Neue Vorschrift in den USA – Elektronische Überwachung der Autoreifen
Druckkontrolle bringt Milliarden

Die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA macht Druck. Im nächsten Jahr müssen in den USA zugelassene Neufahrzeuge mit einem zusätzlichen Reifendruck-Kontrollsystem ausgestattet werden.

zel DÜSSELDORF. Unter den Automobilzulieferern löst die US-Entscheidung Freude aus: Vor allem deutsche Unternehmen können wegen der Entwicklung auf dem amerikanischen Automarkt mit einem zusätzlichen Milliarden-Geschäft rechnen. "Da entsteht mit Sicherheit ein neuer Markt", bekräftigt Lars Ziehn, Automobilanalyst bei der Deutschen Bank in Frankfurt.

Die US-Behörde reagiert mit ihrem Beschluss auf eine ungeklärte Unfallserie mit Firestone-Reifen. Vor zwei Jahre hatte es mehr als 200 Unfälle mit zum Teil tödlichem Ausgang gegeben. Meist waren darin Ford-Modelle vom Typ "Explorer" verwickelt, die mit Firestone-Reifen ausgestattet waren. Die zusätzlichen Reifendruck-Kontrollsysteme sollen den Fahrer künftig rechtzeitig über Probleme mit den Reifen informieren: Er kann den Wagen noch schnell genug stoppen, bevor ein Pneu platzt.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der US-Entscheidung sind enorm. "Es sollte sich ein gutes Geschäft für die deutschen Zulieferer entwickeln", glaubt Daniel Schwarz, Automobilanalyst bei der Frankfurter BHF-Bank. Besondere Zuversicht herrscht bei der Beru AG aus Ludwigsburg bei Stuttgart. Im vergangenen Geschäftsjahr hat das württembergische Unternehmen mit den ersten Serien seiner Reifendruck-Kontrollsysteme gerade einen Umsatz von 11 Mill. Euro (Gesamtumsatz: 303 Mill. Euro) geschafft. In drei Jahren, so Beru-Sprecher Stephan Haas, sollen es 100 Mill. Euro werden.

In den USA lockt ein Markt mit jährlich zwischen 16 und 17 Millionen Neuzulassungen. Der deutsche Zulieferer glaubt, dass sich die Luftdruck-Kontrolle zudem auch in Europa durchsetzen wird. "Gesetzliche Regelungen sind zwar nicht absehbar", sagt Haas. Doch wie Airbags oder Klimaanlage werde sich das neue Produkt ebenfalls bei europäischen Kunden zum Standardwunsch entwickeln. Beru verkauft seine Reifendruck-Kontrolle bereits an Premiummarken zu Stückpreisen zwischen 150 und 170 Euro.

Doch die Ludwigsburger sind nicht allein: Gute Aussichten haben auch Zulieferer wie Continental und Bosch, die bereits heute Sicherheitstechniken wie Anti-Blockier-System (ABS) oder das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) im Angebot haben. Sie müssen diese Systeme nur ein wenig verändern - und bekommen zusätzlich eine Reifendruck-Kontrolle dazu. "Wir spielen nur eine neue Software auf", erläutert Continental-Sprecher Andreas Meurer. Wie bei dem direkt den Luftdruck messenden System von Beru werden auch bei ABS und ESP Sensoren eingesetzt, die am Rad Veränderungen des Reifendrucks registrieren. Unternehmen wie Continental und Bosch können ihre ABS-Ergänzung wahrscheinlich deutlich unter 50 Euro verkaufen. Diese Systeme messen allerdings weniger exakt.

Noch ist derzeit offen, welche Technik sich durchsetzen wird: direkt messende Kontrollsysteme wie von Beru oder die ABS-gestützten Systeme. Während einer Übergangszeit von drei Jahren können die US-Autohersteller frei entscheiden, bei welchem Zulieferer sie welche Technik einkaufen. Nach der dreijährigen Probezeit will die NHTSA bekannt geben, welchem System sie den Vorrang gibt.

Hoffnungen auf zusätzliche Umsätze machen sich allerdings nicht nur deutsche Automobilzulieferer. Zu möglichen Konkurrenten zählen außerdem TRW in den USA und Schrader aus Irland.

Quelle: Handelsblatt

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