Neuer Chef des World Gold Council will das Edelmetall als Kapitalanlage stärker ins Spiel bringen
Goldbranche drängt auf schonende Platzierung der Notenbankbestände

Gold ist als Kapitalanlage umstritten wie kaum eine andere Investmentklasse. Das Trauma an den Aktienmärkten hat Gold zwar bei privaten Anlegern wieder stärker ins Bewusstsein gerückt - institutionelle Anleger können sich mit Gold jedoch noch nicht so recht anfreunden.

FRANKFURT/M. Der World Gold Council (WGC), die Interessenvertretung der Goldminen, will dies ändern. Dass der Goldpreis in den vergangenen Tagen von 311 wieder auf zeitweise 318 $ je Feinunze in die Höhe geschossen ist, wird auch dem inzwischen leicht zunehmenden Interesse institutioneller Großanleger vor allem in den USA zugeschrieben. "Für Gold interessieren sich immer mehr institutionelle Anleger", sagte Simon Village vom World Gold Council auf einer Pressekonferenz in Frankfurt.

Die im Jahr 1987 gegründete Branchenvereinigung der Goldminenindustrie glaubt, mit der Ernennung von James E. Burton zum Vorstandschef des WGC "einen großen Coup gelandet zu haben". Der ehemalige Chef des California Public Employees Retirement System (Calpers) soll Gold bei institutionellen Anlegern in aller Welt stärker ins Gespräch bringen. "In jedem Depot sollte Gold einen Anteil von rund 5 % ausmachen", sagt Village.

Bei US-Institutionen stößt der WGC mit seinem Ansinnen bereits auf Gehör. "Weitsichtige Großfinanziers wie Warren Buffet und George Soros sind bereits seit geraumer Zeit in Edelmetallen engagiert", sagt der Münchener Vermögensverwalter Jens Ehrhardt. "Wir haben in den vergangenen Wochen ein zunehmendes Interesse internationaler Großanleger an Gold und anderen Edelmetallen festgestellt", bestätigt Wolfgang Wrzesniok-Rossbach von Dresdner Kleinwort Wasserstein. "Wir glauben, dass es in Europa noch eine gewisse Zeit dauern wird, bis sich die Institutionellen stärker an die Kapitalanlage Gold heranwagen werden", prognostiziert Marion Waidlein von der DZ Bank AG.

Die Pläne des WGC zielen darauf, die in den nächsten Jahren zum Verkauf stehenden Goldbestände internationaler Notenbanken marktschonend bei institutionellen Anlegern zu platzieren. Das Interesse deutscher Großanleger an einer solchen Lösung sei derzeit gering, sagt Andreas Fink vom Bundesverband Deutscher Investment. Hierzulande sei Gold bei nur wenigen Anlegern als Depotbeimischung gefragt. Für deutsche Investmentfonds sei ein Investment in physischem Gold auf Grund der restriktiven Anlagevorschriften nicht möglich. "Wir würden eine Veränderung des Regelwerks sehr begrüßen", sagt Jens Ehrhardt in seiner Eigenschaft als Fondsmanager.

"Burton will nicht nur das Interesse an physischem Gold, sondern vor allem auch an Goldaktien wecken", sagt Norbert Faller, Senior Fund Manager von Union Investment. Zahlreiche Goldminen hätten ihre Hausaufgaben in den vergangenen Jahren sehr gut gemacht, schlanke Strukturen erreicht und die Produktionskosten deutlich gesenkt. Daher seien zahlreiche Goldaktien heute durchaus interessante Investments.

Faller glaubt, dass die vierzehn Notenbanken das im Jahr 1999 abgeschlossene Washingtoner Goldabkommen über das Jahr 2004 hinaus verlängern werden. Das Abkommen sieht den kontrollierten Verkauf bestimmter Goldmengen aus den Beständen dieser Notenbanken vor. Bundesbank-Chef Ernst Welteke hatte in den vergangenen Monaten zwar die Diskussion über einen möglichen Verkauf eines Teils der Bundesbank-Goldbestände angestoßen, doch glauben Experten zuletzt eine Kehrtwende in der Haltung der Bundesbank erkannt zu haben. Der Goldschatz der Deutschen Bundesbank wecke bei den Politikern in Berlin zwar gewisse Begehrlichkeiten, sagt Faller. "Wegen der jüngst kritischen Stimmen von Bundesbank-Sprechern zur Politik der Regierung Schröder ist indes zu erwarten, dass sich die Bundesbank mit Händen und Füßen gegen einen Verkauf der Goldbestände wehren dürfte", prophezeit Faller.

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