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Neue US-Misshandlungsfälle im Irak

Nach dem Misshandlungsskandal von Abu Ghoreib hat die US-Marine neue Dokumente über die Folter von Irakern mit Elektroschocks und Scheinhinrichtungen veröffentlicht.

dpa WASHINGTON. Nach dem Misshandlungsskandal von Abu Ghoreib hat die US-Marine neue Dokumente über die Folter von Irakern mit Elektroschocks und Scheinhinrichtungen veröffentlicht.

Danach wurde ein irakischer Häftling im April in Mahmudija von Marineinfanteristen mit Elektroschocks regelrecht "zum Tanzen" gebracht. Die am Dienstag per Gerichtsbeschluss herausgegebenen Berichte dokumentieren insgesamt zehn schwerwiegende Misshandlungsfälle.

Danach erlitt ein Gefangener im August 2003 in Mahmudija schwere Verbrennungen, nachdem seine Hand von US-Soldaten mit Alkohol übergossen und angezündet wurde. In Diwanijah im Südirak mussten vier Jugendliche vor einem Erdloch niederknien. Danach gaben US-Soldaten Schüsse aus einer Pistole ab, um eine Scheinhinrichtung zu inszenieren. In Kerbela hielt ein US-Soldat einem Iraker für ein Foto eine Pistole an den Kopf.

An den dokumentierten Fällen waren nach Marine-Angaben 24 Soldaten beteiligt. Nach Angaben der Tageszeitung "Washington Post" wurden bereits elf Armeeangehörige von einem Militärgericht verurteilt.

Misshandlung und Folter von Irakern durch US-Elitesoldaten seien weit verbreitet gewesen, heißt es ein einer Erklärung der amerikanischen Bürgerrechtsunion (Aclu). Die Menschenrechtler hatten die Herausgabe der Dokumente per Gerichtsbeschluss erzwungen. Nach Auffassung der Aclu konnten die weit verbreiteten Misshandlungen nicht ohne Führungsfehler auf höchster Ebene geschehen.

Der Leiter der Menschenrechtsorganisation Kennets Roth warf der US-Regierung vor, das Klima für Misshandlungen von Gefangenen geschaffen zu haben. Roth berichtete in einem Interview mit dem Internet-Angebot des Hamburger Magazins "stern" von einem Gespräch mit der nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice im Sommer dieses Jahres. Darin habe sich die designierte US-Außenministerin geweigert, das Recht auf Verhöre ohne Zwang anzuerkennen. "Sie und andere scheinen zu glauben, dass es legal ist, Gefangene zum Reden zu zwingen, indem man ihnen immer größere Schmerzen zufügt, Leiden und Erniedrigung verschärft. In diesem Sinn wird Präsident George W. Bush die systematische Verletzung von Menschenrechten aufrechterhalten", sagte Roth.

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