Neuer Chef der Bundesanstalt für Arbeit
Florian Gerster: Vater des Mainzer Modells

Der neue Mann an der Spitze der Bundesanstalt für Arbeit, der rheinland-pfälzischen Sozialminister Florian Gerster (SPD), hat sich mit seinem Mainzer Modell bereits bundesweit in der Arbeitsmarktpolitik profiliert.

dpa MAINZ. Das Modell, das Anreize zur Annahme schlecht bezahlter Jobs geben soll, wird nach einer Probephase in Rheinland-Pfalz auf ganz Deutschland ausgedehnt. Der 52-Jährige ist überzeugt, damit im ersten Jahr rund 100 000 Arbeitslose von der Straße holen zu können. Diese positive Einschätzung ist durchaus umstritten - selbst Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) zweifelt an einem solchen Erfolg. Gerster argumentiert, es fehle nicht an Einfachjobs, sondern an Anreizen, diese anzunehmen.

Der profilierte Sozialpolitiker mahnte in den vergangenen Jahren mehrfach eine Reform des Sozialstaats an und kritisierte dabei auch häufig die eigene Partei. In seinem 1997 erschienenen Buch "Gesellschaft mit beschränkter Haftung: Gewinner und Verlierer im Sozialstaat" forderte er einen neuen Grundkonsens, um den Sozialstaat umzubauen. Dabei müsse die Eigenverantwortung des Einzelnen einen höheren Stellenwert als bisher haben. Im vergangenen Jahr schlug er eine Reform des Gesundheitswesens mit Leistungskürzungen für die Versicherten vor. Außerdem solle die ärztliche Selbstverwaltung entmachtet werden. Nur so könnten die Beiträge bezahlbar bleiben. Mit solchen Vorschlägen stieß der Vorsitzende des SPD-Bezirks Rheinhessen und Vize-Landesvorsitzende in seiner Partei nicht nur auf Beifall.

Der aus Worms stammende Arztsohn ist älterer Bruder der ZDF - Journalistin Petra Gerster und Vater zweier Töchter. Sein Studium der Psychologie und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim schloss er 1975 als Diplom-Psychologe ab. Er war zehn Jahre lang, von 1981 bis 1991, als freiberuflicher Personalberater tätig.

Ruhe und Gelassenheit

Seit 1966 ist Gerster Mitglied der SPD, seine politische Karriere begann er 1974 als Stadtrat in seiner Heimatstadt, 1987 zog er in den Bundestag ein, 1991 wurde er erstmals in Mainz Minister, damals zuständig für Bundes- und Europaangelegenheiten. Seit 1994 ist er Minister für Arbeit, Soziales und Gesundheit. Auch in hitzigen politischen Debatten strahlt er oft Ruhe und Gelassenheit aus. Sein Erfolg im neuen Job wird stark davon abhängen, wie schnell er die komplexe Nürnberger Behörde in den Griff bekommt. Die oppositionelle CDU in Mainz bezeichnete ihn schon als "letztes Aufgebot" des Bundeskanzlers.

Aufsehen erregte Gerster auch mit einem in Rheinhessen geplanten Modellversuch, nach dem Ärzte den Patienten die Behandlung mit einer Abrechnung quittieren sollen. Dadurch könne überprüft werden, ob die Behandlung korrekt abgerechnet wird. Doch der Versuch musste auf April verschoben werden, da sich nicht genügend Ärzte als Teilnehmer fanden.

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