Neue Trends in der Vermögensanlage
Risiko streuen allein reicht nicht mehr

"Wenn die Flut steigt, werden alle Schiffe angehoben", sagt der Kölner Vermögensverwalter Bert Flossbach mit Blick auf die Börse.

HB/fw DÜSSELDORF. So hat die Vermögensanlage in den guten Börsenzeiten funktioniert: Das Geld der Anleger floss an die Märkte, überall ging es mehr oder minder nach oben. Wer sein Geld breit gestreut hat, um speziellen Risiken aus dem Weg zu gehen, der war dabei. Hektisches Handeln schadete nur, weil es Kosten verursachte. Fondsmanager orientierten sich an der "Benchmark", an ihrem Vergleichsindex, und wenn sie ihn nicht schlagen konnten, war es auch nicht so schlimm.

Seit mehr als zwei Jahren sinkt die Flut aber. Welche Trends ergeben sich daraus?

Joachim Meyer, Geschäftsführer der Fonds-Research-Firma Fonds Consult, sieht zwei Entwicklungslinien. Erstens: "Bei einem Markt, der sich seitwärts bewegt, wird das kurzfristige Handeln wichtiger". Seiner Meinung nach ist das vor allem für große Fondsgesellschaften wie Fidelity eine Herausforderung, die bisher eher nach der Devise der "ruhigen Hand" angelegt haben. Der zweite Trend: "Traditionelle und alternative Anlage wachsen immer mehr zusammen." Diese Entwicklung zeigt sich unter anderem darin, dass traditionelle Fondsgesellschaften wie die DWS und Activest jetzt Produkte auflegen, deren Strategien bisher eher dem Lager der Hedge-Funds zugehörig waren. Außerdem beschäftigen sich auch in Europa immer mehr institutionelle Investoren mit dem Thema der "alternativen" Anlage.

Beide Trends haben letztlich den Charakter von Wetten und daher auch ihre Risiken. Beim kurzfristigen "Trading" können schnell Kosten produziert werden, ohne dass etwas dabei herauskommt. Und die Gefahren der Hedge-Fund-Strategien sind für Anleger schwer einzuschätzen: Derartige Produkte können für einen längeren Zeitpunkt solide Ergebnisse ohne allzu große Wertschwankungen abliefern und dann doch plötzlich einbrechen, weil sich irgendein Markttrend überraschend gedreht hat. Um solche Klippen zu umschiffen, werden Konzepte der Risikomischung - zum Beispiel durch "Funds of Funds", die ihr Vermögen breit streuen, und Fragen der Kontrolle noch wichtiger als bisher.

Es gibt noch weitere Trends: Wir erleben ein Comeback der Anleihen - abzulesen zum Beispiel beim Einstieg von Fidelity in diesen Bereich. Möglicherweise ist zwar das große Rennen am Anleihenmarkt schon gelaufen. Aber vor allem große Investoren wie die Versicherer, die bestimmte Risiken nicht überschreiten dürfen und ihre Reserven verloren haben, werden ein paar Jahre lang an den Anleihen nicht vorbeikommen - selbst wenn sie nur kleine Renditen liefern sollten. Unübersehbar ist auch, dass Rohstoffe einschließlich Gold wieder an Bedeutung gewinnen und über Zertifikate leichter zugänglich werden.

Fasst man die Trends zusammen, so ergibt sich: Vielfach dürfte eine breite Anlage in Aktien abgelöst werden durch ein Basisinvestment in Anleihen plus einer auf Marktwetten ausgerichteten Zusatzanlage, die die Rendite aufbessern soll.

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