Neue Wirtschaftsdaten besser als von Volkswirten erwartet
High-Tech weist US-Aufschwung den Weg

In den USA stehen alle Ampeln auf grün: Die Industrieproduktion stieg im Februar zum zweiten Mal in Folge. Besonders positiv: Der IT-Sektor, dessen Implosion den Abschwung verursachte, hat offenbar die Trendwende geschafft. Trotz der Erholung stiegen die Erzeugerpreise kaum - und die US-Verbraucher sind bester Laune.

ost DÜSSELDORF. Der Strom der guten Konjunktur-Nachrichten aus den USA reißt derzeit nicht ab. Vier Indikatoren standen in den USA am Freitag an - alle waren überraschend positiv.

Kein Wunder, dass Ökonomen die neuen Daten euphorisch kommentieren: "Wir befinden uns mitten in der Erholung", sagt Stan Shipley von der US-Investmentbank Merrill Lynch, "die Rezession haben wir definitiv hinter uns." Auch für James Glassman von JP Morgan stellt sich nicht mehr die Frage, ob der Aufschwung einsetzt - "jetzt geht es nur noch darum, wie stark er ausfällt." Und Glassmans Meinung nach steht fest: "Wir glauben: ziemlich stark. Im Jahresdurchschnitt dürfte die US-Wirtschaft um 4 % wachsen, vielleicht sogar etwas mehr."

Die am Freitag veröffentlichten Daten zur Industrieproduktion waren doppelt positiv: Erstens lag der Output im Februar saisonbereinigt 0,4 % über dem Vormonat. Zweites korrigierte die US-Notenbank die Januar-Zahlen nach oben. Die Produktion ist im Januar nicht, wie zunächst geschätzt, um 0,1 % geschrumpft, sondern um 0,2 % gestiegen. Im Jahresvergleich war die Produktion im Februar 4,1 % geringer. In den USA entfallen 26 % der Gesamt-Produktion auf die Industrie.

IT-Branche schafft Trendwende

Überdurchschnittlich stark hat sich der wichtige High-Tech-Sektor erholt, der 2000 und 2001 implodiert war und damit die Rezession erst auslöste. Offenbar schaffte die IT-Branche im vierten Quartal die Trendwende. Der High- Tech-Output wuchs mit einer Jahresrate von 1,2 %, nachdem er im dritten Quartal annualisiert mit fast 22 % noch dramatisch geschrumpft war. Der Positivtrend setzte sich im Februar fort: Die IT-Produktion stieg im Monatsvergleich um 1,2 %.

Und sogar die Automobilproduktion legte im Februar um 0,5 % zu - erstaunlich, weil die Amerikaner im Herbst auf Grund aggressiver Rabattprogramme in einen wahren Auto-Kaufrausch verfallen waren. "Autos und IT weisen den Weg für die Erholung", kommentiert Kathleen Stephansen von Credit Swiss First Boston.

Überraschend deutlich legte auch die Kapazitätsauslastung in der gesamten Industrie zu - sie kletterte im Februar um 0,3 Prozentpunkte auf 74,8 %. Allerdings liegt sie damit immer noch deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 81,9 %. "Die Industrieproduktion hat den Tiefpunkt durchschritten", meinen die Volkswirte der Commerzbank und sind überzeugt: "Der Anstieg ist sicherlich kein temporäres Ereignis." Schließlich sei der ISM-Einkaufsmanager-Index im verarbeitenden Gewerbe kontinuierlich gestiegen - dies deute darauf hin, dass die Trendwende vollzogen sei.

Unternehmen haben Läger geräumt

Trotz des Aufschwungs in der Industrie drohen der US-Wirtschaft derzeit keine Inflationsgefahren: Die Erzeugerpreise legten im Februar saisonbereinigt gerade einmal um 0,2 % gegenüber dem Vormonat zu. Im Jahresvergleich fielen sie um 2,6 %, meldete das US-Arbeitsministerium am Freitag. Klammert man die stark schwankenden Preise für Lebensmittel und Energie aus, stagnierten die Erzeugerpreise zum Vormonat sogar - vor allem, weil Computer deutlich billiger waren als im Januar. Joseph A. LaVorgna, US-Ökonom bei der Deutschen Bank, sieht zwar einige Anzeichen, dass die Preissetzungsmacht der Firmen langsam wieder zunimmt - vor allem Preise für Energie und Gesundheitsdienstleistungen dürften in den kommenden Monaten stärker steigen. Allerdings: "Das ist nichts, über das wir uns im Moment Sorgen machen müssen."

Aus Sicht der Volkswirte bringt derzeit vor allem eines die US-Wirtschaft wieder in Schwung: Im vergangenen Jahr haben die Unternehmen ihre Läger in riesigem Ausmaß geräumt, jetzt füllen sie die Vorräte wieder auf - und müssen daher mehr produzieren. Ob der Aufschwung stark und dauerhaft ausfällt, steht und fällt aber mit der Kauflaune der Verbraucher - denn der private Konsum macht mehr als zwei Drittel des US-Bruttoinlandsprodukts aus.

Die Wirtschaft kann sich nur nachhaltig erholen, wenn die US-Bürger in Shopping-Stimmung bleiben. Und nach neuen Daten von Freitag stehen die Signale auch an der Konsumfront auf grün: Der Verbrauchervertrauens-Index der Universität von Michigan kletterte vorläufigen Zahlen zufolge um 4,3 Punkte auf 95,0 Zähler. Im Januar war der Index noch leicht eingebrochen. Die Verbraucher beurteilen nicht nur ihre derzeitige Lage deutlich besser, ihre Zukunftserwartungen sind so gut wie seit November 2000 nicht mehr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%