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Neuer Anschlag gefährdet Zinnis Nahost-Vermittlung

Ein palästinensischer Selbstmordattentäter hat am Donnerstag in Jerusalem sich selbst getötet und zwei Israelis mit in den Tod gerissen. Über 40 wurden verletzt. Damit sind die Bemühungen des US-Vermittlers Anthony Zinni um eine Waffenruhe erneut in Gefahr.

Reuters JERUSALEM. Nach dem Anschlag in einer Einkaufsstraße verlautete aus politischen Kreisen in Israel, ein geplantes Sicherheitstreffen sei abgesagt worden. Dies wurde in palästinensischen Kreisen bestätigt. Zu dem Anschlag bekannten sich die El-Aksa-Brigaden der Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat. Arafat verurteilte den Anschlag und forderte die Umsetzung der bereits im Sommer vergangenen Jahres vereinbarten Waffenruhe. Er sagte zudem - wie von den USA verlangt - sofortige Maßnahmen zu, um Anschläge auf israelische Zivilisten zu unterbinden.

Nach Angaben des israelischen Rettungsdienstes wurden bei dem Anschlag mehr als 43 Menschen verletzt, sechs davon schwer. Ein Motorradfahrer berichtete im israelischen Rundfunk, die Bombe sei hinter ihm explodiert, als er von der Jaffa-Straße zur König-Georg-Straße gefahren sei. "Ich sah einen Schädel auf der Straße - vom Attentäter oder vielleicht von jemand anderem".

Der Anschlag ereignete sich rund einen Kilometer von dem Hotel Zinnis entfernt. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon wollte am Abend mit Zinni zusammentreffen und danach polischen Kreisen zufolge mit seinem Kabinett über die Lage beraten. Zinni bemüht sich um eine Waffenruhe zwischen den Palästinensern und Israel. Radikale Palästinensergruppen hatten zu Beginn der Vermittlungsbemühungen angekündigt, weitere Anschläge zu verüben.

Ein Sprecher Arafats sagte, dieser verurteile den Anschlag und fordere eine möglichst rasche Umsetzung der Pläne des US-Geheimdienstchefs George Tenet und des ehemaligen US-Senators George Mitchell. Der Tenet-Plan sieht eine Feuerpause und einen Rückzug der israelischen Armee auf die Positionen vor Beginn des Palästinenser-Aufstandes im September 2000 vor. Im Gegenzug sollen die Palästinenser Extremisten festnehmen und illegal gehaltene Waffen beschlagnahmen. Der Mitchell-Plan sieht nach vertrauensbildenden Maßnahmen später eine Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen vor.

US-Präsident George W. Bush bekräftigte nach dem neuerlichen Anschlag, dass Arafat mehr tun müsse, um Selbstmordanschläge in Israel zu verhindern. Das Außenministerium in Washington teilte mit, Minister Colin Powell habe die El-Aksa-Brigaden auf die Liste der "ausländischen Terror-Organisationen" gesetzt. Damit darf diese wie 28 andere Organisationen von Amerikanern nicht mehr unterstützt werden, Banken müssen Guthaben der Organisationen sperren. Auf der Liste stehen auch die Moslem-Organisationen Hamas, Islamischer Dschihad (Heiliger Krieg) und die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP).

In der Nacht zum Donnerstag hatten sich israelische und palästinensische Sicherheitsexperten nicht auf eine Waffenruhe verständigen können. Nach palästinensischen Angaben hatte Zinni vorgeschlagen, so lange zu verhandeln, bis eine Übereinkunft getroffen wird. Diese könne bis zum Wochenende beschlossen werden, hieß es. Nach dem Anschlag in Jerusalem erklärte die israelische Regierung, radikale Palästinenser versuchten die Vermittlungsbemühungen Zinnis zu torpedieren. Ein Regierungssprecher sagte, Israel habe in den vergangenen Tagen das Äußerste unternommen, um die Pläne für eine Waffenruhe umzusetzen. "Aber offensichtlich sind einige palästinensische Elemente entschlossen, keinen Erfolg in dem Bereich zuzulassen."

Bereits vor dem Anschlag hatte Bush erklärt, er sei enttäuscht über das Vorgehen Arafats gegen extremistische Gewalttäter. "Er, Herr Arafat, muss alles in seiner Macht stehende tun, um die Gewalt zu stoppen." US-Vizepräsident Dick Cheney sei bereit, unverzüglich zurückzukehren und erstmals Arafat zu treffen, wenn dieser zustimmt, den Tenet-Plan umzusetzen. Cheney war am Montag in Israel und hatte sich mit Scharon, nicht aber mit ranghohen Palästinensern getroffen.

Nach dem Scheitern der Friedensverhandlungen hatten die Palästinenser im September 2000 einen Aufstand gegen Israel begonnen. In den Unruhen sind mehr als 1400 Menschen getötet worden.

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