Neue Terroranschläge in Israel
Mindestens 12 Tote bei Anschlag auf Bus und Schießerei

Bei zwei neuen palästinensischen Terroranschlägen sind am Sonntag in Nordisrael und in Ost-Jerusalem mindestens 12 Menschen getötet und über 70 zum Teil lebensgefährlich verletzt worden.

dpa JERUSALEM/WASHINGTON/BERLIN. Neun Israelis wurden getötet und über 50 zum zum Teil lebensgefährlich verletzt, als am Morgen in einem voll besetzten israelischen Linienbus in der Nähe der historischen Stadt Safed eine schwere Bombe explodierte. Zu dem Attentat bekannte sich der militärische Arm der radikalen Hamas-Organisation, Issedin el Kassam. Ihr Sprecher kündigte weitere Anschläge in Israel an. Hamas sprach von einem Selbstmordanschlag. Die israelische Polizei schloss jedoch nicht aus, dass die Explosion von einer Bombe stammte, die die Attentäter in dem Bus zuvor zurückgelassen hatten.

Nur wenige Stunden nach dem Anschlag erschoss ein Palästinenser in Ostjerusalem einen Israeli und verletzte zwei weitere. Zu dem Feuerüberfall bekannten sich die Al Aksa Brigaden, der bewaffnete Arm der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat.

Nach Angaben der Polizei feuerte der Täter nahe dem Damaskustor zur Altstadt Jerusalems auf ein Fahrzeug der israelischen Telekom und tötete einen Mann. Grenzpolizisten erschossen anschließend den Angreifer. Bei dem Schusswechsel wurden ein unbeteiligter Palästinenser getötet und bis zu 16 Passanten verletzt, hieß es. Bei zwei Feuerüberfällen im Westjordanland wurden am Nachmittag insgesamt sieben jüdische Siedler zum teil schwer verletzt.

Die neue Gewalt wurde weltweit kritisiert. US-Präsident George W. Bush sagte, es sei "beunruhigt" und rief zum entschlossenen Vorgehen gegen Terroristen auf. Bundesaußenminister Joschka Fischer meinte, die Anschläge seien "weitere gezielte Versuche, mit Terror und Gewalt einen Einstieg in eine politische Lösung zu torpedieren". Die Palästinensische Autonomiebehörde verurteilte den Anschlag "wie wir alle Anschläge in Israel verurteilen". Die Erklärung machte Israels Ministerpräsident Ariel Scharon dafür verantwortlich, dass Gewalt und Gegengewalt außer Kontrolle geraten seien.

Die israelische Regierung sagte nach dem Anschlag von Safed die für diese Woche geplante Gespräche mit führenden palästinensischen Politikern ab. Allerdings beschlossen Scharon und seine wichtigsten Minister, geplante Erleichterungen für die seit Monaten unter Besatzung leidende palästinensische Bevölkerung umzusetzen.

Die Explosion in dem voll besetzten Bus Nr. 361 aus Haifa ereignete sich am Morgen in der Nähe einer jüdischen Pilgerstätte. Die meisten der Fahrgäste waren junge Soldaten, die nach dem Wochenende zu ihren Stützpunkten im Lande fahren wollten. Die radikale Hamas-Organisation erklärte, die Tat sei Vergeltung für "Verbrechen, die die Zionisten täglich an unserem Volk begehen". Es sei das zweite in einer Serie von mindestens zehn geplanten Vergeltungs-Attentaten für die Liquidierung ihres militanten Führers Salach Schehade vor knapp zwei Wochen. Die Gruppe hatte in der vergangenen Woche bei einem Bombenschlag auf eine Cafeteria der Universität Jerusalem sieben Menschen getötet. Bei dem israelischen Luftangriff auf Hamas-Führer Schehade waren 14 weitere Palästinenser, darunter neun Kinder, getötet worden.

Israels Armee setzte am Sonntag in der besetzten Stadt Nablus ihre Suche nach mutmaßlichen Extremisten und "Bombenfabriken" fort. Die historische Altstadt war bereits am Freitag von der Armee abgeriegelt worden. Am Morgen erschossen Soldaten im Gazastreifen einen schwer bewaffneten Palästinenser, der nach offiziellen Angaben versucht hatte, vom Mittelmeer aus in die jüdische Siedlung Dugit einzudringen. Im Westjordanland zerstörten Soldaten mindestens zehn Häuser mutmaßlicher Extremisten. Am Samstagabend erschossen Soldaten in Hebron einen Palästinenser, der die strikte Ausgangssperre in der Stadt missachtet haben soll.

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