Neuer CEO Richard Parsons sieht Licht am Ende des Tunnels
AOL: Höchster Quartalsverlust der US-Geschichte

Der weltgrößte Medien- und Internet-Konzern AOL Time Warner hat mit einem Minus von 54,2 Milliarden Dollar (rund 60,7 Milliarden Euro) den nach Expertenschätzung bisher stärksten Quartalsverlust der US-Geschichte verzeichnet. Wie zuvor angekündigt verbuchte der Konzern in seiner Bilanz für das erste Quartal eine Rekord-Sonderabschreibung auf Grund der Anwendung eines neuen amerikanischen Bilanzstandards.

Reuters NEW YORK. Der Umsatz sei im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent gestiegen und der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) habe um drei Prozent zugelegt, teilte AOL Time Warner am Mittwoch nach US-Börsenschluss weiter mit. Das durch den jüngsten Erfolg mit "Herr der Ringe" angekurbelte Filmgeschäft habe die Schwäche in der Internet- und Musiksparte mehr als ausgeglichen, hieß es. Im nachbörslichen Handel legte die Aktie des Konzerns zu.

Die Barerlöse, die keine Firmenwertabschreibungen und Sonderkosten berücksichtigen, stiegen nach Angaben von AOL Time Warner auf 18 Cent je Aktie von 16 Cent im Vorjahr. Analysten hatten mit 14 Cent je Aktie gerechnet. Das Ebitda der AOL-Internetsparte fiel den Angaben zufolge allerdings um fast 15 Prozent auf 433 Millionen Dollar von 507 Millionen im Vorjahr.

Rekordverlust nach Sonderabschreibung auf Firmenwert

Der Nettoverlust betrug im ersten Quartal 54,2 Milliarden Dollar nach 1,37 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Je Aktie bedeutete dies einen Nettoverlust von 12,25 (Vorjahr 0,31) Dollar. Den Umsatz bezifferte der Konzern auf 9,8 Milliarden Dollar, das Ebitda auf 2,05 Milliarden Dollar.

"Das ist sicherlich der größte Verlust der jüngsten US-Geschichte", sagte Marc Gerstein von Multex Research. Mit den bisher höchsten Sonderbelastungen des Unternehmens von 54 Milliarden Dollar hatte AOL Änderungen bei der Bilanzierung berücksichtigt. Die Abschreibung spiegele den gesunkenen Wert des Unternehmens nach dem Kauf von Time Warner vor zwei Jahren wider, hatte der Konzern bereits im März mitgeteilt. Die Fusion war im Jahr 2000 zunächst mit 181 Milliarden Dollar bewertet worden. Zum Zeitpunkt des Abschlusses im Januar 2001 war der Wert des gemeinsamen Unternehmens auf 106 Milliarden Dollar geschrumpft. Sorgen um die Entwicklung des Umsatzes und die zukünftigen Werbeeinnahmen hatten den Aktienkurs des Konzerns nahezu halbiert.

Konzern reduziert Cash-Flow-Prognose

Nach Ansicht des künftigen CEO Richard Parsons, der im kommenden Monat das Amt von Gerald Levin übernimmt, gebe es Anzeichen für eine Erholung des Konzerngeschäfts. "Wir sehen ein Licht am Ende des Tunnels", sagte Parsons. Das Unternehmen bekräftigte die Prognose, dass der Umsatz im Gesamtjahr um fünf bis acht Prozent wachsen werde. Angesichts der Schwäche in der Internetsparte und geringerer Werbeumsätze reduzierte AOL Time Warner allerdings seine Prognose für den Cash Flow. Das Wachstum werde hier im Jahr 2002 nur zwischen fünf und neun Prozent betragen, nach früheren Schätzungen von acht bis zwölf Prozent.

Nach Auskunft von Parsons werde der Umsatz aus Werbung und Handel im Internet im Jahr 2002 auf 1,8 bis 2,2 Milliarden Dollar von im Vorjahr 2,7 Milliarden Dollar sinken. Das Ebitda der Online-Sparte werde wahrscheinlich auf 1,8 bis 2,2 Milliarden von 2,3 Milliarden im Vorjahr fallen.

Die AOL-Aktien stiegen im nachbörslichen Handel auf der elektronischen Handelsplattform Instinet auf 20 Dollar, nachdem sie den regulären Handel mit 19,30 Dollar beendet hatten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%