Neue Vorschriften sollen bei den Anlegern am Neuen Markt wieder Vertrauen schaffen
Rot-Grün plant neue Regeln für Aktien-Analysten

Die rot-grüne Koalition will Anleger besser schützen: Wirtschaftsminister Müller plant einen Verhaltenskodex, um die Unabhängigkeit der Analysten zu stärken. Die Banken reagieren überrascht.

23.1.2001 sm/uhl/tmo BERLIN/FRANKFURT. Das Bundeswirtschaftsministerium will "verbindliche Kriterien für die Unabhängigkeit von Analysten" entwerfen. Dies erklärte die neue Staatssekretärin von Bundeswirtschaftsminister Werner Müller, Margareta Wolf, in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Analysten sollen nur noch über solche Wertpapiere berichten dürfen, die weder sie selbst noch ihre Unternehmen im Portfolio halten. Damit will die Koalition vermeiden, dass in Banken oder Fondsgesellschaften Konflikte zwischen einer objektiven Bewertung von Aktien und eigenen Anlageinteressen auftreten.

Banken und Verbände reagierten überrascht auf die Pläne. Sie verwiesen auf geltende Gesetze und auf die Selbstkontrolle der Branche. "Wir haben bereits vor Jahren eigene Standesregeln aufgestellt", sagte Ulrike Diehl, Geschäftsführerin der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA). So verurteilt der Verband Geschäfte von Analysten, die mit Kaufempfehlungen den Kurs eigener Aktien beeinflussen wollen. Bei Verstößen kann die verbandseigene Schiedsstelle Geldbußen verhängen. Die seit August bestehende Einrichtung wurde aber noch nicht angerufen.

Auch Thomas Weisgerber, Geschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, wandte sich gegen neue Auflagen. "Soweit Analysten im Rahmen eines staatlich geprüften und überwachten Instituts arbeiten, werden sie bereits mehrfach reguliert", sagte Weisgerber.

In vielen Kreditinstituten überwacht die so genannte Compliance- Abteilung die internen Regeln. So dürften Analysten normalerweise keine Aktien von Unternehmen halten, die sie unter die Lupe nehmen. Sorge bereiten Weisgerber aber selbst ernannte Analysten, die etwa im Internet unkontrolliert Aktien-Tipps veröffentlichen. Hintergrund der rot-grünen Pläne für einen Analysten-Kodex sind die jüngsten Kursturbulenzen, vor allem am Neuen Markt. Die Regierung befürchtet negative Folgen für das Verhalten von Kleinaktionären und für die Finanzierung der Unternehmen.

Rot-Grün will den Verhaltenskodex aber nicht im Alleingang durchboxen. Ziel von Wirtschaftsminister Müller sei es, ein "freiwilliges Qualitätssicherungssystem für Analysten zu entwickeln, um dem Vertrauensschwund in Aktien-Analysen zu begegnen", erklärte ein Sprecher des Wirtschaftsministers gegenüber dem Handelsblatt. Müller werde zunächst die betroffenen Verbände zu einem Gespräch einladen, um Kriterien für seriöse Analysen und Wege zur Durchsetzung solcher Regeln zu erörtern. Der Minister strebe dabei nicht an, eine staatliche Berufsordnung für Analysten vorzugeben, wie es sie etwa für Wirtschaftsprüfer gebe. Vielmehr solle von den Beteiligten ein freiwilliges Qualitätssicherungssystem verabredet werden. Auf der Arbeitsebene gibt es hierüber bereits Gespräche zwischen dem Wirtschaftsministerium und dem Bundesverband der Freien Berufe.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%