Neuer Ansatz von Südprojekt
Schon vier Firmen bieten Fonds-Ratings an

Am Mittwoch will die renommierte US-Fondsresearchgesellschaft Morningstar ihre deutsche Internetseite lancieren - unter anderem mit den Ratings der hier zu Lande angebotenen Aktien- und Rentenfonds. Für Juli plant die Münchener Südprojekt Gesellschaft für Finanzanalysen mbH die Vorstellung ihrer Bewertungen, ebenfalls im Internet .

HB FRANKFURT. Dann werden vier Gesellschaften insgesamt fünf Rating-Konzepte auf dem deutschen Markt offerieren: Seit etwa zwei Jahren ist die Vermögensverwaltungs- und Fondsanalysefirma Feri Trust präsent, seit längerem berechnet Standard & Poor?s Fund Services (S & P) seine Einstufungen. S & P verfolgt noch einen zweiten Ansatz, der sich bei der Produktbewertung stark auf subjektive Einschätzungen der Fondsmanagerqualitäten konzentriert.

Die neuen Anbieter verlassen sich wie Feri und S & P in ihrem ersten Ansatz auf Auswertungen der historischen Anteilpreisentwicklungen unter Performance- und Risikoaspekten. Darauf bauen sie ihre Ratings, eine Art Schulnotensystem für Fonds, auf.

Südprojekt will einen differenzierten Ansatz betreiben

Insbesondere Südprojekt vertraut allerdings auf einen differenzierteren Ansatz. "Wir bieten ein von Börsenphasen abhängiges und damit stabileres Rating, außerdem differenzieren wir die Bewertungsansätze nach Anlegerprofilen", bündelt Thomas Vorwerk die wesentlichen Vorteile seines Konzepts "Fundcontrol". Der Südprojekt-Chef ergänzt: "Damit stoßen wir die nächste individualisierte Rating-Generation an; das Wertpapierhandelsgesetz schreibt ohnehin eine Berücksichtigung der Risikoeinstellung des Anlegers in der Beratung vor."

Die vor 19 Jahren in München gegründete und mit 12 Mitarbeitern agierende Fondsresearchfirma Südprojekt erarbeitete lange Jahre entsprechende Analysen für die Stiftung Warentest. Die ersten Ratings will Vorwerk im Juli präsentieren. Bis zum Jahresende strebt er die Publikation von rund 1 000 Fonds-Bewertungen für den Aktienbereich an. Grundsätzlich würden nur Produkte mit mindestens dreijähriger Existenz benotet. Bei Rentenfonds hält er Bewertungen für weniger sinnvoll.

Vorwerk bietet unterschiedliche Konzepte für institutionelle ("Institutional Rating") und private Anleger ("Private Rating"). Grundlage ist in beiden Fällen der Benchmark-Vergleich auf Basis von MSCI-Indizes, kein Vergleich mit Konkurrenzfonds.

Mehr zum Thema: Umstellung der MSCI-Indizes

Vorwerk verlässt sich auf eine Bewertungs-Kennziffer, die das "Mehr an Wertentwicklung " im Verhältnis zum Index dem "Mehr an Risiko" gegenüberstellt ("Information Ratio"). Wenn ein Fonds demnach höhere Risiken eingeht, dafür aber auch viel mehr Gewinn erzielt, bekommt er eine gute Note.

Vorwerk wird für institutionelle Anleger pro Fonds verschiedene Ratings sowie gebündelte Bewertungen ("Master-Rating") vergeben. "Fast jeder Fonds hat spezifische Stärken und Schwächen, abhängig davon, ob der zugrunde liegende Anlagemarkt steigt, fällt oder sich seitwärts bewegt", erklärt der Südprojekt-Chef. Außerdem sei eine Differenzierung nach Ein-, Drei- und Fünfjahresperioden sinnvoll: "Drei Jahre sind entscheidend; wenn es Konstanz von relativer Performance gibt, dann am ehesten über die mittlere Frist."

So gelangt Vorwerk zu einer 3x3-Felder-Matrix mit insgesamt neun Ratings über ein Jahr, drei und fünf Jahre, jeweils für Aufwärts-, Seitwärts- und Abwärtsphasen. Aus den Bewertungen über die Ein- und Dreijahresfrist leitet Vorwerk drei Gesamt-Ratings ab, wieder differenziert nach den drei Marktphasen. "Wenn der Profi beispielsweise optimistisch für einen Markt gestimmt ist, wird er sich ein Produkt mit guter Bewertung in den entsprechenden Matrixfeldern suchen", erklärt der Stratege.

Bei der Terminologie denkt er an eine Buchstabensystematik, angelehnt an die aus dem Anleihebereich bekannten Bonitätsbewertungen. Die achtstufige Notenskala werde von der Bestbewertung "AAA+" bis zum ausgesprochen schlechten "B" reichen. Diese Bewertungen will Vorwerk den institutionellen Anlegern als Teil umfänglicher Produkte verkaufen.

Kostenloses Rating für Privatanleger

Das auf Private ausgerichtete und auf die Neun-Felder-Systematik verzichtende Rating wird dagegen kostenlos verbreitet. Vorwerk differenziert nach den Kundentypen "offensiver Profi" und "defensiver Normalanleger". Der Offensive müsse nicht vor dem Risiko starker Wertschwankungen geschützt werden, der Normalanleger dagegen schon. Daher werden risikoreiche Produkte beim Rating für die zweite Anlegergruppe grundsätzlich herabgestuft.

Bei der Produktbewertung unterstellt Vorwerk als Idealfall: Der Offensive legt in der Aufwärtsphase Wert auf attraktive Überperformance, will in der Abwärtsphase höchstens eine leichte Unterperformance akzeptieren; der Defensive legt mehr Wert auf relativ gute Entwicklung in Abwärtsmärkten, sucht in der Hausse eine gute, aber nicht unbedingt eine Spitzen-Wertentwicklung. Für diese Bewertungen wird Vorwerk die gleiche achtstufige Notenskala nutzen wie bei den institutionellen Ratings.

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