Neue Wege in der Manager-Ausbildung
Fortbildung nach Maß

Es muss nicht immer ein MBA sein. Unter Sparzwang lassen sich Unternehmen nun von Business Schools spezielle Weiterbildungsprogramme entwickeln.

Die wirtschaftliche Situation und die damit verbundenen Kostenzwänge für Unternehmen bleiben nicht ohne Folgen für die Managerausbildung. Immer mehr Unternehmen, die traditionell ihre Mitarbeiter in die teuren MBA- oder Executive Education-Programme führender Business Schools schickten, überdenken heute den Wert einer Business-School-Ausbildung.

So kommt es, dass heute die Schulen selbst größere Anstrengungen unternehmen müssen, ihre (Firmen-)kunden zu überzeugen. Immer häufiger bieten sie Unternehmen maßgeschneiderte, kurze Fortbildungsprogramme für Führungskräfte an. Anstatt nur einige wenige High Potentials in 100 000-Dollar-MBA-Programme zu schicken, erlaubt dies den Unternehmen die Schulung Hunderter Mitarbeiter - speziell auf die jeweilige Unternehmensproblematik zugeschnitten.

Die Deutsche Bank oder Sony Europe nutzen solche Angebote. Ihre Mitarbeiter verbringen einige Wochen an Business Schools wie dem schweizerischen International Institute for Management Development (IMD), Insead in Fontainebleau oder IESE in Barcelona und eignen sich dort das Basiswissen über Leistungsbewertung, Stategie und globales Management an.

Nachfrage steigt

IMD etwa entwickelte ein General Management-Programm eigens für Sony Europe, die europäische Tochter der japanischen Sony Corporation. Offenbar war der Kunde zufrieden: Nahmen vor zwei Jahren 250 Sony-Mitarbeiter an dem Programm teil, waren es im letzten Jahr schon 500. Auch die Deutsche Bank setzt zunehmend auf die Weiterbildung ihrer Manager und hat im vergangenen Jahr 200 Mitarbeiter für Kurse im Ausland gebucht. Vor drei Jahren waren es nur 60 gewesen.

"Die Nachfrage nach so genannten Customized Executive Education Programs, also auf den Kunden zugeschnittene Weiterbildung für Führungskräfte, steigt", sagt Marktkenner Nunzio Quacquarelli vom Londoner MBA-Messeveranstalter topmba.com. "Mitte der neunziger Jahre boten die meisten Business Schools noch Einheitskurse für General Management an. Jetzt aber verlangen die Unternehmen nach Programmen, die ihren speziellen Anforderungen gerecht werden", stellt Quacquarelli fest. "Also stellen jetzt die Schulen maßgeschneiderte Programme zusammen, und sie berichten für dieses Jahr alle ohne Ausnahme über gestiegene Einnahmen."

Am IMD trügen kundenspezifische Kurse zu einer Einnahmensteigerung bei, da die Schule ihre Beziehungen zu den Unternehmen intensiviert hätte, um neue Aufträge hereinzuholen, bestätigt Michael Stanford, Direktor der IMD-Partnerschaftsprogramme. "Wir verbringen manchmal fast 30 Tage mit dem Erfassen der Bedürfnisse einer Firma, bevor wir einen Programmentwurf vorlegen", sagt er.

Beispiele aus der Unternehmenspraxis

"Die Unternehmen sind anspruchsvoller geworden und erwarten mehr von der Fortbildung ihrer Führungskräfte", befindet Stanford. Indem man die Kurse auf ihre präzisen Bedürfnisse zuschneidet, können die Firmen die notwendigen Grundlagen entwickeln, um innerhalb des eigenen Hauses neue Strategien aufzubauen, anstatt dafür Beraterfirmen zu engagieren und zu zahlen. "Es ist nicht ungewöhnlich für uns dabei mitzuhelfen, etwa nach einer Fusion Integrationsprogramme auszuarbeiten", sagt der IMD-Mann.

Genau nach diesem Muster ist die Deutsche Bank verfahren, verrät Michael Maffucci vom Entwicklungsteam des Instituts. Kurz nachdem die Bank die amerikanische Bankers Trust übernommen hatte, besuchten Mitarbeiter die Fuqua School of Business der Duke University, um einen breiter gefächerten Katalog an Unternehmenswerten zu erarbeiten. Heute lässt sich ein Großteil der corporate identity des Hauses - Konzentration auf den Kunden, Teamarbeit, Leistung, Vertrauen - auf diese Trockenübungen im Klassenzimmer zurückführen.

Sony Europe-Manager Matthias Colli besuchte ein von IMD maßgeschneidertes, zweiwöchiges Potenzialentwicklungsprogramm in Lausanne, bei dem es vor allem um Strategieentwicklung und-umsetzung ging. Während der Simulation einer Geschäftssituation ertappte sich Colli, der eigentlich in der Öffentlichkeitsarbeit tätig ist, dabei, wie er Entscheidungen traf, die gewöhnlich Managern der höchsten Führungsebene vorbehalten sind.

Verschiedene Wege finden

Colli und seine "Klassenkameraden" versuchten, verschiedene Wege zu finden, ein neues Produkt auf den Markt zu bringen. "In solch einer Simulation kann man die Vorzüge und Nachteile verschiedener Ansätze herausfinden, ohne das Geschäft aufs Spiel zu setzen", resümiert der Manager.

Customized Programs unterscheiden sich noch unter einem anderen Aspekt von offenen Fortbildungs- oder MBA-Programmen: Die Teilnehmer können ihre Kenntnisse nur für die eigene Firma anwenden und nicht einfach auf ein beliebiges anderes - konkurrierendes - Unternehmen. "Anders als bei einem MBA-Progamm dürfte eine konkurrierende Firma wohl kaum jemandem eine Stelle nur aufgrund seiner guten Weiterbildung anbieten", urteilt Peter Lever, Managing Partner der Personalvermittlung Heidrick & Struggles International in London. "Aber es zeigt trotzdem, dass du Potenzial hast, wenn dein Unternehmen Geld dafür ausgibt, dich auf eine gute Schule zu schicken. Das kann zumindest dazu beitragen, bei einem anderen Unternehmen ein Vorstellungsgespräch zu bekommen."

"Fortbildungsmaßnahmen erhöhen aber auf jeden Fall die Chancen befördert zu werden", weiß Sony-Ausbildungsleiter Mark Wilcox. Die Übungen im "Klassenzimmer" eröffnen für Angestellte die Gelegenheit, ein Netz von neuen Kontakten quer durch die gesamte Firma zu knüpfen. Colli, der in Berlin arbeitet, hat Kollegen aus verschiedenen Abteilungen von Sony Europe kennengelernt, etwa aus den Bereichen Produktion, Dienstleistung, Finanzen, Marketing und Public Relations. "In einem großen Unternehmen ist es sehr wichtig, ein Netz an Kontakten auf hoher Ebene zu haben", ist Colli überzeugt.

Die besten Managementfortbildungsprogramme in Europa und den USA zeigt unsere Executive Education-Datenbank unter www.jungekarriere.com/mba.

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