Neue Umfragen
Obama verliert Wählerzuspruch

Was US-Medien bereits vorausgesagt haben, tritt nun offenbar ein: Nach den umstrittenen Äußerungen seines früheren Pastors wenden sich die ersten demokratischen Wähler von Barack Obama ab. Dabei ist der radikale Geistliche nicht sein einziges Problem.

HB INDIANAPOLIS. Die Kampagne von Barack Obama hat ein Tief erreicht: Demokratische Wähler bewerten seine Chance auf eine Kandidatur deutlich schlechter als zuvor. Wie eine neue Erhebung von „New York Times“ und CBS News zeigt, rechnen nur noch 51 Prozent der Demokratischen Wähler damit, dass Obama für die Partei ins Rennen geht. Vor einem Monat waren es noch 69 Prozent.

Obama hatte sich am Dienstag mit scharfen Worten von seinem früheren Pastor Jeremiah Wright distanziert. Wright hatte unter anderem erklärt, die amerikanische Regierung sei an der Verbreitung von HIV unter Schwarzen beteiligt. Außerdem hat er eine Mitschuld der USA an den Anschlägen vom 11. September 2001 unterstellt. Die öffentliche Diskussion über die Äußerungen hält in den USA seit Wochen an und belastet den Wahlkampf Obamas, der als erster Schwarzer in das Weiße Haus einziehen will.

„Ich bin empört und traurig über die Kommentare und das Spektakel, das wir gesehen haben“, distanzierte sich Obama in aller Schärfe von Wright. Wrights Äußerungen seien „beleidigend und empörend“. Obama hatte sich schon früher von den politischen Äußerungen Wrights distanziert, als diese zuerst im Internet verbreitet wurden. Wright sagte dazu, das sei eben das, „was Politiker tun müssen“. Obama entgegnete, diese Andeutung, er habe sich nur zum Schein und des politischen Erfolges Willen distanziert, habe ihn besonders zornig gemacht.

Trotzdem bleibt die frühere Verbindung von Obama zu Wright brisant. Schließlich der Senator 20 Jahre zu dem radikalen Geistlichen. Er ließ sich von ihm trauen und seine Kinder taufen, zeitweise nannte er ihn seinen „geistlichen Mentor“. Die Tatsache, dass Obama mit einer klaren Verurteilung zunächst gezögert habe, „lässt gerechtfertigte Fragen über sein (Obamas) Urteilsvermögen aufkommen“, kommentierte die Zeitung „Washington Post“.

Doch nicht nur die bisherige Verbindung Wright könnte Obama wichtige Stimmen bei der Vorwahl in Indiana kosten. Seine innerparteiliche Rivalin Hillary Clinton hat mit ihrem deutlichen Sieg bei der Vorwahl im US-Staat Pennsylvania wieder neuen Schub bekommen. In der jüngsten „New York Times“-Umfrage hielten Obama zudem nur noch 48 Prozent für den aussichtsreichsten Kandidaten gegen den republikanischen Bewerber John McCain. In der vorherigen Umfrage hatten sich noch 56 Prozent der Wähler optimistisch gegeben.

Die nächsten Vorwahlen der Demokratischen Partei finden am Dienstag nächster Woche in Indiana und North Carolina statt. In North Carolina, wo 115 Delegiertenstimmen zu holen sind, gilt Obama als Favorit. In Indiana mit 72 Delegierten liegen er und Clinton Kopf an Kopf.

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