Neue Übernahmespekulationen setzen Marktführer unter Druck
Tesco rüstet sich gegen Angriff von Wal-Mart

Die britischen Supermärkte erwarten einen heißen Herbst: Angeblich will der US-Konzern Wal-Mart Marktführer Tesco vom Thron stoßen. Die Kunden können mal wieder mit einer Preisschlacht rechnen.

HB LONDON. Der britische Supermarktriese Tesco plc hat seine führende Position am Heimatmarkt weiter ausgebaut. Der Konzern, der gestern in London eine solide Halbjahresbilanz vorlegte, konnte beim Vorsteuergewinn in den ersten sechs Monaten um 13,3 % auf 545 Mill. £ (872 Mill. Euro) zulegen. Konzernchef Terry Leahy zeigte sich optimistisch, das Gewinnziel von 1,4 Mrd. £ für das Gesamtjahr zu erreichen.

Mit Blick auf die weltweite Konjunkturlage sei Tesco Spitzenklasse, sagte Leahy. Allerdings steht der Konzern am Heimatmarkt vor neuen Herausforderungen. So hat Tesco die Zurückhaltung der sonst so kauffreudigen Briten im 1. Halbjahr zu spüren bekommen. Der Umsatz auf der Insel wuchs mit 6,8 Prozent in den sechs Monaten deutlich geringer als in der gesamten Gruppe.

Zudem gerät der Branchenführer daheim weiter unter Preisdruck. Neue Gerüchte um eine mögliche Übernahme des Rivalen Safeway durch den US-Riesen Wal-Mart sorgen für Spekulationen, dass Tesco bald vom Branchenthron gestoßen werden könnte.

Top-Verkäufer Leahy fürchtet dies alles nicht. Er sehe keine anhaltende Konsumflaute in England: "Jeder hat einen Job, die Hauspreise steigen weiter und die Zinsen sind niedrig", begründete er seinen Optimismus. Die neue Bonuskarte habe Tesco bereits 60 000 Kunden gebracht. Und die neuen Absatzmärkten - Kleidung und Musik - liefen sehr gut, Tesco.com sei mit 85 000 Bestellungen pro Woche profitabel. Der Umsatz des größten Internet-Lebenmittelverkäufers legte im Halbjahr um fast ein Drittel zu.

Machtkampf rein theoretisch

Einen drohenden Machtkampf mit dem US-Herausforderer Wal-Mart spielte Leahy als "rein theoretisch" herunter. Auch die meisten Analysten in London halten einen neuerlichen Angriff der Amerikaner, die bereits vor drei Jahren mit der Übernahme von Asda auf dem britischen Markt eingestiegen sind, momentan für unwahrscheinlich.

Nach Zeitungsberichten soll jedoch Asda, Nummer drei der UK-Branche und bereits im Besitz von Wal-Mart, eine rund 3-Mrd.-Pfund schwere Übernahme der viertgrößten Kette Safeway planen. Die Geschichte ist nicht ganz neu: Bereits 1997 waren beide Seiten in Verhandlungen, bis sie durch Indiskretionen an die Öffentlichkeit kamen und darum gestoppt wurden.

"Wenn Asda in Regionen kommt, wo die Kette bislang nicht vertreten ist, wird das einen wesent-lichen Einfluss auf den ganzen Markt haben", warnen bereits Verbraucherschutzverbände. Safeway hat viele Läden in Südengland, wo Asda nur schwach vertreten ist. Bei einer Fusion müssten eher Geschäfte im Norden aufgegeben werden.

Heißer Herbst erwartet

Wie auch immer: Marktbeobachter erwarten einen "heißen Herbst" in den britischen Supermärkten. Bereits der Asda-Kauf durch Wal-Mart vor drei Jahren hatte eine heftige Preisschlacht ausgelöst, seitdem sind die Lebensmittelpreise stark gesunken. Tesco hat in diesem Jahr allein Preiss im Wert von 100 Mill. £ gesenkt. "Und wir werden weiter dafür sorgen, dass wir unseren Kunden die billigsten Preise bieten", so der Konzern gestern kämpferisch.

Großbritannien ist für ausländische Supermärkte besonders interessant. Zum einen liegen die Gewinnspannen im Lebensmittelhandel deutlich über den schwachen Margen von rund ein bis zwei Prozent in Deutschland. Zum anderen sind die Briten als besonders konsumfreudig bekannt, sie geben pro Jahr allein 100 Mrd. £ (160 Mrd. Euro) für Lebensmittel aus. Und davon werden längst 70 % von den vier großen Supermarktketten verkauft.

Doch auch den britischen Lebensmittel-König zieht es nach Übersee. Tesco ist bereits im Ausland gut aufgestellt und in Osteuropa (Ungarn, Polen), Asien (Thailand, Korea) und mit seinem Online-Dienst in Amerika vertreten. Und Tesco will im Ausland weiter expandieren und die Zahl der Mitarbeiter um 12 000 auf 77 000 Beschäftigte steigern.

Der größte Markt bleibt noch immer Großbritannien. Hier macht der Konzern 85 % seines Gesamtumsatzes, der im ersten Halbjahr um 10,6 % auf 12,7 Mrd. £ gestiegen ist. Trotz der guten Zahlen gab die Aktie gestern um vier Prozent auf 280 Pence nach. Ganz scheint die Sorge vor einem Angriff des Wal-Mart-Riesen nicht vom Tisch.

Quelle: Handelsblatt

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