wimbledon spielen kann.» 1997 hatte sie dort ihren ersten großen Auftritt, als sie als 16-Jährige das Halbfinale erreichte. Wie weit weg Tennis für sie ist, wurde erst dieser Tage wieder deutlich. Kurnikowa war nach Paris gekommen, um ihr Parfüm «Simplicity» zu vermarkten. Sie reiste wieder ab, ohne überhaupt einen Blick auf die Anlage am Bois de Boulogne geworfen zu haben.

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