Neuer Chef der Kölner Ford-Werke AG
Bernhard Mattes: Der Mann mit Geduld

Am Ziel angekommen: Schon länger wird Bernhard Mattes als neuer Vorstandschef der Kölner Ford-Werke gehandelt, jetzt hat der Aufsichtsrat ihn auf den höchsten deutschen Ford-Posten gehoben.

HB DÜSSELDORF. Bernhard Mattes ist ein Mann mit Geduld. Ford war vor drei Jahren in Deutschland auf einem absoluten Tiefpunkt angekommen: der Marktanteil im Keller, kaum neue Modelle im Programm, die Händler demotiviert. Just zu diesem Zeitpunkt wechselte Mattes aus dem feinen München in das eher bodenständige Köln. Am Rhein bei Ford lockte ein Vorstandsposten für Verkauf und Marketing, bei BMW hatte es der heute 46-Jährige nur zum Vertriebsleiter für Deutschland geschafft.

Trotz der großen Krise hat Mattes stets an die Chance für einen Neubeginn bei Ford Deutschland geglaubt - sonst hätte er den Wechsel an den Rhein gar nicht erst gewagt. Allerdings geht eine solche Wende nicht von heute auf morgen vonstatten, in der schwerfälligen Autobranche dauert das Jahre. Doch der gebürtige Wolfsburger bringt die nötige Gelassenheit mit. "Wir haben die Marktentwicklung umgedreht", kann er heute rückblickend mit Genugtuung sagen.

Wieder schwarze Zahlen


Ford Deutschland steht tatsächlich deutlich besser da und wird in diesem Jahr erstmals wieder schwarze Zahlen schreiben. Der Marktanteil zieht an, neue Autos bringen neue Kunden in die Schauräume der Händler. Mattes hat kräftig am Markenimage gearbeitet: Ford haftet inzwischen nicht mehr der Ruf an, Autos mit wenig Qualität und großer Unzuverlässigkeit zu produzieren. Zudem hat der gelernte Wirtschaftswissenschaftler für eine Neuordnung auf Händlerseite gesorgt: Unrentable Betriebe sind verschwunden, größere Händler-Gruppen sollen der starken Konkurrenz auf dem Automarkt trotzen.

Und jetzt bekommt Bernhard Mattes noch eine Belohnung dafür, dass er seine Arbeit ordentlich gemacht und den Bereich Marketing und Vertrieb auf Vordermann gebracht hat - der Aufsichtsrat der Ford-Werke hat ihn am Donnerstag zum Vorstandschef des deutschen Ford-Ablegers berufen.

Loyalität zum Vorgänger


Ganz überraschend kommt der Ruf an die Spitze nicht. Mattes? direkter und zupackender Stil hat die Ford-Oberen in der US-Konzernzentrale schon länger überzeugt. Bereits vor einem Jahr war Mattes als möglicher neuer Ford-Chef gehandelt worden, als erstmals Gerüchte über eine vorzeitige Demission seines Vorgängers Rolf Zimmermann kursierten. Doch damals musste Mattes noch aus Loyalität zu Zimmermann eigene Interessen hintenanstellen: Nein, er wolle zunächst seine Aufgabe als Vertriebschef bei Ford Deutschland erfüllen.

Mit der Ankündigung seines vorzeitigen Rücktritts zu Beginn dieser Woche hat Rolf Zimmermann dann doch noch für die Überraschung in Köln gesorgt - und jetzt muss Bernhard Mattes definitiv antreten. "An seiner Berufung hat es überhaupt keinen Zweifel gegeben", sagt ein Kollege aus Mattes? Umfeld. Auch in der US-Konzernzentrale in Dearborn bei Detroit ist der neue Vorstandschef glatt durchgewunken worden.

Vorsichtige Wortwahl


Einigkeit herrscht in Köln darüber, dass Mattes mindestens für atmosphärische Veränderungen bei der deutschen Ford-Niederlassung sorgen wird. Sein Vorgänger Zimmermann kam aus der Produktion mit direktem Draht zur Werkbank, Mattes hingegen ist durch und durch von seiner Zeit im Vertrieb geprägt. Während der bisherige erste Kölner Ford-Mann bei seiner Wortwahl manchmal auch deftiger werden konnte, drückt sich der neue Ford-Chef in der Regel vorsichtiger aus. So mancher in Köln meint sogar, dass Mattes häufig zu kontrolliert sei.

Mattes hat die Chance, bei Ford noch weiter auf der Karriereleiter nach oben zu rutschen. Meistert er den Job als Vorstandsvorsitzender in Köln, könnte ihm später ein Spitzenplatz in der Europa-Organisation oder gleich ganz oben im Konzern winken. Durchhaltevermögen hat er jedenfalls: 17 Jahre war er bei BMW. Das sollte ein Hinweis auf eine mögliche lange Zeit bei Ford sein, wo gerade drei Jahre vorüber sind.

Vita: Bernhard Mattes wird 1956 in Wolfsburg geboren. Er studiert an der Universität in Hohenheim, die er als Diplom-Ökonom verlässt. 1982 startet seine Karriere bei BMW in München. Erfahrungen im Automobil-Management sammelt er in dem Unternehmen unter anderem als Leiter verschiedener Vertriebsregionen. Seit drei Jahren ist er nun in Köln, wo er bei Ford zum Vorstand für Verkauf und Marketing aufsteigt. Seit gestern ist der Vater von zwei Kindern neuer Vorstandsvorsitzender.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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