Neue Vertriebswege für die Medien
Der lange Weg zum Multifunktionsgerät

Konvergenz war lange Zeit das Schlagwort im Mediensektor. Die damalige Vorstellung: Durch Digitalisierung würden die Medien zusammenwachsen - und über ein "Supergerät" könnte man eines Tages seinen gesamten Medienkonsum steuern. Die Realität sieht anders aus.

HB MÜNCHEN. "Digitalisierung bedeutet Divergenz", sagt Klaus Goldhammer, Geschäftsführer der Goldmedia GmbH Media Consulting & Research in Berlin. Die Nutzer hätten viel mehr Geräte zur Verfügung - vom Internet-Computer über das Handy bis zum MP3-Player. Eine Mehrfachverwertung der Inhalte ergebe aber nur dann Sinn, wenn man divergent denke, erläutert Goldhammer. Oft sei es noch problematisch, Content durch alle Kanäle in gleicher Form zu schalten.

In den kommenden Jahren werde Digitalisierung vor allem die Verbreitung des Bestehenden bedeuten, glaubt Werner Trattnig, Director Global Technology Center Menlo Park bei PricewaterhouseCoopers. Erst in einigen Jahren erfolge der zweite Schritt: die medienspezifische Aufbereitung. Die nötige Interaktivität müsse zunächst als Voraussetzung geschaffen werden. "Momentan funktionieren alle Medien wie Einbahnstraßen", sagt Trattnig. Es fehlen Rückkanäle. Auch das Internet habe Schwächen. So erlaube selbst ein DSL-Zugang kein komfortables Anschauen von Filmen. Den Fernseher mit einem Rückkanal auszustatten, erweise sich ebenfalls als problematisch. Auch bei digitalen Übertragungsstandards wie HDTV (High Definition Television) oder dem digitalisiertem Kabelnetz fehlt weitgehend der Rückkanal. Und Set-Top-Boxen mit Internetzugang sind noch teuer.

Momentan suchen die Anbieter daher nach praktikablen Alternativen. Die telefonischen Mehrwertdienste boomen. Das Angebot reicht von SMS-Abstimmung bis hin zum Informationsabruf. Goldmedia prognostiziert dem deutschen Markt für Mehrwertdienste ein Umsatzwachstum von rund 15 Prozent jährlich auf bis zu 780 Mill. Euro in 2008.

Eine andere interaktive Einbindung testet die Pro Sieben Sat 1 Media AG. Betty, eine neuartige Fernbedienung, funktioniert bei analogem und digitalem TV-Empfang. Über einen Funk-Scart-Adapter, wird sie mit Informationen versorgt, die im nicht-sichtbaren Bereich des Fernsehbildes codiert sind. Der Rückkanal ist ein Mini-Funkmodem, das an die Telefonbuchse angeschlossen ist. Der Zuschauer kann so an einem Quiz teilnehmen, Kochrezepte abrufen oder beim Krimi mitraten. Der Testbetrieb läuft sein Anfang September für zwei Monate. "Dabei wollen wir testen, welche interaktiven Dienste von den Zuschauern angenommen werden", so Christian Senft, Sprecher der Pro Sieben Sat 1 Tochter Seven-One Intermedia GmbH. Die Münchner Sendergruppe wolle verstärkt begleitende Services zu ihren Sendungen anbieten und plane ab 2005 die Ausstrahlung digitaler Zusatzdienste.

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