Neue Vorwürfe aus der Militärzeit des US-Präsidenten
Standards waren für Bush angeblich zu hoch

Der Militärdienst von US-Präsident George W. Bush gerät erneut ins Rampenlicht des amerikanischen Wahlkampfs. Gut sieben Wochen vor der Präsidentschaftswahl legten die Zeitung "Boston Globe" sowie der Fernsehsender CBS neue Dokumente vor. Demnach hat Bush im August 1972 seine Flugberechtigung für Kampfjets bei der texanischen Nationalgarde auch deshalb verloren, weil er militärische Standards nicht erfüllte.

WASHINGTON. In einem der Schriftstücke ordnete Bushs ehemaliger Chef, der inzwischen verstorbene Oberstleutnant Jerry Killian, die Aufhebung der Flugberechtigung "wegen mangelnder Leistung" an. Das Weiße Haus hatte Bushs Beendigung seines Piloten-Jobs bislang damit begründet, dass er eine ärztliche Untersuchung ausgelassen habe. Dies habe aber keine Rolle gespielt, weil er sich im Sommer 1973 auf einen Schreibtischdienst bei der Nationalgarde in Alabama versetzen ließ.

Ferner berichten die US-Medien, dass Bush offenbar protegiert wor-den sei. In einer weiteren Notiz von Oberstleutnant Killian heißt es, dass sein damaliger Vorgesetzter ihn angewiesen habe, Bushs Papiere zu "schönen". Wegen dieser "Einmischung" sei es unmöglich gewesen, Bush objektiv zu bewerten, erklärte Killian. Auch der ehemalige Vizegouverneur von Texas, Ben Barnes, betonte, Bush sei auf Grund guter Beziehungen in die Nationalgarde gekommen. Damals bestand in den USA Wehrpflicht.

Bush diente von 1968 bis 1973 in der texanischen Nationalgarde. Die militärische Organisation war ursprünglich auf den Einsatz bei Naturkatastrophen in den Bundesstaaten angelegt. Sie galt jedoch in der damaligen Zeit als Möglichkeit für Privilegierte, eine Einberufung zum Kriegsdienst in Vietnam zu vermeiden. Bush war 1972 und 1973 im Wahlkampf für Freunde seiner Familie aktiv. Diese Periode rückt nun deshalb in den Blickpunkt der amerikanischen Medien, weil Bush seine Führungsqualitäten als Oberkommandierender in der Schlacht gegen den Terrorismus zum zentralen Thema seiner Kampagne 2004 gemacht hat.

In diesen Tagen läuft auch das Wahlkampfvideo einer Gruppe mit dem Namen "Texaner für die Wahr-heit", die Bushs Dienst bei der Nationalgarde in Alabama Ende 1973 in Frage stellt. "Ich erinnere mich nicht, ihn jemals gesehen zu haben", sagt Bob Mintz, ein ehemaliger Leutnant der Nationalgarde von Ala-bama, in dem Video. Die Bezeichnung "Texaner für die Wahrheit" erinnert an die Gruppe "Veteranen für die Wahrheit", die John Kerry im August unterstellt hatte, seine militärischen Orden in Vietnam erschwindelt zu haben. Die meisten Experten sehen in jener Attacke den maßgeblichen Grund für Kerrys jüngsten Knick in den Meinungsumfragen. Einige Beobachter werten die neuesten Angriffe gegen Bush als Retourkutsche einer den Demokraten nahe stehenden Organisation.

Die Politik von Bush hat nach einer neuen Umfrage zu einer Verschlechterung der transatlantischen Beziehungen geführt. Gut drei Viertel der Europäer missbilligen die gegenwärtige US-Außenpolitik, heißt es in einer gestern vom German Marshall Fund veröffentlichten Studie. Die Zahl sei innerhalb von zwei Jahren um 20 Prozentpunkte angewachsen. 71 Prozent der Europäer hielten es für wünschenswert, dass die EU eine Supermacht wie die USA werde.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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