Neuer Bilanzstandard bringt Lücke von 70 Mrd. Pfund
Pensions-Defizit der Briten dramatisch

Die britischen Pensions-Gesellschaften stehen offenbar vor einer noch größeren Lücke als bisher erwartet. Wie die englischen Berater Watson Wyatt in einer Studie schätzen, liegt das Defizit der Arbeitgeber-Pensionspläne wegen der schlechten Aktien-Entwicklung bei 70 Mrd. Pfund (gut 111 Mrd. Euro).

fs LONDON. Eine ab 2003 gültige neue Bilanzierungsregel (FRS 17) verpflichtet die Pensionsfonds, ihre Vermögensbestände einmal im Jahr nach dem aktuellen Marktwert auszuweisen. Liegen diese Werte unter denen des vergangenen Jahres, weisen die Fonds Verluste aus, die sie in die Bilanzen der Mutter-Gesellschaften übertragen müssen. "Das Defizit der FTSE-100-Unternehmen allein beträgt derzeit 35 Mrd. Pfund", sagt John Ball, einer der Partner der Gesellschaft. Nehme man alle britischen Firmen zusammen, erreiche man schnell doppelt so viel, also 70 Mrd. Pfund.

Da die Pensions-Gesellschaften nach wie vor meist in Aktien investieren (Watson Wyatt spricht von einer durchschnittlichen Aktienquote von 64 Prozent), liegen die Bewertungen deutlich unter dem Vorjahresniveau. Allein in diesem Jahr hat der Markt noch einmal um mehr als 20 Prozent nachgelassen. Wie Watson Wyatt schätzt, könnten derzeit 90 Prozent der Firmen ihre Pensions-Verpflichtungen nicht erfüllen.

Für die Zukunft prognostizieren die Berater aber eine Besserung. Angesichts einer Dividendenrendite von 3,5 Prozent und realem Kapitalwachstum von 2,5 Prozent erwarte man in Zukunft eine Rendite auf Aktien von sechs Prozent, wesentlich höher als die von FRS 17 veranschlagten Wachstumsraten. Deshalb könne es sein, dass die Fonds in Zukunft ihre Defizite wieder "auf natürlichem Wege" abbauen können, ohne neue Bestände aufbauen zu müssen.

Quelle: Handelsblatt

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