Neue Version des MP3-Formats bietet bessere Qualität
Kampf um Online-Musikgeschäft wird härter

Thomson Multimedia und Coding Technologies haben eine Nachfolge-Version für MP3 entwickelt. Damit geraten die Musikverlage, die mit eigenen Angeboten der Musikpiraterie über das Internet das Wasser abgraben wollen, noch stärker unter Zugzwang.

HB PALO ALTO. Die neue Version des Musik-Dateiformats MP3 könnte den Vertrieb digital gespeicherter Musikstücke über das Internet weiter vereinfachen: Denn das so genannte MP3PRO ist dem bisherigen, weit verbreiteten Format sowohl bei der Klangqualität als auch bei der Datenkompression deutlich überlegen.

Beides sind entscheidende Faktoren: So bietet etwa die erreichte Halbierung des Speicherbedarfs die Möglichkeit, die Anzahl der auf einem kleinen MP3-Player gespeicherten Musikstücke zu verdoppeln. Gleichzeitig darf aber eine CD-ähnliche Abhörqualität aus Gründen der Akzeptanz nicht verloren gehen.

Das von der deutschen Fraunhofer Gesellschaft und der französischen Thomson Multimedia Gruppe erfundene MP3-Format gilt als Synonym für digitale Musikspeicherung - aber auch für Musikpiraterie. Branchenbeobachter kritisierten, dass es bei der Entwicklung des Formates nicht gelungen sei, genügend Schutzmechanismen einzubauen, die das illegale Kopieren von Musik verhindern.

Das neue Format MP3PRO wurde von Coding Technologies entwickelt, einem kleinen, auf Audioformate spezialisierten Softwarehaus mit Sitz in Stockholm und München. Es ist eine Fortschreibung des bisherigen MP3-Formats, das wiederum auf Patenten der Fraunhofer Gesellschaft und Thomson basiert, und es ist mit dem bisherigen MP3-Format kompatibel. Dadurch können bisher gesammelte Musikstücke auch auf Geräten, die auf dem neuen Format basieren, abgespielt werden.

Das am Donnerstag vergangener Woche erstmals auf der Website von Thomson Multimedia zum freien Herunterladen veröffentliche MP3-Format kommt zu einem Zeitpunkt eines verstärkten Erneuerungsdrucks auf den Markt. Ausgelöst durch die starke Verbreitung von Musikstücken durch Online-Dienste wie Napster und Gnuttela versuchen die Musikverlage nicht nur auf dem Klageweg den Schaden zu begrenzen. Zusätzlich soll die Gründung eigener Angebote die Musikfans mit legaler Online-Musiksoftware versorgen.

Die Großen formieren sich

Vor diesem Hintergrund sind in den vergangenen Wochen zwei Musikdienste, Music Net und Pressplay, in den Vordergrund getreten, die aus Allianzen der großen Musikverlage mit Softwarehäusern wie Real Networks und Microsoft bestehen. Hinter Music Net stehen die Giganten Warner Music Group, BMG Entertainment und EMI Group mit einem geschätzten Anteil von etwa 40 % des US-Marktes. Der frühere Duet-Service, Marktanteil etwa 43 %, firmiert nun unter dem Namen Pressplay und erhält Rückendeckung von Vivendis Universial Music Group und Sony Music Entertainment.

Softwaretechnisch hat Music Net mit Microsofts Erzrivalen Real in Sachen Media-Software einen Kooperationsvertrag geschlossen. Dies sieht auf dem ersten Blick wie eine schwere Niederlage für Microsoft aus. Doch der Eindruck trügt. Alle drei Musikhäuser haben offenbar darauf bestanden, dass in dem Musikservice nicht nur die Real-Player-Software, sondern auch Microsofts Konkurrenzprodukt Media Player bedient wird. Duet/Pressplay hat sich in der Softwarefrage bisher noch nicht festgelegt.

Der sich seit geraumer Zeit abzeichnende Softwarekrieg zwischen Microsoft und Real um die Marktanteile von Audio- und Video-Player könnte auch das MP3-Format in Mitleidenschaft ziehen. Doch Thomson Multimedia Manager Henri Linde hofft angesichts einer Nutzergemeinde von etwa 12 Millionen Besitzern kleiner Multimedia Player und etwa 250 Millionen PC-Besitzern, dass sich das MP3-Format auch weiterhin durchsetzen wird.

Ob es Microsoft, aber auch Real gelingen wird, aus ihrer Media- Software eigene Formate zum Speichern von Musik als De-Fakto-Standard zu etablieren, wie dies bei MP3 der Fall ist, bleibt offen. Microsoft hat in den Betaversionen von Windows XP (Markteinführung am 25. Oktober dieses Jahres) mit und ohne MP3-Encoder experimentiert.

Der Kampf auf dem Markt für Software für digitale Medien war offenbar auch der entscheidende Grund für das Scheitern der Kooperationsgespräche zwischen Microsoft und dem Real-Partner AOL Time Warner.

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