Neuer Audi-Chef
Martin Winterkorn: Der Qualitäts-Versessene

Der enge Vertraute des scheidenden VW-Chefs Ferdinand Piëch steigt zum zweitwichtigsten Mann im Konzern auf. Der gewissenhafte Schwabe gilt als begnadeter Techniker mit ausgeprägtem Kostenbewusstsein.

HB MÜNCHEN. Der selten um ein Lächeln verlegene Manager zählt zweifellos zu "Piëchs Kriegern". Martin Winterkorns Karriere als Automobilmanager ist eng mit dem Aufstieg des scheidenden VW-Chefs Ferdinand Piëch verbunden. Kein Wunder, dass die Beförderung des ausgewiesenen Spezialisten für Qualitätssicherung zum Chef der neu zusammengefassten sportlichen VW-Marken Audi, Seat und Lamborghini eher als letzte Entscheidung von Piëch als schon erste seines Nachfolgers Bernd Pischetsrieder gilt. Der 54-jährige neue Audi-Chef behält seinen Posten im Konzernvorstand und wird damit hinter Pischetsrieder der zweitwichtigste Mann im VW-Konzern.

Wie Piëch gilt Winterkorn als begnadeter Techniker. Piëch bewundert zudem das ausgeprägte Kostenbewusstsein des gewissenhaften Schwaben. Piëch soll einmal über Winterkorn gesagt haben, dass sie praktisch immer die gleichen Ideen hätten, aber Winterkorn von Verhandlungen dann mit noch besseren Konditionen zurückkomme.

Winterkorns direkte Art, verbunden mit dem diplomatischen Geschick, sich klar unterzuordnen, ließ ihn zu einem der engsten Vertrauten des unnahbaren Konzernlenkers werden. Winterkorn begann vor 20 Jahren bei Audi als Vorstandsassistent. Dort lernte er Piëch kennen. Unter Piëch als Audi-Chef stieg Winterkorn später zum Leiter der Qualitätssicherung auf.

Piëch und Winterkorn gelten als Brüder im Geiste und in den Waffen. Sie waren sich bei Audi einig, dass nur mit höherer Qualität und deren konsequenter Durchsetzung die Lücke zu BMW und Mercedes geschlossen werden konnte. Gemeinsam bekämpften sie klappernde Autotüren, verbannten minderwertige Komponenten aus den Fahrzeugen und sagten mit dem permanenten Allradantrieb dem damals spießigen Audi-Image den Kampf an. Unter der Leitung des promovierten Metallkundlers führte Audi die voll verzinkte Karosserie ein. Mit der damit verbundenen Zehn-Jahresgarantie gegen Durchrostung gelang Audi ein gewaltiger Imagegewinn. Audi begann den Aufstieg zum Premiumhersteller - Piëchs großes Ziel.

Winterkorn zählte neben Finanzmann Bruno Adelt und Chefdesigner Heinz Warkuss zu den Garanten, dass die Ziele des fanatischen Ingenieurs Piëch auch erreicht wurden. "Es war stets mein Ziel, seine genialen Ideen abzusichern", hat Winterkorn einmal gesagt. Als Piëch 1993 VW-Chef wurde, nahm er sein Audi-Team mit nach Wolfsburg, obwohl Winterkorn seinen Wohnsitz in Ingolstadt behielt. In Sachen Qualität gab es für Winterkorn bei VW jede Menge zu tun.

Vor eineinhalb Jahren rückte er als Entwicklungschef sogar in den Konzernvorstand. Danach wurde Winterkorn auch als Piëch-Nachfolger gehandelt. Doch gegen Quereinsteiger und Ex-BMW-Chef Pischetsrieder hatte er schließlich keine Chance.

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