Neuer Bilanzierungs-Skandal droht
Merck blähte Medeco-Umsatz kräftig auf

Der US-Pharmakonzern Merck & Co hat nach einem Bericht an die US-Börsenaufsicht seine Umsätze bei der Tochter Medco seit 1999 um rund 14 Milliarden Dollar bilanziell aufgeblasen.

Reuters NEW YORK. Anders als vor zwei Wochen beim World-Com-Bilanzskandal kam es nach Angaben von Händlern nicht zu Panikverkäufen. Vieles sei in den vergangenen Wochen bereits bekannt gewesen und in die Kurse eingepreist worden, hieß es bei Analysten. "Ich würde es nicht einmal als aggressive Buchführung bezeichnen", sagte Fondmanager Oliver Marti von CCI Health Care Partners. Auf den Gewinn wirke sich Buchungsweise zudem nicht aus.

Der Aktienkurs von Merck fiel zeitweise um gut 4,5 Prozent, erholte sich dann aber auf 47,40 Dollar oder ein Minus von etwa drei Prozent. Der Dow-Jones-Index, in dessen Berechnung der Aktienkurs von Merck einfließt, verlor rund ein Prozent auf 9282 Punkte.

Umsatz-Überbuchungen im SEC-Bericht aufgeführt

In dem Bericht an die US-Börsenaufsicht SEC vom Freitag war erstmals das Volumen der von Merck schon eingestandenen Umsatz-Überbuchungen aufgeführt. Danach hat Merck seit 1999 Umsätze seiner Tochter Medco in Höhe von insgesamt rund 14 Milliarden Dollar verbucht, ohne dass Medco die Gelder tatsächlich einnahm. Auf der anderen Seite habe Merck aber auch Kosten ausgewiesen, bei denen niemals Geld geflossen war. Das "Wall Street Journal Europe" hatte erstmals auf dieses Volumen hingewiesen. Demnach machten diese Umsäte 1999 rund 2,8 Milliarden Dollar aus, im Jahr 2000 4,04 Milliarden Dollar und im Jahr 2001 5,5 Milliarden Dollar im sowie im ersten Quartal 2002 rund 1,64 Milliarden Dollar. Medco bietet Dienstleistungen rund um die Medikamentenversorgung und-abrechnung an.

Merck hatte bei den Umsätzen von Medco auch die von den Apotheken eingenommenen Zuzahlungen der Patienten als Umsatz verbucht, obwohl Merck diese Mittel nicht zugekommen waren. In den Jahren 1999 bis 2001 hätten diese Zuzahlungen knapp zehn Prozent von Mercks Gesamtumsatz ausgemacht, hieß es.

Gegen Merck wurde bereits vor kurzem wegen der angeblichen Überbuchung von Umsätzen in Milliardenhöhe vor Gericht geklagt. Zu dem Verfahren hatte ein Sprecher seinerzeit keine Stellungnahme abgeben wollen. Im vergangenen Monat hatte der Konzern aber mitgeteilt, die Tochter Medco habe diese Bilanzierungspraxis bereits vor der Übernahme durch Merck im Jahr 1993 angewendet. Die Buchungspraxis sei durch Wirtschaftsprüfer bislang nicht beanstandet worden. Merck hatte die SEC bereits im April im Zuge der Vorbereitung des geplanten Börsengangs von Medco über diese Bilanzierungsweise unterrichtet.

Teilbörsengang der Medco-Sparte geplant

Die Nachricht über möglicherweise aufgeblasene Umsätze fällt bei Merck mitten in die Vorbereitungen zum schon seit längerem geplanten Teilbörsengang der Medco-Sparte. Merck plant rund 20 Prozent der Tochter an die Börse zu bringen, das Volumen des Teilbörsengangs wird auf etwa eine Milliarde Dollar geschätzt. Merck hatte das Vorhaben im Zuge des schwachen Börsenumfeldes schon zwei Mal verschoben. In der vergangenen Woche hatte Merck die Preisspanne für die 46,7 Millionen zum Verkauf stehenden Aktien auf 20 bis 22 Dollar von zuvor 22 bis 24 Dollar gesenkt. Merck hatte keinen Zeitpunkt für den Verkaufsstart genannt. Am Freitag hatten unternehmensnahe Kreise mit dem Start des Aktienverkauf noch für diese Woche gerechnet.

Unterdessen senkte Merrill Lynch-Analyst Steven Tighe sein langfristiges Investmentrating für die Aktie auf "neutral" von zuvor "buy" nach unten. Grund sei der Anteil, den das Unternehmen für Zuzahlungen der Patienten für sich verbucht habe, obwohl sie Medco gar nicht eingenommen habe. "Dies könnte die Wahrscheinlichkeit mindern, dass der Börsengang von Medco zu diesem Zeitpunkt über die Bühne geht", sagte Tighe. Medco setzte im vergangenen Jahr rund 29,07 Milliarden Dollar um und erzielte einen Nettogewinn von 256,6 Millionen Dollar. Medco ist über seine Abnahmeverträge für etwa die Hälfte des Merck-Umsatzes verantwortlich.

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