Neuer Chef der Allfinanzaufsicht
Jochen Sanio: Der Überzeugungstäter

Wohl niemand konnte sich wirklich eine Alternative zu Sanio vorstellen, denn der 55-jährige Jurist genießt in Finanz- und Politikkreisen höchstes Ansehen. Seit dem Sommer 2000 steht er an der Spitze des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen und hat sich bei zahlreichen Themen den Ruf als ausgezeichneter Fachmann und geschickter Verhandler erworben.

So etwa bei der Schaffung der Allfinanzaufsicht - für die Sanio, wie er selbst sagt, als "Überzeugungstäter" gekämpft hat, oder bei den Verhandlungen über den neuen regulatorischen Rahmen für Banken weltweit unter dem Titel "Basel II".

Sanio ist kein Mann, der große Auftritte liebt. Unprätentiös und gelassen scheint er oft. Doch in Verhandlungen ist er knallhart, bleibt immer hartnäckig am Kern der Sache und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, wie Mitstreiter berichten.

Sanio und der designierte Vizepräsident der Allfinanzaufsicht, Karl-Burkhard Caspari, ziehen seit vielen Jahren an einem Strang, wenn es um die Modernisierung des Finanzstandortes Deutschland und um die Durchsetzung deutscher Belange auf europäischer und internationaler Bühne geht. Der eine in der Bankenaufsicht, der andere im Bundesfinanzministerium. Mit Caspari spannt Bundeskassenwart Hans Eichel sein bestes Pferd vor das neue Allfinanzgespann. Caspari - Eichels Unterabteilungsleiter für Banken, Börsen, Versicherungen und Investmentfonds im Range eines Ministerialdirigenten - soll die schwierige Integrationsaufgabe lösen.

"Was ich seit vielen Jahren im Ministerium mache", nämlich bei immer stärker integrierten Finanzmärkten für funktionierenden Wettbewerb, für Finanzstabilität und Verbraucherschutz zu sorgen, "wird auch die hauptsächliche Aufgabe in der Allfinanzaufsicht sein", sagt Caspari. Und er gibt noch ein weiteres persönliches Signal: Wenn er mehr nach innen wirke und Sanio die Behörde stärker nach außen vertrete, passe das zu seinem bisherigen Modus Operandi.

Als Vize der Allfinanzaufsicht bringt Caspari somit die besten Voraussetzungen mit, eine Fülle von Querschnittszuständigkeiten für die bisherige Banken-Wertpapier- und Versicherungsaufsicht in der täglichen Aufsichtsarbeit zu verklammern. "Ich kenne niemanden in Eichels Mannschaft, der für diese Herausforderung besser geeignet wäre als Caspari", lobt ein Bankenverbandsveteran. Und fügt hinzu: "Caspari ist finanzmarktpolitisches Urgestein in dieser Republik."

Man habe es mit ihm oft nicht leicht, doch beeindrucke sein hoher Sachverstand und die Tatsache, dass er sich auch bei den größten Kontroversen konstruktiv um Lösungen bemühe.

Caspari, 51, ist wie Sanio Jurist. Seit 1980 macht er Karriere im Finanzministerium. Viele Innovationen sind mit seinem Namen verbunden, etwa die Errichtung der Deutschen Terminbörse, die Gründung des Bundesaufsichtsamtes für den Wertpapierhandel, die Änderung der Prospekthaftung und die Ad-hoc-Publizität.

Vita

Jochen Sanio, am 29. Januar 1947 in Hameln geboren, studiert Rechtswissenschaften in Berlin und Genf. Nach dem Studium steigt er 1974 in das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen ein und macht dort konsequent Karriere. 1995 wird er zum Vizepräsidenten berufen, fünf Jahre später löst er Wolfgang Artopoeus als Präsident der Behörde ab. Sanio ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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