Neue Zulassungen für aussichtsreiche Medikamente
Biotech-Konzern Amgen expandiert weltweit

Während bei vielen Pharmakonzernen der Nachschub an neuen Produkten versiegt, kommt der Biotechriese Amgen schneller voran als erwartet. Neuzulassungen ebnen den Weg zu einer globalen Expansion.

shf FRANKFURT/M. Neue marktreife Produkte sind in der Pharmabranche derzeit Mangelware. Nicht so bei Amgen: Der kalifornische Biotech-Konzern hat in den letzten beiden Jahren praktisch alle wichtigen Zulassungshürden gemeistert, und ist dabei teilweise sogar schneller vorangekommen als geplant. Den vorerst letzten Erfolg verbuchte das Unternehmen vor wenigen Tagen, als die Europäische Arzneimittelbehörde EMEA die beiden Neuentwicklungen Neulasta und Aranesp für den Einsatz in der Krebsbehandlung genehmigte. Für andere Therapiegebiete erhielten die beiden Medikamente bereits im vergangenen Jahr grünes Licht, ebenso wie das Rheumamittel Kinaret. Eine weitere wichtige Hürde hofft der Konzern in den nächsten Monaten zu nehmen. Dann soll eine neue Produktionsanlage Fertigungsengpässe beim Rheumamedikament Enbrel beseitigen.

Amgen erscheint damit in jeder Hinsicht bestens positioniert für einen weiteren Expansionsschub. Im ersten Halbjahr 2002 stieg der Umsatz um 20% auf 2,2 Mrd. $ (ohne Immunex). Analysten der Deutschen Bank trauen es dem Konzern zu, bis 2006 seinen Umsatz zu verdreifachen: von zuletzt rund 4 Mrd. auf dann etwa 12 Mrd. $. Der US-Konzern kann damit nicht nur seine Rolle als führendes biopharmazeutisches Unternehmen der Welt untermauern. Er liefert auch einen weiteren Beleg für das mitunter enorme Potential von vordergründig eher unscheinbaren Pharma-Innovationen.

Denn bei Neulasta und Aranesp handelt es sich nicht um völlig neuartige Wirkstoffe, sondern "lediglich" um verbesserte Versionen der Medikamente Neupogen und Epogen (Epo), die bereits Ende der 80er Jahre auf den Markt kamen. Neupogen regt die Bildung von weißen Blutkörperchen an und wird hauptsächlich eingesetzt, um Nebenwirkungen der Chemotherapie zu mindern. Epo, der mit Abstand umsatzstärkste Wirkstoff der Biotechbranche, fördert die Bildung von roten Blutkörperchen und wird daher als Medikament gegen Anämien eingesetzt, wie sie ebenfalls in der Krebstherapie oder auch bei Dialyse-Patienten auftreten. Einen etwas zweifelhaften Ruhm erlangte es durch den illegalen Einsatz als Dopingmittel für Ausdauersportler.

Der entscheidende Vorteil von Neulasta und Aranesp besteht darin, dass ihre Wirkung länger anhält als bei den Vorgängerprodukten. Aranesp muss bei Dialyse-Patienten zum Beispiel nur einmal pro Woche injiziert werden, Epogen dagegen dreimal. Was zunächst nur als marginale Weiterentwicklung erschien, entpuppt sich inzwischen jedoch als Wettbewerbsvorteil, der dem US-Konzern entscheidende Freiheiten im globalen Marketing sichert. Denn den Löwenanteil des EPO-Geschäfts musste Amgen bislang dem Lizenznehmer Johnson & Johnson überlassen, der das Produkt unter dem Namen Procrit und Eprex vermarktet und damit mehr als 3 Mrd. $ Umsatz erzielt.

Amgen blieb bislang auf den US-Dialysemarkt beschränkt, was sich mit Aranesp aber rapide ändert. Roland Maier, Manager der Schweizer Beteiligungsgesellschaft BB Biotech, schätzt, dass Aranesp dem US-Konzern bis 2006 etwa 4 Mrd. $ zusätzlichen Umsatz bringen kann, davon ein Drittel in Europa, wo Amgen inzwischen einen eigenen Vertrieb etabliert hat. "Wir streben in kurzer Zeit überall die Marktführerschaft an", so Robert Unterhuber, Kommunikationschef der deutschen Amgen GmbH. Leidtragende wären vor allem der Baseler Roche-Konzern, der eine eigene Epo-Variante in Europa vertreibt, und natürlich der US-Pharmariese Johnson & Johnson. Dessen Mittel Eprex ist zudem jüngst wegen Nebenwirkung in die Schlagzeilen geraten, was Amgen zusätzliche Wettbewerbsvorteile beschert.

Gefahr für Aranesp droht daher am ehesten von Nachahmerprodukten, wenn ab 2004 das Patent auf Epogen in Europa abläuft. Sollte es Generikafirmen tatsächlich gelingen, eigene preiswerte Varianten durch die Zulassung zu bringen, könnte sich das Marktpotenzial von Aranesp trotz der Anwendungsvorteile einschränken, schätzt Fondsberater Michael Fischer von Medical Strategy. Mehrere Generikafirmen, darunter Ratiopharm und Stada, arbeiten an entsprechenden Projekten. Doch noch ist unklar, unter welchen Bedingungen Biogenerika überhaupt zugelassen werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%