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Neue Wege gehen

In der Börsenkrise erfreuen sich Hedge-Fonds-Zertifikate steigender Beliebtheit. Bei reduziertem Risiko sollen sie gute Renditen einfahren. Experten raten jedoch zur Vorsicht bei den neuen Produkten.

Geringes Risiko und satte Renditen - davon träumt jeder Anleger, besonders in Krisenzeiten an der Börse. Kein Wunder also, dass Hedge-Fonds-Zertifikate zurzeit besonders ins Blickfeld der Investoren rücken.

Hedge-Fonds sammeln das Kapital von vielen Investoren ein. Ein Manager versucht dann, das Vermögen, das auf diese Weise zusammengekommen ist, zu vermehren - vornehmlich mit kurzfristigen Termin- und Differenzgeschäften an den Finanz- und Rohstoffmärkten. Dabei kann der Verwalter wesentlich ausgetüfteltere Strategien fahren als bei einem normalen Aktien- oder Rentenfonds.

Durchschnittsanleger haben kaum eine Chance, bei diesen speziellen Fonds mit dabei zu sein. Wer dort investieren will, muss nicht selten mindestens eine Million US-Dollar als Anlagesumme mitbringen. Anlegerschutz wird dabei nicht unbedingt groß geschrieben - jedenfalls gemessen an den Maßstäben deutscher Fonds. Da viele Hedge-Fonds in Steuerparadiesen wie den Bahamas oder Cayman Islands residieren, unterliegen sie kaum Berichtspflichten und keiner staatlichen Aufsicht. "Natürlich gibt es unter den Hedge-Fonds auch einige schwarze Schafe", weiß Derivateexperte Philip Piltz von der Société Générale (SocGen). Die Pleite des Fonds LTCM 1998 ist vielen noch gut in Erinnerung.

Um dennoch Privatanlegern den Zugang zu dieser Art des Investments zu ermöglichen, hat die französische Großbank neben einer Reihe anderer Investmenthäuser spezielle Hedge- Fonds-Zertifikate aufgelegt. Damit ist der Käufer an der Wertentwicklung eines Korbes aus mehreren Hedge-Fonds beteiligt, was die Gefahr, auf das falsche Pferd zu setzen, senkt. "Das Schwankungsrisiko bei einer breit gestreuten Anlage aus 15 bis 20 Hedge- Fonds reduziert sich auf das Niveau einer festverzinslichen Anlage", sagt Thorsten Michalik von der Deutschen Bank. "Gleichzeitig sind Renditen von 10 bis 15 Prozent jährlich möglich." Zusätzlicher Pluspunkt bei den Zertifikaten: Die Mindestanlagesumme beträgt teilweise nur 1 000 Euro.

Mittlerweile interessieren sich auch immer mehr professionelle Kunden für die neuen Produkte. "In den letzten Tagen hatten wir viele Anrufe von Vermögensverwaltern, die bisher nur in Aktien und Anleihen investiert haben", sagt SocGen-Mann Piltz. "Jetzt wollen sie mehr über Hedge-Fonds-Zertifikate wissen."

Dreizehn Emissionen werden mittlerweile in Deutschland angeboten. Die Behauptung der Herausgeber, damit stabile Erträge auch unabhängig vom Auf und Ab an den Weltbörsen zu erzielen, ist bislang nicht mehr als ein Versprechen. Keines der hier zu Lande erhältlichen Zertifikate besitzt eine ausreichende Historie, die dies belegen könnte. Erst nachdem die Deutsche Bank im September 2000 mit ihrem "Xavex Hedge- Select Zertifikat" eine erfolgreiche Premiere gelang, sind andere Häuser nachgezogen. Kritiker sehen bereits die Gefahr einer "Zertifikate-Blase": Es gebe nicht genügend qualifizierte Fonds, in die die eingesammelten Zertifikats-Gelder investiert werden könnten.

Weiterer Kritikpunkt: die mangelnde Transparenz bei der Zusammenstellung des Fonds-Korbes. Die meisten Emittenten betonen zwar, dass eigene Spezialistenteams den Markt intensiv beobachten und so eine effektive Auswahl garantiert sei. "Doch letztlich wissen die Anleger nicht, was mit ihrem Geld geschieht", sagt Andreas Woitzik, selbst Fondsmanager bei der Deutschen Derivate Vermögensverwaltung. Teilweise würden die Banken noch nicht einmal die Fonds nennen, in das Geld fließe.

Michael Busack, Herausgeber des Branchendienstes Absolut Report, empfiehlt deshalb Interessenten, nur die Papiere solcher Häuser zu kaufen, die über die Verteilung der Anlagesumme und die Kursentwicklung konkret und zeitnah informieren. "Ein monatlicher, schriftlicher Bericht mit aktueller Kommentierung der Anlagepolitik sollte Standard sein." Wichtig sei es auch, darauf zu achten, ob die Häuser über ein eigenes Team in den USA verfügten, wo viele Hedge-Fonds ihren Tätigkeitsschwerpunkt haben.

Auch die Herausgeber der Zertifikate betonen, dass sich Interessenten vor dem Kauf umfassend beraten lassen sollten. Generell eignen sich diese Papiere nach Meinung von Experten nur als Depotbeimischung für erfahrene Investoren. Sie empfehlen eine Gewichtung von etwa 10 Prozent und eine Anlagedauer von mindestens fünf Jahren.

Auch bei der eher langfristigen Anlageperspektive sollten sich Anleger informieren, ob und wie sie ihre Papiere zurück geben können. Üblich ist dabei eine Differenz zwischen dem aktuellen An- und Verkaufskurs. Der sollte bei guten Anbietern zwei Prozent nicht übersteigen, ebenso wie die jährliche Verwaltungsgebühr.

Eine Rolle spielt auch die Bonität des Emittenten. Da es sich bei den Zertifikaten um Inhaberschuldverschreibungen handelt, muss der Anleger um sein Geld fürchten, wenn das herausgebende Finanzhaus in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Bei Großbanken ist diese Gefahr allerdings nur theoretisch vorhanden.

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