Neuer Chef plant Eigenkapitalrendite von 12 Prozent
Zurich Financial baut 4 500 Arbeitsplätze ab

Der Schweizer Versicherungskonzern hat mit hohen Verlusten zu kämpfen und plant massive Einsparungen.

rtr ZÜRICH. Der Schweizer Versicherungskonzerns Zurich Financial Services hat das erste Halbjahr mit einem Verlust von 2,029 Mrd. Dollar beendet und baut 4 500 von insgesamt über 76 000 Arbeitsplätze ab. Um die Bilanz wieder zu verbessern soll bis Ende Oktober eine Kapitalerhöhung um bis zu 2,5 Mrd. Dollar durchgezogen werden. Im ersten Halbjahr 2001 hatte Zurich noch einen Gewinn von 861 Mill. Dollar erzielt.

Damit macht nach gut drei Monaten offiziell im Amt der neue Konzernchef James Schiro tabula rasa. Zur Beseitigung von Altlasten nahm die Zurich Sonderrückstellungen von 2,7 Mrd. Dollar vor. Unter anderem wurde Software von fast einer Milliarde Dollar abgeschrieben.

Durch den Stellenabbau, Effizienzsteigerungen und weitere Sparmassnahmen will Zurich im Jahr 2003 das Ergebnis nach Steuern um mindestens eine Milliarde Dollar verbessern. Mehr als die Hälfte der Gewinnverbesserung soll durch Kosteneinsparungen erreicht werden. Die damit verbundenen Restrukturierungskosten von 500 Mill. Dollar fallen im zweiten Halbjahr 2002 an. Mittelfristig, so Zurich weiter, wird eine operative Eigenkapitalrendite von zwölf Prozent angestrebt.

Das Unternehmen will nach den Worten von Konzernchef Schiro Nicht-Kerngeschäfte in den nächsten sechs bis neun Monaten verkaufen und aus den Devestitionen rund eine Milliarde Dollar erlösen. Zurich werde auch Aktien im Wert von etwa 500 Mill. Dollar veräussern und die Aktienquote auf rund zehn Prozent zurückfahren, sagte Schiro am Donnerstag bei einer Telefonkonferenz.

Insgesamt will Zurich das Risikokapital um rund fünf Mrd. Dollar verstärken. Dazu dienen die Mittel aus der Kapitalerhöhung; der Rest soll aus der Freisetzung von risikogewichtetem Kapital in Höhe von 2,5 bis 2,7 Mrd. Dollar kommen. Bei der Kapitalerhöhung ist ein Bezugsrecht für die Aktionäre vorgesehen. Die Zürich gehe davon aus, dass das Bezugsrecht voll gezeichnet werde. Eine ausserordentliche Generalversammlung ist für Mitte September geplant. Zürich beabsichtigt zudem, je nach Marktentwicklung das hybride Kapital zu erhöhen.

Auch die Aktionäre sollen ihren Teil beitragen: Die Dividende für 2002 soll bescheiden ausfallen oder es soll eine Herabsetzung des Nennwertes geben. Danach werde die Dividendenpolitik flexibel gestaltet, hiess es.

Das eigentliche Versicherungsgeschäft lief bei der Zurich nicht schlecht; wegen der schlechten Börsen fehlten allerdings die früher Kapitalgewinne. Aber die Bruttoprämien und Policengebühren erhöhten sich im ersten Semester um 18 % auf 20,727 Mrd. Dollar. Die Combined Ratio - das Verhältnis von Kosten und Schadenaufwand zu Prämien - verbesserte sich um 2,3 %punkte auf 103,3 %.

Das IAS-Eigenkapital lag per Ende Juni noch bei 14,9 Mrd. Dollar. Ende 2001 hatte es noch 17,7 Mrd. und Ende Juni des Vorjahres 19,3 Mrd. betragen.

Die Analystenschätzungen für das Zurich-Halbjahresergebnis hatten von einem Verlust von 161 Mill. Dollar bis zu einem Gewinn von 576 Mill. gereicht. Das Eigenkapital war zwischen 15,5 und 16,7 Mrd. Dollar erwartet worden.

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