Neue Welle von Pharma-Zusammschlüssen steht bevor
Krise bei Bristol-Myers lockt Konkurrenten

In der Pharmabranche rechnen Experten mit neuen Fusionen unter Großkonzernen. Einer möglichen Kombination von Glaxo Smithkline und Bristol-Myers stehen Aktionäre jedoch skeptisch gegenüber.

DÜSSELDORF. Die Zeichen für eine Übernahme des angeschlagenen US-Pharmakonzerns Bristol-Myers Squibb (BMS) durch einen Konkurrenten aus den USA oder Europa verdichten sich. Nach Angaben der "New York Times" prüft der größte Europäische Arzneihersteller, Glaxo Smithkline, derzeit einen Zusammenschluss mit der weltweiten Nummer sechs der Branche.

Führungskräfte von Glaxo und BMS hätten sich zu Gesprächen getroffen, die sich aber noch in sehr frühen Stadium befänden, schreibt die Zeitung. Bei einer Fusion von Glaxo und BMS würde der weltgrößte Arzneihersteller mit einem Umsatz von 40 Mrd. $ und einem Börsenwert von 190 Mrd. $ entstehen.

Beide Konzerne wollten zu der Meldung keine Stellung nehmen. Allerdings haben Topmanager von Glaxo und BMS zuvor Bereitschaft zu neuen Zusammenschlüssen signalisiert. BMS kämpft mit starken Gewinnrückgängen in Folge von Patentausläufen und Pleiten bei der Einführung neuer Produkte. Der Konzern hat seit März rund 40 % seiner Marktkapitalisierung verloren und ist mit einem Wert von derzeit 58 Mrd. $ vergleichsweise billig.

"Aus finanzieller Sicht wäre der Kauf von BMS für Glaxo sicher ein guter Schritt", kommentiert Analyst Michael King von WestLB Panmure. Allerdings würde der Kauf die weltweite Nummer zwei strategisch nicht nach vorn bringen: BMS verfügt wie Glaxo kaum über aussichtsreiche neue Medikamente, bei denen die Markteinführung bevorsteht und die den Umsatzausfall durch Patentabläufe bei älteren Glaxo-Mitteln ausgleichen könnten. Auch Glaxo steht unter Druck: Erst vor wenigen Wochen ist der Konzern mit einer Patentschutzverlängerung für sein Antibiotikum Augmentin vor Gericht gescheitert. Damit werden ab Juli die Hersteller von Nachahmermedikamenten den Konzern angreifen, für den Augmentin mit 2 Mrd. $-Umsatz eines der wichtigsten Produkte ist.

"Ich bin nicht überzeugt, dass eine Fusion die Probleme beider Firmen lösen würde", sagte Analyst King. Die Börse sieht dies ähnlich: Nachdem am Freitag die Gerüchte über Fusionsgespräche zwischen Glaxo und BMS aufkamen, verlor die Aktie des britischen Konzerns um bis zu 5 %.

Der attraktive Preis von Bristol-Myers dürfte aber nicht nur Glaxo anlocken. Nach Angaben des unabhängigen US-Pharmaanalysten Hermant K. Shah strecken auch andere Firmen, darunter der US-Konzern Johnson & Johnson und die Schweizer Novartis AG ihre Fühler nach BMS aus.

Preisrückgänge und mangelnde Neuentwicklungen

Neue Fusionsgerüchte um Pharmakonzerne kommen nicht überraschend, denn von den Patentabläufen, Preisrückgängen und dem Mangel an aussichtsreichen Neuentwicklungen sind weite Teile der Branche betroffen. Viele Top-Unternehmen können das starke Gewinnwachstum der vergangenen Jahre heute nicht mehr halten und geraten an der Börse zunehmend unter Beschuss.

Ein Zusammenschluss in der Größenordnung von Glaxo und BMS würde nach Einschätzung von Analyst King eine neue Runde im Fusionskarussel einläuten. In den vergangenen Jahren sind bereits eine Vielzahl von Firmen zusammengegangen: In Großbritannien etwa Glaxo Wellcome und Smithkline Beecham, oder in den USA Pfizer und Warner Lambert. US-Firmen wie BMS, Schering-Plough oder Eli Lilly gelten heute als Fusionskandidaten. Wie bei der letzten großen Fusionswelle hoffen die Pharmamanager auf Stärkung der Vertriebskraft und drastische Kostensenkungen nach Zusammenschlüssen, mit denen die Gewinnsteigerungen vorerst gesichert werden könnten. "Größe im Vertrieb und Marketing ist ein klarer Konkurrenzvorteil, weitere Fusionen könnten damit begründet sein", schreibt die Bank Vontobel in einer Studie.

Dennoch sehen die Experten die Entwicklung kritisch: Denn kaum ein Zusammenschluss brachte die Konzerne bei der Produktivität der Forschung voran: Neue aussichtsreiche Medikamente sind Mangelware. "Das gilt auch für die Fusion von Glaxo und Smithkline", sagt King und sieht darin einen Hauptgrund, warum die Aktionäre neuen Fusiongelüsten des Konzerns skeptisch gegenüber stehen.

Quelle: Handelsblatt

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