Neuemissionen werden nicht gekauft
Schwierige Zeiten für Börsengänge

Immer mehr Aktien notieren unterhalb ihres Ausgabepreises. So lagen am Montagnachmittag von den insgesamt neun Neuemissionen der vergangenen vier Wochen lediglich zwei Werte oberhalb ihres Ausgabepreises.

Reuters FRANKFURT. "Gegenwärtig wollen die Leute einfach keine Neuemissionen kaufen", sagte Norbert Empting, Händler bei der auf den vorbörslichen Handel mit Aktien spezialisierten Börsenmakler Schnigge AG. Der seit Wochen auf Talfahrt befindliche Neue Markt verschrecke die Investoren. "Allerdings könne sich dass auch sehr schnell wieder ändern", sagte Empting.

Seiner Ansicht nach dürfte Anfang des kommenden Jahres das Marktumfeld für Börsenkandidaten erheblich besser werden, so dass man auch wieder wirkliche High-Flyer sehen wird. Diese Ansicht vertritt auch Götz Albert, Leiter des Neuen Markt Teams bei Independent Research. Die unsichere Marktsituation dürfte bis in den Dezember hinein anhalten, sagte Albert. Eine Besserung sei erst Anfang kommenden Jahres in Sicht. Bei den Anlegern habe sich zudem die Einsicht durchgesetzt, nicht mehr jeden Börsenkandidaten unbedingt in seinem Depot haben zu müssen. Bei über 300 Unternehmen am Neuen Markt agierten die Anleger zunehmend selektiver, sagte Albert.

Meist am unteren Rand der Preisspanne

Die beiden Börsenkandidaten MME My, Myself & Eye und Gericom, die am Montag erstmals am Frankfurter Neuen Markt gelistet wurden, starteten beide auf dem Niveau ihres Ausgabepreises in den Handel. Andere Unternehmen, denen ihre Notierungsaufnahme erst noch bevorsteht, führten ihre Titel am unteren Rand der Preisfindungsspanne oder sogar unterhalb dieser an der Börse ein. Während beispielsweise die Anteilsscheine von Group Technologies, EMS New Media oder MME am unteren Ende der Bookbuildingspanne ausgegeben wurden, legten andere ihren Ausgabepreis sogar deutlich unterhalb dieser fest.

>> Mehr zum Börsenstart von Group Technologies, EMS und Neue Sentimantal

Jüngstes Beispiel ist die Neue Sentimantal Film AG, deren Aktien zu zwölf Euro ausgegeben werden. Die Preisspanne reichte hingegen von 14,50 bis 18,00 Euro.

Eine ganze Reihe andere Unternehmen haben ihren Börsengang sogar vorläufig ganz verschoben. Als Begründung führten die Konsortialbanken meist das gegenwärtig schlechte Marktumfeld für Neuemissionen an. Gerade in den zurückliegenden Tagen schienen sich die Rückzüge zu ballen. So verschob die britischen Xyratex plc am Montag den Gang an den Frankfurter Neuen Markt. Am Sonntag gab die Atlantik Networxx ihre Verschiebung bekannt. Am Freitag sagte die Infopark AG und am Mittwoch der Vorwoche die Ares Energie AG ihre Emission vorläufig ab.

Trend wird sich bis zum Jahresende fortsetzen

Nach Meinung Emptings wird sich die Welle der Verschiebungen bis Ende des Jahres fortsetzen. "Ich bin kein Freund davon, einen IPO um jeden Preis durchzuziehen", sagte der Händler. Sinnvoller sei sicherlich, den Gang an die Börse erst dann zu wagen, wenn das Marktumfeld stimme. Auch Albert erwartet noch "die eine oder andere Verschiebung". Allerdings dürften sich die Absagen im Rahmen halten. Denn wer sich für einen Börsengang im eher emissionsschwachen Monat Dezember entscheide, habe sich das im Vorfeld bereits genau überlegt, sagte Albert.

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