Neue Verhandlungen zwischen beiden Konzernen
Ford sucht nach Einigung mit Bridgestone

Ford und Bridgestone gehen wieder aufeinander zu. Nach dem abrupten Abbruch der Geschäftsbeziehungen im vergangenen Jahr reden der US-Autokonzern und der Reifenhersteller miteinander.

zel GENF. Eine Einigung zwischen Ford und Bridgestone scheint wieder möglich. Ford-Präsident Nick Scheele hat mit dem Management des japanischen Reifenkonzerns verhandelt, um die Chancen für eine Wiederaufnahme der Geschäftsbeziehungen auszuloten. "Ich bin in der vergangenen Woche in Tokio gewesen", bestätigte Scheele auf dem Genfer Automobilsalon im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Nach dem Skandal mit den umstrittenen Firestone-Reifen am Ford-Modell "Explorer" hatte der US-Autokonzern im vergangenen Jahr weltweit 13 Millionen Pneus zurückgerufen und die 100 Jahre alten Geschäftskontakte mit der amerikanischen Bridgestone-Tochter Firestone abgebrochen. Beim "Explorer" hatte sich die Zahl der Unfälle mit geplatzten Reifen vor zwei Jahren auffällig erhöht. Im November hatte Scheele erstmals mit Bridgestone-Chef Shigeo Watanabe in Tokio verhandelt.

Aus Sicht von Scheele ist es "wenig erfreulich", dass Ford und Bridgestone ihre Kontakte nach einer extrem langen Zusammenarbeit abgebrochen haben. Die Wiederaufnahme der Geschäftsbeziehungen sei "nicht unmöglich". Zu weiteren Details wollte sich der Ford-Präsident allerdings nicht äußern, um einen möglichen Erfolg weiterer Gespräche nicht zu gefährden.

Die Kontaktaufnahme zwischen beiden Seiten war Ende vergangenen Jahres durch den Austausch der Ford-Führung möglich geworden. Der frühere Ford-Chef Jack Nasser, der die Geschäfte mit Bridgestone beendet hatte, war wegen Erfolglosigkeit abgelöst worden.

Scheele gestand ein, dass der US-Automobilkonzern auf seinem Heimatmarkt weiter unter einer Vertrauenskrise leidet. "Das betrifft vor allem die Händler und die eigenen Mitarbeiter", sagte er. Das neue Ford-Management werde das verlorene Vertrauen wieder aufbauen. Ford musste in den USA nicht nur wegen des Reifenskandals mit Bridgestone, sondern auch wegen großer Qualitätsmängel vermehrt Fahrzeuge zurückrufen.

Ein Vorbild für den US-Autohersteller sei der europäische Konzernteil. Das Ford-Mittelklasse-Modell "Focus" hat in Europa in mehreren Qualitätstests extrem gut abgeschnitten. Für Scheele ist das ein Beweis dafür, dass der Ford-Konzern tatsächlich auch hohe Qualität abliefern kann. Scheele - vor einem Jahr noch Präsident von Ford Europa in Köln - war von der Eigentümerfamilie Ford in die Konzernzentrale nach Dearborn in Michigan geholt worden, um den amerikanischen Konzernteil zu sanieren. Wegen der Krise auf dem US-Heimatmarkt hat das Unternehmen im Jahr 2001 - erstmals seit 1992 - wieder rote Zahlen geschrieben.

Scheele will nicht nur die Qualität der US-Modelle verbessern. Für unverzichtbar hält er auch die angekündigte Kapazitätsaufgabe in den USA und die damit verbundenen Werksschließungen. In diesem Jahr will Scheele die Rückkehr in die Gewinnzone erreichen.

Unverzichtbar sei der Kapazitätsabbau trotz der langsam einsetzenden Konjunkturerholung in den USA. "Der Markt ist stärker als wir zu Jahresanfang gedacht hatten", sagte der Ford-Präsident. Problematisch auf dem amerikanischen Markt seien aber weiterhin die hohen Rabatte und die Nachlässe, die vor allem der Marktführer General Motors gebe. "Wir hoffen, dass wir künftig nicht mehr so viel Geld für unsere Marktunterstützung bereitstellen müssen", ergänzte Scheele. Auf dem US-Markt sind derzeit Nachlässe von mehr als 2 000 $ pro Fahrzeug üblich.

Ähnlich äußerte sich auf dem Genfer Automobilsalon auch Chrysler-Chef Dieter Zetsche. "Die Netto-Preisentwicklung ist deutlich negativ", sagte er. Die hohen Nachlässe seien entscheidend dafür verantwortlich, dass sich die Ertragssituation verschlechtert habe.

Der amerikanische Konzernteil von Daimler-Chrysler hält trotzdem an seinem Ziel fest, im Jahr 2002 wieder schwarze Zahlen zu schreiben und die Gewinnschwelle zu erreichen. "Es ist nur schwerer, dorthin zu kommen", betonte Zetsche.

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